Thursday, February 26, 2009

Hunter von John Dunning


Wieder ein Kriminalroman über verlorene Bücher, Bücherjäger, geheime, aus den Seiten der Historie gelöschte Geschichten. Manchmal ein wenig zu harmlos, zu korrekt.
Schön, dass der Unsympath der ersten Seiten nicht der Bösewicht ist. Schön auch die eingerückte Episode vom Vortag des Amerikanischen Bürgerkriegs, auch wenn sie wirklich etwas abstrus motiviert ist. Nettes Kulissenkino überhaupt.

Daher ein Nachsehen mit:
  • der erdrückenden Überzahl starker, guter, hübscher und alternder Frauen
  • einem unnützen Ausfall gegen Raucher
Hat zwar nicht die Klasse des Dumas Club, aber die Story ist stark und trägt einen sehr flott über die 400 Seiten.

Tuesday, February 24, 2009

Variation auf ein Thema von Baudelaire

Es ist einer dieser düsteren Tage. Die Sonne schafft es nicht durch die Wolken. Die Stadt ist eingesponnen in einen Kokon aus Nebel. Du bahnst dir den Weg durch die Armeen in Zivil. Die Truppenbewegungen durchschaust du nicht. Keiner tut das. Du lässt dich treiben. Vor dem Laden, der vor kurzem noch ein anderer war, bleibst du stehen. Du denkst du hast Hunger (hast du aber nicht). Aber jetzt hast du den Rhythmus verloren und stehst wie ein Phantombild in der Menge. Und dann siehst du den roten Farbfleck inmitten der grauen Armee. Ein roter Fleck in einem Schwarzweißfilm. Ein Flogolet ertönt auf der wurmstichigen Zarge deiner Seele. Und dann ist sie weg. Und dann bist auch du weg, wieder anheim gegeben dem Brackwasser dieses Tages.

Monday, February 23, 2009

Herbstlicht von Hermann Lenz

So ziemlich das Gegenteil von Spannungsliteratur. Aber das darf auch mal sein. Nach Peter Handke müsste man dieses Buch wahrscheinlich ganz langsam in sich hinein rezitieren. Ich weiß nicht, ob das alles so viel Gehalt hat, mir kommt's manchmal etwas dürr vor.

Im Prinzip ist es eine Auflistung von Personen, die mal alle auf ihn herab geschaut haben, als er noch ein literarisches Nichts war, und denen er es jetzt doch gezeigt hat, weil er den Büchnerpreis bekommen hat.

Es hat was. Allerdings ist dieses Etwas auch sehr bieder. Aber warum nicht.

Friday, February 20, 2009

Abgefahren: Driver von James Sallis

Der Krimi des Jahres 2007. Ein Profi-Fahrer für Stunts und mittelschwere Überfälle gerät wegen eines dumm gelaufenen Jobs auf die Abschussliste der Mafia. Allerdings beißt die sich dann die Zähne an Driver aus.

Der kurze Roman ist in einer Art "Rondo-Schnitt" erzählt: Ganze Szenen wiederholen sich fast wortwörtlich, biografische Rückblicke werden scharf in den Gang der rasanten Handlung geschnitten. Das ergibt einen sehr schönen, melancholischen Sound.

Obwohl das Buch extrem kurz ist - man kann es locker an einem Abend lesen - blättert sich da doch ein Leben als Ganzes auf. Sehr gelungen. Höhepunkt ist das Gespräch zwischen Driver und dem verbleibenden Obermafiosi, das mit wenigen Zeilen einige hundert Zeilen Sartre in den Schatten stellt. Driver als jemand, der sich völlig autonom selbst erfindet. Er ist Fahrer - nicht mehr und nicht weniger - als Person völlig im Einklang mit seiner Funktion. Das dieser Einklang nicht gestört wird, ist auch die Bedingung für jeden Job, den er annimmt. Erst als das nicht mehr stimmt, laufen die Dinge aus dem Ruder.

Der Schluss lässt auf eine Serie hoffen. Fast klingt da eine Art verquerer Märchenton an. Hier ist etwas, was man von diesen amerikanischen hard boileds gar nicht kennt: Romantische Ironie.

Thursday, February 19, 2009

Rabbit , eine Rückkehr


Man sollte eigentlich immer ein Updike-Buch lesen. Nichts schärft den Blick auf den Alltag so sehr, wie diese Prosa.

Rabbits Rückkehr also. Nun ja, aus dem Grab steht er nicht auf. Aber seine Tochter steht plötzlich vor der Tür seiner Witwe und bringt einiges durcheinander. Eigentliche Hauptperson ist aber Nelson, mittlerweile über 40. Der kann leider seinem Vater als literarische Figur nicht ganz das Wasser reichen, daher ist der Roman wohl auch relativ dünn. Eine Art Reprise.

Was sehr interessant und gut ist:
  • wie immer die Details bei Updike und der Stil. Die Kunst, feine Seelenregungen aufzuspüren und ins Bild zu bringen
  • der Zeitbezug - das Ganze spielt am Vorabend der Milleniumsfeier, man entdeckt vieles wieder, wie etwa die Angst vor Y2K oder die Suche nach einem geeigneten Ort für die Feier
  • dass nichts geschieht und doch unglaublich viel
  • dass alles nach Rabbit schäbiger, deprimierender geworden ist

weniger überzeugend:
  • manche Ausbrüche der Figuren. Stiefvater Ronnie beleidigt die Rabbit-Tochter so hundsgemein, dass danach eigentlich alle menschlichen Brücken zw. ihr und den Hanssons völlig hinüber sein müssten. Sind sie aber nicht.
  • zu viel Straßen-Topografie

Aber: Updike bleibt Updike. Schade, schade, dass es jetzt definitiv nicht mehr weitergehen kann mit den Rabbits.

Tuesday, February 17, 2009

Der Fledermausmann


Warum aus der Masse gerade dieses Buch von einem Jo Nesbø? Es hätte jedes andere sein können. Eigentlich hatte es sogar schlechtere Chancen, weil wir nicht sonderlich an Australien interessiert sind.

Also, wie war es? Zuerst haben wir von Nesbø gehört in der Krimicouch anlässlich seines neuen Romans Der Schneemann. Dann standen wir im Hugendubel vor dem Krimiregal und blätterten in einigen Büchern. Das Cover eher mäßig, das Ganze uns eigentlich zu lange und zu fern (Australien, Ureinwohner, Norweger). Gekauft haben wir es dann aber ganz schnell am Bahnhof, wahrscheinlich, weil uns das Motiv mit der Fledermaus interessierte (das dann etwas lieblos behandelt wird, aber es gibt Entschädigung.) 

Wir haben dann erst das Poe-Buch fertig, dann das 400-Seiten Buch in zwei Tagen gelesen. Und es hat Spaß gemacht: Der Held ist gut gezeichnet (wie man so sagt), er hat eine echte, gravierende Schwäche (er ist Alkoholiker, kein trockener), es gibt eine recht passable Liebesgeschichte, die alles andere als gut ausgeht, es gibt starke Nebenfiguren usw. 

Aber was mir besonders gut gefallen hat: Der Mann interessiert sich für andere Leute. So lernt er zum Beispiel einen Alkoholiker im Hyde Park kennen, mit dem er sich am Ende anfreundet und irgendwie helfen sie sich gegenseitig durch pure Menschlichkeit. Außerdem steckt in dem Finale ein solches Maß an Verzweiflung und Trostlosigkeit, dass man ganz wie der Held einfach nicht die Augen aufmachen kann. Und nicht zuletzt sind da die eingeflochtenen Mythen und deren Mitschwingen in der Romanhandlung.


Kein Rabe so schwarz






Eine dieser schönen Geschichten über Literatur, eingepackt in eine starke historische Kulisse. Es geht um E. A. Poe und seine Erzählung über den Mord an dem Zigarettenmädchen Mary Rogers. Der Plot: Der alte, moralisch blitzblanke, angenehm biedere High Constabler Hayes verdächtigt den Dichter, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Er stellt ihm nach und entdeckt so Einiges.


Und auch der Leser erfährt so Einiges:
  • wie ein Colt funktioniert und wie die Idee wirtschaftlich eingeschlagen hat
  • wie die New Yorker Polizei, über die wir schon so viele Filme gesehen haben, in den 1840er Jahre organisiert war (nämlich kaum)
  • wie es in den Tombs - dem Schwerverbrecherknast - ausgesehen hat
  • welche Verleger zu Lebzeiten Poes den Ton angegeben haben
  • wie das damals mit dem Copyright war (es gab keines, angeblich, damit sich auch die breite Masse Bücher leisten kann
  • über den Journalismus damals (Skandale! Auflage! Schrecklicher Schwulst!)
  • was man an einem gemütlichen Feierabend aß
  • wie die Gangs of New York organisiert waren (besser als die Polizei)
  • und vieles mehr

Es gibt ja so Leute, die eine recht puristische Literaturauffassung haben und zu viel Wissen in Büchern verachten. Wir nicht. Wir stecken die Gratistaler gerne ein.

Das einzige was stört: Einige Zitate, vor allem Poes, sind nicht sehr gut verkittet. Joel Rosel zwängt da einiges an Blumen und Sträuße in die normalen Dialoge. Da beißt sich Manches. Aber, was soll's, das ist kein Nobelpreisbuch, sondern: ein echter Schmöker im besten Sinne des Wortes.




Thursday, February 12, 2009

Classico Banalo

Heute im Hugendubel:
"Wissen Sie, wo eigentlich der Unterschied zwischen Faust I und Faust II ist?"
"Tut mir Leid, mit Faust habe ich mich nie beschäftigt. Der eine ist länger, würd ich sagen."
"Wirklich, tolle Dialoge, sollten Sie mal lesen. Aber sagen Sie mal: Wer hat denn jetzt eigentlich den Erlkönig geschrieben?"
"Puh, da muss ich Ihnen leider sagen, das ist nicht so mein Schwerpunktgebiet."
"Ich würde nur gerne wissen, ob es den auch als Reclam-Heftchen gibt. Eventuell auch als Prosa, wenn es sein muss."
"Da bin ich jetzt überfragt."

Leise und errötend flüchtet sich der zufällige Passant aus der Buchhandlung.

Sunday, February 08, 2009

Das Glück der anderen

Eine Kleinstadt in Amerika nach dem Bürgerkrieg. Jakob Hanson, Scheriff, Leichenbestatter und Prediger in einer Person kämpft gegen die Diphterie und eine Feuersbrunst. Und dagegen, seinen Glauben zu verlieren.

Die Mensch und Tier sterben buchstäblich wie die Fliegen. Das, was mal bürgerliche Ordnung hieß, löst sich an allen Ecken auf, die Vernichtung ist total.

Und mitten in der Hölle, verzweifelte Gesten wie diese:

Die Straße ist voller Wagenspuren und in der Asche liegt ein plattgedrückter Vogelkäfig, in dem sich ein Kanarienvogel noch immer seitlich an seine Stange klammert. Du hebst das verbogene Ding auf und der Vogel flattert und schlägt mit den Flügeln. Mit dem Messer drückst du die Gitterstäbe auseinander, lässt den Vogel frei und wirfst den Käfig weg.

Während dessen verwesen rings um die Leichen seiner Mitbewohner, seiner Freunde, seiner Frau, seiner Tochter. Er arbeitet gegen das Chaos an, nahezu beharrlich, bis zum Schluss.

Der Kniff mit dem Du-Erzähler gibt dem Ganzen eine ganz eigene Dichte, einen Sound, der dem Leser lange nicht mehr aus dem Kopf geht.

Der Schluss ist von einer solchen Trostlosigkeit, dass man sich unter einem großen, schützenden Flügel verkriechen will.

Bislang das Beste in der Reihe hervorragender Stewart O'Nan-Bücher, die du in rascher Folge gelesen hast, als fändest du hier eine Art Neues Testament.

Evil Jack Ketchum

Zwei Waisenmädchen, eine abartige Stiefmutter, grausam-normale Kinder, ein self-made Atombunker im Keller. Und ein Junge, der zu lange zuschaut, bis er etwas tut.

Das eigentlich Interessante an dem (wirklich sehr spannendem Buch): Ab wann wird man selbst schuldig, wann ist die Grenze überschritten? Und: Warum liest man weiter? Weil man unbedingt wissen will, wie es endet, oder aus Faszination an der Grausamkeit, der auch die Kinder in dem Buch erliegen. 

Das ganze ist so unglaublich grausam, dass man es wirklich nicht weiter lesen will, ohne aufhören zu können. Damit erfährt man als Leser eine ganz, ganz leichte Ahnung dessen, was in den Tätern vorgegangen ist.

Und es gibt auch eine ganz klare, einfache Botschaft: Das Böse passiert, jeden Tag, in deiner Nachbarschaft. Wenn du die Augen davor verschließt, machst du dich schuldig. Wenn du nicht zuhörst, machst du dich schuldig. Wenn du das Radio aufdrehst, um den Hilferuf zu überhören, machst du dich schuldig. 

Wenn du nicht wachsam bist, übertrittst du die Linie. 

Thursday, February 05, 2009

Herde bei Eichenau

Dank eines Selbstmörders machen wir heute Bekanntschaft mit Eichenau. Eichenau Nord. Der Ortsname klingt nach einer alten KZ-Stätte.
Hier gibt es nichts. Nur Parkplätze für Pendler wie wir.
Derzeit ist der Schienenverkehr zwischen Fürstenfeldbruck und Passing gesperrt. Es herrscht Schienenersatzverkehr.
Der Schienenersatzverkehr besteht aus drei Bussen, die im Abstand von halben Stunden anzuckeln. Drinnen kleben die Pendler, die sie an den Stationen vor Eichenau eingepackt haben, wie Insekten an den Scheiben. Jeder Bus wird von hundertstimmigen Gelächter empfangen. Keine Chance, der Schienenersatzverkehr ist eine Niete.
Es ist kalt. Nach zwei Stunden noch kälter.
Die Gelegenheit wäre günstig, aber wir wollen nichts wissen über Eichenau. Oder Olching, wohin sich einige Verzweifelte fahren lassen, nur um irgendwie weiter zu kommen.
Mobiltelefone klingeln, Bahnentschuldigungen werden repetiert. Jaja, ist schon gut.
Auf der Glasabdeckung der Haltestelle entdeckt jemand einen Fußball, aber niemand klettert hinauf, um ihn zu holen. So fällt auch die erste Fußballpendlermeisterschaft aus.
Eichenau bringt es einfach nicht.
Irgendwann steht dann doch auf der Anzeigetafel, dass die nächste S-Bahn in sieben Minuten kommt. Als ob nichts passiert wäre.
Irgendwo weiter vorne tragen sie jetzt wahrscheinlich eine Zinkwanne weg. Ein Lokführer wird beim psychosozialen Dienst angemeldet. Für heute hat er frei.
Wir nicht. Der Zug kommt tatsächlich. Wir zwängen uns hinein.
Wir sind die Herde.

Wednesday, February 04, 2009

Gott nervt in der Zigarettenpause

Diese noch, denkt er sich, als er die Zigarette anzündet. Da steht er dann mit den anderen Verbannten. (Wenigstens weiß er jetzt, wo er hin gehört.)

Eine Frau schleicht sich an ihn heran und hält ihn ein Heftchen unter die Nase. Darauf zu sehen: Ein gemalter Turm im Hintergrund, vorne ein ein blondes Jüngelchen, den Arm um die Mähne eines Löwen geschlungen. Blonde Bestie, denkt er.

"Ich würde gerne mit Ihnen über Gott reden."

"Danke, nein."

Er wirft die Kippe weg und hat es auf einmal eilig, muss zum Zug, zum Abendessen, zu Frau und Kind, zu den E-Mails, die inzwischen angekommen sind. Von Gott wird keines dabei sein, da ist er sicher.

Eines weniger, das er abarbeiten muss.

Halloween

Eine Clique von Jugendlichen, die in der Halloween-Nacht mit dem Auto gegen einen Baum fahren. Drei von ihnen sterben, teilweise schrecklich entstellt. Einer - früher einer coolsten - wird auf den Entwicklungsstand eines Vierjährigen zurückgeworfen. Der einzig wirklich Überlebende führt nur mehr ein Schattenddasein auf den Tag hin, wo er den anderen nachfolgt. Und dann ist da noch der Polizist, der dabei war, verwickelt, selbst schuldig, seit dem Tag hoffnungslos aus der Bahn geworfen.

Sie alle treffen sich wieder, die Lebenden und die Toten, an ihrem Jahrestag. Und bringen die Geschichte zu Ende.

Das ist so ein Roman, bei dessen Lektüre einem der Gedanke kommt, dass man genau so eine Geschichte schon immer mal lesen wollte. Vielleicht weil sie viel mit der melodramatischen Vorstellung zu tun hat, bei seinem eigenen Begräbnis Beobachter zu spielen oder als Geist durch die Straßen und Orte seines verlorenen Lebens zu ziehen und den Menschen nahe zu sein, die übrig geblieben sind (und die einen rufen).

Stewart O'Nan, dessen Bücher zu lieben wir beschlossen haben, schreibt so was. Unverwechselbar, echt, an die Nieren gehend.

Tuesday, February 03, 2009

Bettler, Kassiererin und schwarzer Rover – erste Variation

Er bezieht jeden Tag seinen Posten auf einer hochkant gestellten Obstkiste, sein batteriebetriebener Radio spielt irgendeinen Kultursender, sein Hund liegt auf einer haarigen Baumwolldecke mit Blümchenmuster. Meist liest der Mann in einem stockfleckigen Taschenbuch. Wenn eine Münze in den Blechnapf fällt, lächelt er höflich und bedankt sich würdevoll.

Im Supermarkt direkt hinter ihm seufzt eine junge Kassiererin jedesmal auf, wenn ein Kunde aus dem Billig-DVD-Ständer Shakespeare in Love auswählt.

Im Halteverbot vor dem Eingang parkt ein schwarzer Landrover. Eine Golfzeitschrift liegt auf dem Beifahrersitz; darunter klingelt ein Handy.

Der Himmel fährt eine Flotte Wolken auf. Ein Kassenzettel flattert auf, kommt kurz vor den neugierigen Augen des Hundes zur Ruhe, wird erneut in die Luft gewirbelt und verschwindet.

In der Ferne rollen Donner.

Der Mann auf der Obstkiste schlägt den Mantelkragen hoch. Die Kassiererin ruft nach der Stornokarte. Der schwarze Rover ist verschwunden.

Monday, February 02, 2009

Nachtrag: Philip Pullman

Die Lektüre von Philip Pullmans Goldenem Kompass habe ich unterschlagen. Las die ersten beiden Bände mit großem Vergnügen und wollte gleich an den Dritten, was ich aber dann aus irgendeinem Grund nicht getan habe und schon war das Momentum beim Teufel. Ging mir also ganz genau wie bei dieser Kai Maier-Sache mit der Fließenden Königin.

Jedenfalls war der Eindruck stark. Die Engländer haben die Sache mit den Mythen einfach drauf.

Updike

Seit einer Woche dreht sich die Welt ohne John Updike. Dass da jetzt nichts mehr kommen wird ist irgendwie unfassbar.
Ich kann mich noch ganz deutlich daran erinnern, dass ich letztes Jahr einmal den Gedanken hatte: Du wirst wahrscheinlich erleben, dass John Updike stirbt. Und: Er wird von allen der größte Verlust sein.
Und schon ist es passiert.

Mein erstes Updike-Buch war Henry Bech, immer noch ein wunderbarer Einstieg. Dann kamen die Rabbit-Romane und seit dem jedes Jahr mindestens ein Updike-Buch: Der liebe Gott und die Wilmots, Ehepaare, Das Gottesprogramm, Getrude und Claudius, Terrorist, Sucht mein Angesicht, Kurzgeschichten in Mengen, mehr Bech-Geschichten, Selbstbewusstsein, Brasilien, Erinnerungen an die Zeit unter Ford, Rabbit in Ruhe.

Jetzt gilt es, wirtschaftlich mit den Büchern umzugehen, die noch im Regal stehen:
Landleben
Auf der Farm
Am Ende der Zeit
Etwa 120 Essays
Viele Kurzgeschichten
S.
Der Sonntagsmonat
Golfträume
Der Weg zu zweit

Aber man kann seine Sachen ja auch immer wieder lesen. Den vierten Rabbit-Roman habe ich zum Beispiel zwei mal gelesen, eine Wucht von einem Buch, eine literarische Bilderflut.

Die Welt ohne Updike also. Sie ist nun ärmer um eine der genausten und schönsten Sichten auf sich selbst .