Saturday, January 16, 2010

Drood - Dan Simmons


Ätzende Freundschaft

Als knapp 30 Stunden dauerndes Hörbuch, das ich von der ersten bis zur letzten Sekunde abgelaufen bin.

Gleich nach seinem Erscheinen habe ich mich mehrmals im Buchladen kaum zurückhalten können. Dan Simmons plus Charles Dickens erzählt von Wilkie Collins. Ich hätte es mir zu Weihnachten schenken lassen. Aber dann hat es Audible per E-Mail-Werbung annonciert und ich habe es mir auf der Stelle gekauft und heruntergeladen. Da sage einer noch, E-Mail-Marketing würde nicht funktionieren.

Um was geht es in dem knapp 1000-Seiten-Buch: Wilkie Collins erzählt von seiner Freundschaft und Feindschaft von Charles Dickens in dessen letzten fünf Lebensjahren. Das Geschehen beginnt mit einem Zugunglück, bei dem Dickens auf eine unheimliche Gestalt trifft. Es handelt sich um Drood, eine Mischung aus Todesengel, ägyptischer Mumie, Rächer der Entrechteten und Serienkiller. Fortan ist erst Dickens, dann Collins wie besessen von Drood, der wie eine Schimäre durch den Roman wandelt.

Eine ganze Fülle an Themen spielt der Roman durch: Die sozialen Zuständen der viktorianischen Epoche, Drogen, literarische Inspiration, koptische Kulte, Mesmerismus, Magnetismus, die literarische Szene, Vortrags- und Theaterkunst, die Poetiken Collins und Dickens, Verlagswesen, Domestiken, Moralgeschichte und vieles andere. Lauter Themen, mit denen man jeden Literaturmenschen sofort auf seiner Seite hat. Denn wir lieben die viktorianische Epoche!

Rivalen bis in die Ätzkalkgrube
Wichtigstes Motiv des Buches ist die Freundschaft zwischen Dickens und dem Erzähler, eine Freundschaft, aus der Rivalität und schließlich Hass wird. Wie komisch, wie geistreich, dieses Wettschreiben der beiden um die Gunst des Publikums und die sublimen Spitzen, mit der sich die Gentleman piesacken! Für mich ist das wichtigste und schönste an diesem Schmöker.

Dann ist da dieser Kosmos an Randfiguren, die das Roman-London bevölkern: Düsterlinge wie Drood und die Vetreter der Opiumhöhlen im Untergrund Londons; die glücklosen, aber hartnäckigen Gesetzeshüter Fields, Hattches und Barrester; die Frauen rund um Collins und Dickens; die Literaten-, Agenten- und Schauspielerblase rund um Dickens. Der Bestatter von Rochester ist eine echte Shakespeare-Gestalt.

Der Erzähler ist der Böse
Und natürlich lebt der Roman von der Figur des Erzählers. Simmons' Porträt von Wilkie Collins ist ziemlich böse: Ein opiumsüchtiger Literat, feige, arrogant, manchmal liebenswürdig, jedenfalls skrupellos. Es ist eben so schwer, ihn zu mögen, wie ihn nicht zu mögen. Als er die Tochter seiner Dienstboten auf eiskalte Art und Weise aus dem Weg schafft, hasst man ihn tatsächlich und wünscht ihm das Übelste. Dabei hält er sich die ganze Zeit für einen Gentleman. Es sind ja die besten Bösewichte, die sich selbst nicht dafür halten.

Dann: die Orte. Wohligste Schauerlokationen - Opiumhöhlen, bewohnte Kanäle und Katakomben, Herrenhäuser, auf deren düsteren Hintertreppen gemordet und umgegangen wird.

Und als Dreingabe gibt es massenhaft Literaturgeschichte. Über Dickens und Collins weiß man nach der Lektüre einiges mehr. Man hat auch nicht üble Lust , selbst mal wieder einen Dickens-Band zur Hand zu nehmen.

Ich habe fast jede Minute des Buches genossen. Wirklich ein starkes Buch.

Hier übrigens noch eine tolles Bild dazu von Simmons Illustrator John Picacio.

Monday, January 11, 2010

Die Straße - McCarthy

Soll eines der besten Bücher des vergangenen Jahrzehnts sein. Die Atmosphäre ist natürlich großartig - eine düstere Landschaft wie aus dem Byron-Gedicht, ein Mann und sein Sohn allein auf der Straße auf dem Weg ins Ungewisse, ohne Hoffnung. Kein Mensch mehr weit und breit und wenn doch, dann ist er ein Menschenfresser, krank werden sie, das Essen geht ihnen aus, es schneit, es ist nass, es ist kalt, das Elend nimmt kein Ende.

Und am Ende Tod und Rettung, oder so etwas ähnliches oder beides.

Wie gesagt, alles großartig. Doch ein paar Fragezeichen gibt es: Manchmal finden sie einen relativ behaglichen Unterschlupf. Und bleiben nicht da. Es gibt eigentlich keinen Grund, immer wieder aufzubrechen.

Am Schluss stellt sich heraus, dass sie von einer anderen Gruppe verfolgt werden, die ihnen nichts Böses wollen, sie vielmehr schon lange suchen. Warum weiß keiner was davon?

Irgendwie alles gleichnishaft. Aber man will es nicht auflösen.

Nach der Lektüre sehnt man sich nach etwas Hellem. Vielleicht einen Roman von David Lodge.

Im Zeichen des Sieges - oder so Bernard Cornwell

Wieder ein solider Cornwell. Allerdings ist die Erzähldichte nicht so groß, wie bei den Arthus-Büchern. Was wohl an dessen einmaligen Erzähler-Medium liegt.

Thursday, December 24, 2009

Poeten der Nacht von Barry McGrea

Homosexueller Literaturstudent entwickelt eine Abhängigkeit von sogenannten Sortés. So nennt man es, wenn man Bücher als zufällige Ratgeber benutzt, also einfach aufschlägt und die nächstbeste Passage als Orakel benutzt. Das ganze wird zu einer Obsession, die ihn um seine bürgerliche Existenz bringt.

Die Idee ist gut.
Aber leider schlecht umgesetzt. Das ganze ist viel zu breit, tausend Unwichtigkeiten werden erzählt, wahrscheinlich um Atmosphäre zu schaffen, was aber nicht gelingt. Der Held benimmt sich idiotisch, ist unsympathisch und schwach, die Sprache häufig klischeehaft.

Froh, es los zu sein.

Samuel und die Poesie des Alltags oder so ähnlich

Harmloses Büchlein der blauen Kategorie. Etwas Amelie, nur weniger charmant.

Las es in einem Rutsch, um's weg zu haben.

Saturday, December 19, 2009

Der verlorene Abend - Wolfram Fleischhauer

Ein tolles Buch. Warum bin ich nicht schon früher auf diesen Autoren gestoßen? Wahrscheinlich weil ihn das Verlagsmarketing in irgendeiner Genre-Ecke versteckt hat.

William Boyd - Eines Menschen Herz

Am Ende des Jahres ein großes Buch nach dem anderen. Habe es vor einem halben Jahr gekauft, mehrmals angefangen und immer wieder zurückgestellt. Jetzt hat es mich voll gepackt.

Eine Lebensgeschichte, epochenumspannend, in Form eines fiktives Tagebuchs.

Wegen solchen Büchern lese ich Romane. Da entfaltet sich ein ganzes Lebens, von der ungestümen Jugend über die Arroganz des ersten Erfolges bis hin zum Scheitern und zur Weisheit des Alters.

Großes Kino.


Tuesday, December 08, 2009

Sharpes Feuerprobe

Der erste Sharpe, nach einigen Anläufen auf einen Ruck durchgelesen.

Nicht ganz so toll, wie die Artus-Bücher. Das liegt daran, dass hier Sharpe alles selbst machen muss, was die ganze Sache etwas sehr unwahrscheinlich macht. Bei Artus ist es immerhin die ganze Clique.

Wie immer toll bei Cornwell die historische Verlässlichkeit und das Vermeiden von simplen Schwarz-Weiß-Malereien.

Das Schweigen - Jan Costin Wagner

So gut wie sein erstes Buch. Ein Buch, wie ein langes Nick Cave-Lied: Melancholisch, melodiös, schön.

Mit diesem schweigsamen Ermittler ist Wagner eine ganz besondere Figur gelungen. Er ermittelt gleichsam von außerhalb des Lebens.

Monday, November 30, 2009

Stephen King - Sunset

Dass ich ein großer Fan war und bin, habe ich schon mehrmals gesagt. Aber.
Es scheint da so einen Knick in seinem Werk zu geben. Ab diesem Knick erinnern mich die Bücher an die Metallica-Scheiben nach Hatfields Entziehungskur.
Es fehlt das Fließende. Da ist vieles so gewollt, bemüht, unwahrscheinlich.
Es klingt böse, aber früher waren King-Bücher richtig gute Cocktails. Heute sind sie wie alkoholfreies Bier oder koffeinfreier Kaffee.
Das soll nicht heißen, dass ich glaube, es liegt daran, dass King keine Drogen oder Alkohol mehr zu sich nimmt, bewahre! Ich glaube, der Knick kam schon früher. Ich glaube, etwa um die Stark-Zeit. Fest steht, es fehlt der Schwung.
Viele Autoren entwickeln in ihrem späteren Werk so etwas gelassen, altweises, humorvoll, langweiliges. Oft sind das ihre besten Bücher.
Bei King sieht es fast so aus, als stünde ihm dieses Register noch nicht zur Verfügung. Vielleicht, weil das Horror-Genre etwas Jugendlich-Pubertäres an sich hat.
Sunset also.
Die erste Geschichte von dem Pfefferkuchen-Mädchen zählt zu den schlechtesten Geschichten, die ich je gelesen habe, sorry. Die Heldin, Joggerin, die sich nach dem Tod ihres Kindes auf eine einsame Insel verkriecht und dort in die Fänge eines Psychos gerät, ist so dermaßen dämlich, dass man während der gesamten Lektüre nur den Kopf schüttelt. (Nachdem es ihr gelungen ist, den Schurken notdürftig einzusperren, macht sie sich seelenruhig auf Hausbesichtigung, bis der andere wieder frei ist und mehr so Zeug.)
Habe den Rest dann so hingenommen. Ich weiß wirklich nicht, ob ich die Arena noch mitnehmen werde.
Wahrscheinlich.

Saturday, November 28, 2009

Arthurs letzter Schwur - Bernard Cornwell

Plötzlich lag es in der Buchhandlung. Heiß erwartet, aber erst für Dezember. Gleich gekauft und nahtlos angeknüpft. In weniger als vier Tagen war ich durch. Die letzten 200 Seiten wie immer fast in einem einzigen Zug. Konnte gar nicht satt werden von dieser Geschichte, die jetzt zu Ende ist.

Zwei Stränge: Nimue will die alten Götter zurückholen. Das entsprechende Ritual ist barbarisch und entzweit sie mit den "Guten" rund um Arthur. Sie verhindern es in letzter Minute.
Die Sachen kommen, es gibt eine große Entscheidungsschlacht.
Die Post-Sachsen-Kriegsordnung ist fragil. Verschiedene Anwärter konkurrieren um den Thron.
Nimue verfolgt weiter ihren dunklen Plan. Sie wird immer barbarischer und rücksichtsloser.

Schluss - wie Herr der Ringe
Am Ende geht es einem, wie mit jeder großen Geschichte. man will diese Welt nicht verlassen. Man will bei diesen Figuren bleiben. Aber Artur segelt in den Neben von Avalon, nur Derfel, der treuherzige, aufrichtige Erzähler bleibt zurück. Der Schluss gleicht dem der Herr der Ringe-Saga. Da ist es auch der wackere Sams, der in im Alltag zurück bleibt, während der Rest der Crew ihre Reise in den Mythos antritt.


Monday, November 23, 2009

Halbschatten? Uwe Timm

Da steckt etwas vom englischen Patienten drinnen: Fliegen, Liebe. Schöne Leich.

Aber so recht romanhaft will sich die Liebesgeschichte zwischen der Pilot-Pionierin und dem Dandy-Waffenschieber-Spion nicht entwickeln. Ausgetauscht wird nur keusch ein Zigarettenetui. Das ist ein prima Novellen-Motiv.

Vielleicht hätte es das auch getan.

Schrei nicht so laut - John Harvey


Der Kriminalroman als zeitgenössische Form des Sozialdramas

Sozialdrama. Das klingt nach etwas Langweiligem. Nach Schule, Psychologie, Sozialpädagogik at it's worst.

Habe das Buch nach 20 Seiten weggelegt.

Dann, nach zwei Tagen weitergelesen.

Sozialdrama. Das ist ist die Form, in der wir uns am besten wiedererkennen. Hier werden uns Spiegelbilder, Rollenmuster, Bioografien und Konflikte geboten, die wir nachvollziehen können, die wir empathisch miterleben dürfen, in denen wir uns auch zu einem Teil ausleben können.

Schrei nicht so laut ist so ein Sozialdrama. Völlig unaufgeregt werden hier Lebensläufe aneinandergereiht, die mitten aus dem Leben gegriffen scheinen.

Ok, manchmal wirkt es etwas überzogen. Der Büchnersche Determinismus, der in den Tätern
am Wirken ist, scheint manchmal etwas konstruiert.

Konstruiert in dem Sinne, dass man hier Eigenschaften und Merkmale einer sozialen Umwelt häuft, von denen der Autor annimmt, dass sie das Verhalten der Killer - zu einem gewissen Grad jedenfalls - erklären können.

Aber dann sollte man sich vor Augen halten: Es ist eben doch ein Roman. Und ein Roman als eine Form der Unterhaltungskunst will wirken. Daher die Häufungen.

Killer entromantisiert
Und es ist ja gar nicht unbedingt der Killer, mit dem wir uns hier identifizieren wollen. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil, hier ist der Serienkiller entromantisiert. Das tut gut angesichts des Kultes der ja oft um ihn getrieben wird.

Nein, es sind die normalen Menschen, das Drama des Alltags, das seine nachhallende Wirkung hinterlässt.

Die Ehe des Ermittlers zum Beispiel, von der man eigentlich gar nicht sagen kann, woran sie kaputt gegangen ist.

Die Versuche der Menschen in mittleren Jahren, in ihrer eingerichteten Welt zurecht zu kommen. Die Leere, von der sie umgeben sind. Die Strategien, die sie dagegen aufwarten.

die Leere
Der Ermittler zum Beispiel liest Bücher. Das hat man als Leser gerne, denn es ist ja die eigene Strategie. Aber er liest sie ohne Ambition. Sein einziges Motiv: Er will damit die Leere überbrücken, die lange Zeit füllen.

Aber das ist nicht alles, was er tut. Er sorgt auch für Gerechtigkeit. Er schafft das, indem er nicht locker lässt. Indem er unbequeme Wege zu Ende geht. Das ist das andere. Das eigentliche Gegenstück, gegen die Leere.

Warum das Buch gut ist?
  • Weil es das Drama des normalen Menschen wiedergibt, ganz unaufgeregt, nüchtern.
  • Weil es sich am Ende auflöst, es die Erholung der Seele vom Dauerkonflik des Daseins erlaubt.
  • Weil jeder Figur Raum gelassen wird, ihre Art und Weise zu rechtfertigen, mit dem Drama fertig zu werden.
  • Weil es eine solide Moral liefert, ohne sie zu predigen.
  • Weil all diese Ambitionen ohne Prunk serviert werden.
  • Weil es den x-te Typus des einsamen, gescheiterten Detektives auffährt. Es funktioniert wieder, es untermauert den modernen Mythos.
  • Die Hauptfigur liest Dickens und antwortet auf die Frage, warum er die (gerade) langweilige Lektüre nicht abbreche, er könne einfach die Dinge nicht auf sich beruhen lassen.

Ich weiß nicht, ob ich noch viele Romane von JohnHarvey lesen werde. Schließlich gibt es noch so viele andere, aufregendere Versuche, dem Drama Existenz beizukommen.

Aber: Nach der Lektüre habe ich mich tatsächlich etwas beim nachdenklich sein ertappt. Das geschieht nicht oft. Schließlich ist man ein erfahrener Leser. Geneigt dazu, die Sachen schnell abzutun.

Das hier kam noch mal zurück. Durch die Hintertür. Sozialdrama.

Friday, November 06, 2009

Auferstehung der Toten - Wolf Haas


Immer diese Enttäuschung am Ende von Kriminalromanen. Es gibt einen Satz an Figuren. Einer von denen war es.

Aber das ist Nebensache. Hauptsache hier: der Sound, das Besondere der Sprache, die in dieser Sprache entstehende Figur des Brenner. Das ist besser, als vieles, vieles der genrefreien Literatur.

Zugegeben: Beim ersten Versuch habe ich nichts mit diesem Idiom anfangen können. Aber jetzt hat es gewirkt. Vor allem als angenehme Entschleunigung.

Wednesday, November 04, 2009

Reisen im Licht der Sterne - Alex Capus

Eine Vermutung über Robert Louis Stevenson mit der Idee, Stevenson habe den Schatz der Schatzinsel vielleicht tatsächlich gehoben.

Ein sehr schönes Buch über einen unermüdlichen Glücksritter. Ein Abenteuerbuch voller unglaublicher kleiner Geschichten und Anekdoten über Menschen, die nicht locker lassen.

Anspornend.

Wallner beginnt zu fliegen - Thomas von Steinäcker

Gutes Buch, sehr schön, wie die drei Leben sich von Anfang bis Ende abspulen. Man erwartet das anfangs gar nicht, alles ist recht szenisch, man meint, einen Plottspinner am Werk zu sehen, dabei rinnt uneinholbar die Zeit davon, fast wie im Zeitraffer. Und dann hat man drei ganze Leben durchmessen.

Friday, October 30, 2009

Dan Simmons - Terror und Kinder der Nacht

Dan Simmons also. Ein sehr interessanter Autor. Fing mit Terror an, war begeistert und kaufte gleich einen ganzen Haufen Taschenbücher von ihm. Einer dieser Autoren, die U und E auf einer ganz anderen als der stilistischen Ebene verheiraten. Bei ihm geschieht in der Geschichte selbst.

Vorweg: Terror ist ein Epenteppich von monumentaler Wucht - lang, breit, wohlig und wärmend. Es geht um die gescheiterte Suche Sir John Franklins nach der sagenhaften Nordwestpassage im arktischen Ozean. Diese bleibt buchstäblich im Packeis stecken. Die beiden Expeditionsschiffe Terror und die Erebus frieren auf unabsehbare Zeit fest.

Jetzt beginnt der Kampf gegen das Element, also gegen Eis, arktische Gewitter, Hunger, Skorbut, Kannibalismus. Aber nicht nur mit diesen irdischen Fährnissen hat es die Besatzung zu tun. Auch ein bäriges Eismonster inuitmythischer Herkunft dezimiert die Mannschaft beträchtlich.

Was für das Buch spricht:
  • tolle Details, gründlich und ausführlich recherchiert, wie es zugegangen sein muss - angefangen bei der Kartographie über die Proviantversorgung bis hin zur Schiffsplankenstärke und ihre unterschiedlichen Materialien. Man bekommt also ein prima Sachbuch als Gratiszugabe
  • perspektivisches Erzählen, psychologisch stimmig, abwechslungsreich
  • epische Breite, die man gerne durchwandert
  • Spannung, Action, ohne zu unnötig zu splattern
  • ein doppelter Boden mit mythischen Koordinatensystem

Las dann auch gleich, weil es auf Halloween zuging, Kinder der Nacht. Hat mich weniger überzeugt. Ein besserer Dan Brown.

Jedenfalls: Dan Brown hat sich mit Terror in meiner persönlichen Favoritenliste weit nach oben katapultiert. Leigt etwa auf einer Stufe mit Cornwell.

Friday, October 09, 2009

Buddenbrooks - Film von Broloer

Am Ende bekräftigt Sesemi Weichbrod die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit all den verstorbenen Buddenbrooks durch ein kräftiges "Es est so".

So oder so ähnlich der Schluss.

Nur - kein Mensch kennt die Frau (im Film ist es sogar die Ida), sie ist gar nicht eingeführt. Und ohne die Person ist der Satz nichts wert.

Genauso so geht es die ganze Zeit. Dauernd kommen Sachen vor, die völlig unvorbereitet plötzlich eine Rolle spielen. Der Zahnarzt, das neue Haus, das Klavierspiel. Alles wird vor den Zuschauer hingestellt und gleich wieder weggeschoben. Nichts bleibt haften, diese Welt scheucht einen hin und her und lädt nie zum verweilen ein.

Die Schauspieler sind alle ohne Ausnahme völlig verloren in Kostüm und Kulisse. Die Auswahl der Szenen mag sich zwar an den Schlüsselszenen des Romans orientieren, aber sie werden so lieblos runtergespielt, dass man eigentlich nur noch mit dem Kopf schüttelt.

Nach der Mann-Verfilmung, die wirklich großartig ist - ist der Film eine riesige Enttäuschung.

In der Zeit fragt sich der Rezensent, was Scorcese daraus gemacht hätte. Ich glaube, er hätte den Buddenbrooks in einem rauschhaften Bilderbogen ein filmisches Fest bereitet. Denn Scorcese kann Charaktere in Szene setzen. Davon ist hier gar nichts zu spüren. Und das bei einer Geschichte, die von ihren Figuren lebt.

Man nehme nur Everybody's Darling Toni. Im Buch ist sie noch keine 20, als sie in die Grünlich-Morten-Affäre verstrickt wird. Im Film ist sie eine Frau Anfang 30. Ihr ganze emotionale Misere bleibt völlig unverständlich. Mitgefühl kann hier nicht entstehen.

Alles ist plump, misstönend, unter Niveau. Als habe eine halbseidene Rumtata-Kapelle Fracks und Instrumente der Wiener Philharmoniker gemopst und führe damit einen völlig verhunzten Beethoven auf.

Wenn jemand die Buddenbrook nicht kennt - nach dem Film wird er niemals zum Buch greifen wollen.

Wednesday, October 07, 2009

Simple Storys - Ingo Schulze

Lange im Regal stehen gehabt und beim dritten oder vierten Anlauf endlich gelesen. Trotz Fremdheit gegenüber Personen, Ereignissen und Komposition manchmal richtig abgetaucht.

Jedoch, Fontane klagt einmal über die russischen Realisten, dass ihm da etwas fehlt. Mit Romantik und Verklärung ist dieses Fehlen nur schlecht bezeichnet. Jedenfalls, es weht einen nichts an. Alles nackt, staubig, trostlos. Es fehlt der Blues.

Die Witwen von Eastwick - John Updike

Die hohe Kunst des Meisters blitzt auf jeder Seite auf.

Dennoch, als Schlusswort eigentümlich unbefriedigend.