Friday, April 24, 2015

Stefan Zweig - Die Welt von gestern

Das hätte ich ohne den Film Hotel Budapest sicher nie gelesen - und hätte was verpasst. Die Memoiren eines Weltfreundes mit der ganzen Eleganz der Welt von gestern aufs Papier gebracht.

Sunday, April 19, 2015

Cormac McCarthy - Ein Kind Gottes

Eigenbrödler verliert sein Haus, lebt im Wald und findet Gefallen daran, Menschen zu töten, sich an ihnen zu vergehen und sie dann in einer Höhle zu verstecken. Archaische Szenen, abgerissene Sprache und Gewaltpornographie, manchmal biblische Register mit eigentümlichem Pathos, das ist Reiz und Beschränktheit McCarthys.

Saturday, April 18, 2015

Terezia Mora - Alle Tage

Sehr guter, dichter Roman über ein sozial gehemmtes Sprachgenie aus Osteuropa, das die Straßen Berlins durchirrt, um seine Jugendliebe wiederzufinden und das jeden, der ihm begegnet, seltsam berührt oder abstößt. Besonderer Reiz durch Komposition in Form eines Nebenfigurenreigens.

Friday, April 17, 2015

Terezia Mora - Nicht sterben

Interessante Poetik einer modernen Romanschriftstellerin. Sehr tief und weit, weit von 0815 Schreibbüchern entfernt.

George R. R. Martin - Traumlieder I

Erste Stories. Anfangs ziemlicher Mist. Langsam besser werdend. Sehr schön die Essays dazwischen.

Fritz J. Raddatz - Lügner von Beruf

Über Faulkner. Relativ schwach. Kaum etwas interessantes zu finden, wenn man Faulkner besser kennt. Titel ziemlich daneben.

Friday, March 27, 2015

Leo Perutz - Nachts unter der steinernen Brücke

Über Kehlmanns Buch drauf gekommen. Sehr schöner Roman, der in Episoden aus dem Prag des frühen 17. Jahrhunderts die Liebesgeschichte von Kaiser Rudolph und der schönen Jüdin Esther erzählt, eine Liebe, die eigentlich nicht vollzogen wird, jedenfalls nicht in der Wirklichkeit der Erzählung. Überhaupt wird sie nur angedeutet, ist aber der Kit, der die vielen Geschichten zusammenhält. Legenden, jüdische Mystik, Anekdoten, Geister, Dämonen, Engel, der Teufel, alle haben ihren Auftritt. Ein wirklich sehr lesenswertes Buch, durch das sehr viel 19. Jahrhundert weht, Hoffmann vor allem, Meyrinks Golem und noch einiges mehr. Dass der Roman eigentlich zur Nachkriegsliteratur zählt, würde man kaum für möglich halten.

Stephen King - Revival

Immer besser wird er, der Meister. Besser, weil knapper, fokussierter und dabei diesmal sehr Dickens-haft. Monster nur noch wie durch ein entferntes Fenster, dafür unheimlicher.

Daniel Kehlmann - Kommt, Geister

Brillante Führung durch Kehlmanns literarischen Kosmos. Und man will sie gleich alle lesen: Perutz, Grimmelshausen, King, Gotthelf, Shakespeare...

David Foster Wallace - Unendlicher Spaß

Im dritten Anlauf, reichhaltige Kost. Sehr interessant darin: Es ist voller Konzepte für das Überleben in einer sinnentleerten Welt. Was man ja nicht unbedingt erwarten durfte.

Friday, March 20, 2015

Terry Pratchett - MacBest

Aus aktuellem Anlass. Mein erster Scheibenwelt. Nette Shakespeare-Persiflage. Aber alles in allem nichts, wovon ich süchtig werden könnte.

Saturday, March 07, 2015

Tomas Tranströmer - Sämtliche Gedichte

Starke Verse, das ganze Buch.
Morgens um vier Uhr, / wenn die saubergeschabten Knochen des Daseins / kalt miteinander umgehen.

Georg Büchner - Woyzeck

Bildergebnis für büchner woyzeck fischer ebook fischerverlagJa, klar, Sozialdrama, Determinismus, gesellschaftliche Verhältnisse sind Schuld etc. Aber es ist die Sprache, die das Stück so gut macht. Und das, was alles nicht da steht, aber trotzdem da ist, weil es die Sprache in absentia heraufbeschwört. Als Story aber kaum zu ertragen. Fetzen, die im Prinzip nachträglich kolportiert. Zusammengeklebt aus einem Scherbenhaufen, nur einen Zerrbild liefernd.

Florian Illies - 1913



 Rilke, Trakl, Werfel, Kokoschka, Stalin, Hitler, Strawinski, Kafka, Thomas Mann und viele mehr, alle parallel gesetzt in diesem einen, ereignisreichen Jahr. So wünscht man sich ein literarisches Sachbuch.

Wednesday, February 25, 2015

Michel Houellebecq - Unterwerfung

Verführerisch gutes Buch. Wie lässig und gekonnt Houellebecq hier einen großen politischen Roman hinwirft und wie ungemein unterhaltend das ganze ist. Sehr überrascht. Die große Stärke des Buches: Es ist kaum Satire darin, es ist durchaus ernst gemeint. Der Eindruck des Satirischen ergibt sich vielmehr aus der realistischen Schilderung des heutigen Decadent.

Saturday, February 21, 2015

D.T. Max - Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte

Schöne Biographie über David Foster Wallace. Weckte wieder Lust auf diesen begnadeten Schriftsteller. Sonderbar, wie heiter und lebhaft DFW wirkt. Bis kurz vor Schluss kann man sich nicht vorstellen, wie das im Selbstmord enden soll. Aber dann geht es durch die Kombination aus Überforderung angesichts der neuen Schreibaufgabe und Umstellung der Antidepressiva rasend schnell.

Tuesday, February 17, 2015

Sascha Arango - Die Wahrheit und andere Lügen

Nette Krimi in Highsmith-Manier, stilistisch sauber, allerdings gehen am Ende die Knalleffekte aus.

Sunday, February 15, 2015

Jan Wagner - Regentonnenvariationen

Sehr schöne und zugängliche Gedichte. Sah den Dichter vor zwei Jahren in Irsee. Tiere, Pflanzen, Gegenstände und Bukolisches. Zum Wiederlesen markiert:  Dachshund, Versuch über Seife ("man wusch sich von kain zu abel"), otter (der nachts so schön mit Tarnkappe durch die Dörfer zieht), die stifter, koi (bei denen im kalten Nass das Alter beginnt), das Titelgedicht, grottenolm (blind wie homer), anna (mit der Hasenscharte und den Butterhänden), versuch über mücken, laken, lazarus, versuch über servietten.

Wolf Haas - Brennerova

Von Wolf Haas muss man ja eigentlich alles lesen.  Hier geht es um schöne Russinnen,  Tätowierungen,  Schamanismus. Aber egal, worum es geht,  man liest Haas immer wegen der Manier. Jeder Satz eine kleine Sprachidee.

Monday, February 09, 2015

Michael Ende - Die unendliche Geschichte

Wiederbegegnung nach über 30 Jahren. Hat kaum etwas von ihrem Zauber eingebüßt. Alles sehr stimmig, in der phantastischen Literatur Maßstäbe setzend. Übrigens das gleiche Gefälle, wie damals erlebt: Bis Bastians Wechsel nach Phantasien sehr fesselnd, dann mitunter mühsam, was an Bastians schwierigerem Charakter liegen mag. Deshalb damals von den Erwachsenen sehr ernsthaft als "schwer" bezeichnet.