Ein Blog über das Stöbern im Grenzland zwischen U und E. Ausflüge ins Landesinnere inklusive.
Saturday, September 29, 2018
Gianna Molinari - Hier ist noch alles möglich
Erzählung, Märchen. Eine dieser versponnenen Texte, die es so nur in der deutschsprachigen Literatur zu geben scheint. Weiß nicht, wie ich das finden soll. Das sind so typische Konstellationen mit drei, vier Figuren, die in einem „interessanten“, neo-romantischen Setting mit Möglichkeiten herumspielen. Aber umhauen tun sie einen damit nicht.
Saturday, September 22, 2018
Thomas A, Szlezák - Homer oder Die Geburt der abendländischen Dichtung
Sehr gutes, sehr klares Buch über die Odyssee und die Illies, inklusive brauchbarer Synopsen. Der Vergleich mit Gilgamesch wenig erhellend.
Tuesday, September 18, 2018
Francesca Melandri - Alle, außer mir
Sehr guter Roman, der sehr souverän die Gegenwart und mit ihr die Wurzeln der Flüchtlingsproblematik und des Rechtsrucks in Europa spiegelt.
Virginie Despentes - Das Leben des Vernon Subutex 2
Starker Gesellschaftsroman. Vernon wird zur Heilsfigur. Nur wenn es ums Plotten geht, wackelt das ganze ein wenig.
Klaus Modick - Keyserlings Geheimnis
Thursday, August 30, 2018
Jonas Lüscher - Kraft
Campus-Roman, rechte intellektuelle, neo-liberale Mentalität, teilweise sehr lustig und bös ironisch. Das Ende etwas matt.
Sunday, August 19, 2018
Graham Swift - Ein Festtag
Sehr guter kleiner Roman über einen lebensentscheidenden Moment und die Genese des Schriftsteller-Bewusstseins.
Arno Geiger - Unter der Drachenwand
Roman eines Kriegsheimkehrers, Kommentar von Iris Radisch: „Unter der Drachenwand ist eine geniale Authentizitätsfiktion, aus der der Autor sich anschießend so spurlos wie möglich zurückgezogen hat.“ Sehr treffend. Aber trotz der Stimmenimmitation bricht immer wieder der kraftvolle Erzähler durch, so auf z.B. auf
Seite 51: „ in den alleruntersten Schichten des Schlafes, wo es immer feucht und kalt ist, stieß ich erneut auf den Krieg, auf seine tausendfünfhundert schrecklichen Tage, auf Blutgeruch und wie sich gleichzeitig friedlich das Korn im Wind bewegt, während die Partisanen sich vor der Grube aufreihen und ihnen der Schweiß über das Gesicht rinnt.“
Stoff und Sprache teilweise an Hemingway erinnernd. Aber hier die geglückte Imitation authentischer Stimmen. Wie hat er das wohl gemacht, wie ist er an die Quellen gelangt? Laut Interview im Deutschlandfunk, handelt es sich um einen Zufallsfund: "eine alte Korrespondenz - Kinderbriefe, Elternbriefe, Behördenbriefe - in der es um Kinderlandverschickung nach Schwarzindien am Mondsee ging."
Im gleichen Interview zu den lyrischen Schrägstrichen, das sei ein bisschen wie bei einem Gedicht, es sei mehr als Punkt und weniger als ein Absatz. Er habe ein zusätzliches formales Gestaltungselement gewollt, an das man sich ja nach zwei, drei Seiten (...) gewöhnt habe. Irgendwie auch in dem Wunsch zunächst einmal, dass er so diese ganz konventionelle Romanform wenigstens in einem Detail breche, um zu signalisieren, für ihn sei das mehr als einfach nur ein Roman.
Jedenfalls eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Vor allem der Ton macht hier wieder 70 Prozent des Erlebnisses aus

Friday, August 10, 2018
Bernard Cornwell - Narren und Sterbliche
Roman als Container für Elisabethanische Requisiten-Show missbraucht, Hatte meinen Spaß, allerdings der Vorleser nicht der Hit, z.B. wenn er kleine Jungs oder Mädels imitiert.
Stefan Bachmann - Die Seltsamen
Gut gemachter, detailreicher Steampunk-Fantasy-Roman. Aber nicht mehr meine Lektüre. Übersättigt an Fiction.
Inge Jens - Am Schreibtisch
Buch über Thomas Manns Schreibtisch. Wie er er ihn um die halbe Welt mitnahm und immer wieder als Anker benutzte. So lange es ein Werk gab.
Tuesday, July 24, 2018
Ariel Magnus - Die Schachspieler von Buenos Aires
Eines von den Büchern, die man sehr mag und die einem unheimlich sympatisch sind, dabei aber gar nicht sehr fesseln und einen sogar manchmal ziemlich langweilen. Sehr schön hier das postmoderne Spiel mit den Formen. Aber auch sichtbar das Dilemma, Schach zu erzählen, damit es Laien verstehen. Für den Kenner klingt das immer nach Verschieben schwerer Möbel in einem zu kleinen Zimmer.
Jeremias Gotthelf - Die schwarze Spinne
Genauso unheimlich, wie in der Erinnerung. Die schwarze Spinne ist tatsächlich purer Horror. Die Moral darin gar nicht so fragwürdig, schließlich ist der Auslöser der ganzen Katastrophen, die auf den hundert Seiten hereinbrechen das Überheben einiger weniger auf Kosten anderer. Der Nährboden für Teufelswerk ist die Unterdrückung anderer zwecks eigener Bereicherung.
Sunday, July 22, 2018
Robert Seethaler - Das Feld
Spitzenreiter der Spiegel-Bestenliste. Eigentlich kein richtiger Roman, wie so viele Bücher heutzutage trägt es dieses Etikett um des Absatzes Willen. Aber egal. Im Prinzip ist auch jeder Roman eine Art Container für alle möglichen Formen. Warum nicht auch für eine Sammlung von Geschichten. Den Rahmen der Geschichte bildet der Friedhof, das „Feld“, hier liegen die Toten und berichten einem namenlosen Erzähler, der nur am Anfang des Romans kurz in Erscheinung tritt und sich fragt, ob diese Stimmen seiner Fantasie entstanden, oder tatsächlich die jenigen der Toten sind, die ihm noch unbedingt etwas erzählen müssen. Ich weiß nicht welche Vorstellung da von spannender ist, beide haben ihre Reize.
Tuesday, July 17, 2018
Eric Vuillard - Die Tagesordnung
Sehr gute Erzählung über zwei Ausschnitt der Nazi-Geschichte. Einmal die Versammlung der Wirtschaftbonzen, wie sie leichterhand den NS-Staat sponsoren. Das andere Mal ein sehr erhellender Blick hinter die Kulissen des Anschlusses Österreichs. Vuillards Kommentare sehr nah an unserer Zeit - Sieg von Frechheit, Dreistigkeit, Überrumpelung, Lügen über alle Vernunft.
John Updike - Werben um die eigene Frau
Frühe Updike-Storys, noch in den 50er Jahren spielend. Stoff sind Ehe, Familie, Beziehungen. Form ist häufig eine Art Versuchsanordnung, bei der entfernte Motive miteinander verbunden werden. Das ein Feld pflügende Nachbarskind plus Ausgrabungen und Archäologie plus Verlust einer Geliebten zum Beispiel. In dem so entstehenden Spannungsfeld blitzt dann Updikes meisterhafte, manchmal ausgestellte Sprache. Manchmal ermüdend und keinesfalls einfach so weglesbar.
Sunday, July 15, 2018
Tad Williams - Der Engelsturm
Abschluss des Epos. Natürlich wird es hin und wieder langatmig, aber das gehört zu diesen großen Vorhaben. Schön, wie hier alles wieder zusammengeführt wird. Nur der Höhepunkt, die Wiederkehr des Sturmkönigs, ist seltsam kurz. Über vier Bände hat sich da etwas zusammengebraut, das dann in wenigen Seiten, ja fast Zeilen, verpufft. Aber das ist in Ordnung. Man hält die knapp 4000 Seiten durch, weil darin Figuren handeln, bei denen man gerne verweilt. Großartig gelesen Andreas Fröhlich.
Saturday, July 14, 2018
Christoph Ransmayr - Die Verbeugung des Riesen
Erzählungen, Texte, Aufsätze über das Erzählen und Schreiben. Besonders bemerkenswert: die Erfindung der Welt. Fragen. Antworten. Dabei handelt es sich um eine Hommage an Kafka. Ransmayr spürt hier dem Prozess Des Erzählens nach. Wie sich aus einer Beobachtung Fragen ergeben, eine Masse von Fragen, Cluster von Fragen, und wie jede Antwort auf Bestimmteres zusteuert - und das ist dann die Erzählung.
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