Ein Blog über das Stöbern im Grenzland zwischen U und E. Ausflüge ins Landesinnere inklusive.
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Sunday, December 22, 2019
Christoph Poschenrieder - Der unsichtbare Roman
Gustav Meyrink, der Schriftsteller, soll im Auftrag des Auswärtigen Amtes einen Propagandaroman schreiben. Er nimmt das Angebot an, umkreistes Projekt, tut aber nichts dafür. Sehr lässiger, kleiner Roman.
Sebastian Barry - Tage ohne Ende
Zwei schwule Unionssoldaten erleben allerhand Grausamkeiten im Krieg gegen Indianer und Südstaatler. Doch sie bleiben bei allen Erlebnissen positiv, das ist das Erstaunliche. Ganz einmalig ist der Ton, in dem das alles erklingt - sehr farbig, genialisch.
Thursday, October 10, 2019
Steffen Kopetzky - Propaganda
Saftiger Roman mit Krieg, Indianern, Nazis, Hemingway, Matlock-Gerichtsfinale, Vietnam, Kennedy, Nixon, Apocalypse Now usw. Sehr unterhaltsam, nur am Ende läuft es sich ein wenig leer.
Friday, June 28, 2019
Rohinton Mistry - Das Gleichgewicht der Welt
Anrührender Gesellschaftsroman aus dem Indien der 70er Jahre. Gegen Unterdrückung, Gewalt, Willkür und Grausamkeit eines nur scheinbar demokratischen Staates hilft ganz unten nur noch ganz pure Menschlichkeit. Eine Variation auf das Willkür-Instrument verhängter Ausnahmezustand.
George R.R. Martin - Armageddon Rock
Sehr sympathisches, nostalgisches Unterfangen. Eine Kultband der großen Aufbruchsgeneration feiert geisterhaftes Comeback, spektakulär und diskurslastig.
Sunday, November 18, 2018
Karen Duve - Fräulein Nettes kurzer Sommer
Schönes, lebendiges Buch über Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) in ihren frühen Zwanzigern. Zeitkolorit, Sittengemälde, klar und plastisch im Ton.
Sunday, October 28, 2018
Hans Pleschinski - Wiesenstein
Roman über das Ende Gerhart Hauptmanns. Die Art seines Denkens, Dichtens, Daseins. Weckt Neugier auf das Werk, von dem man nicht mehr viel spricht. Starke Schilderung der grauenvollen Zustände in Schlesien zum und nach Ende des Kriegs.
Tuesday, October 09, 2018
Alex Capus - Königskinder
Schöner kleiner Roman. Ein Paar wird im Auto eingeschneit. Eine Melkhütte auf dem Feld wird Ausgangspunkt für eine Geschichte um Ludwig den XVI, die der Mann zusammenspinnt, um beiden die Zeit zu vertreiben. Sehr gekonnt, sehr unterhaltsam, kleines Juwel.
Michael Ondaatje - Kriegslicht
Roman, der vor allem durch seinen Ton überzeugt. Nur wenn es in Richtung Plot geht, wird es etwas unklar. Die Fäden verschwinden nicht richtig im Geflecht, was man auch nicht unbedingt bräuchte, wäre die Ambition nicht angedeutet.
Wednesday, October 03, 2018
Tariq Ali - Im Schatten des Granatapfelbaums
Etwas plakative Geschichte einer moslimischen Familie in Andalusien, zu Zeiten des Endes der Reconquista. Etwas schwarz-weiß gemalt. Am Ende erhebt sogar noch Cortez, der Killer, sein blutiges Haupt.
Tuesday, September 18, 2018
Klaus Modick - Keyserlings Geheimnis
Sunday, August 19, 2018
Arno Geiger - Unter der Drachenwand
Roman eines Kriegsheimkehrers, Kommentar von Iris Radisch: „Unter der Drachenwand ist eine geniale Authentizitätsfiktion, aus der der Autor sich anschießend so spurlos wie möglich zurückgezogen hat.“ Sehr treffend. Aber trotz der Stimmenimmitation bricht immer wieder der kraftvolle Erzähler durch, so auf z.B. auf
Seite 51: „ in den alleruntersten Schichten des Schlafes, wo es immer feucht und kalt ist, stieß ich erneut auf den Krieg, auf seine tausendfünfhundert schrecklichen Tage, auf Blutgeruch und wie sich gleichzeitig friedlich das Korn im Wind bewegt, während die Partisanen sich vor der Grube aufreihen und ihnen der Schweiß über das Gesicht rinnt.“
Stoff und Sprache teilweise an Hemingway erinnernd. Aber hier die geglückte Imitation authentischer Stimmen. Wie hat er das wohl gemacht, wie ist er an die Quellen gelangt? Laut Interview im Deutschlandfunk, handelt es sich um einen Zufallsfund: "eine alte Korrespondenz - Kinderbriefe, Elternbriefe, Behördenbriefe - in der es um Kinderlandverschickung nach Schwarzindien am Mondsee ging."
Im gleichen Interview zu den lyrischen Schrägstrichen, das sei ein bisschen wie bei einem Gedicht, es sei mehr als Punkt und weniger als ein Absatz. Er habe ein zusätzliches formales Gestaltungselement gewollt, an das man sich ja nach zwei, drei Seiten (...) gewöhnt habe. Irgendwie auch in dem Wunsch zunächst einmal, dass er so diese ganz konventionelle Romanform wenigstens in einem Detail breche, um zu signalisieren, für ihn sei das mehr als einfach nur ein Roman.
Jedenfalls eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Vor allem der Ton macht hier wieder 70 Prozent des Erlebnisses aus

Friday, August 10, 2018
Bernard Cornwell - Narren und Sterbliche
Roman als Container für Elisabethanische Requisiten-Show missbraucht, Hatte meinen Spaß, allerdings der Vorleser nicht der Hit, z.B. wenn er kleine Jungs oder Mädels imitiert.
Tuesday, July 24, 2018
Ariel Magnus - Die Schachspieler von Buenos Aires
Eines von den Büchern, die man sehr mag und die einem unheimlich sympatisch sind, dabei aber gar nicht sehr fesseln und einen sogar manchmal ziemlich langweilen. Sehr schön hier das postmoderne Spiel mit den Formen. Aber auch sichtbar das Dilemma, Schach zu erzählen, damit es Laien verstehen. Für den Kenner klingt das immer nach Verschieben schwerer Möbel in einem zu kleinen Zimmer.
Tuesday, July 03, 2018
David Mitchell - Die tausend Herbste des Jakob de Zoet
Sehr schönes Buch über Japan in der Kolonialzeit. Spannend die Gebräuche und was für seltsame Kulturen in der absoluten Abgeschiedenheit gedeihen, unheimlich.
Saturday, April 21, 2018
Hans Pleschinski - Königsallee
Herrliches Schwelgen in Th. Mann-Kosmos, wunderbares literarisches Spiel, jeder Satz durchdrungen mit Bezügen, die in der Tiefe wurzeln, die unten liegt. Unten, im gewaltigen Kulturgewölbe, auf dem wir heute herumwirschteln, mit Pegida, Afd, Groko, Trump, neue Rechte, neuem Caesarismus etc. Ein Buch, an dem man sich debattenmäßig neu ausrichten kann, an dem man auch so etwas wie einen gesunden Heimatbegriff abschleifen könnte.
Labels:
Gegenwartsliteratur,
historischer Roman,
Thomas Mann
Sunday, November 26, 2017
Uwe Timm - Ikarien
Historischer Roman über die Rassenhygiene im Dritten Reich. Versuch, Faszination und Grauen über "die Deutschen" in eine Erzählung zu fassen. Viele mit Informationen gestopfte Gespräche. Das interessante Thema trägt darüber hinweg. Zentrales Vorbild: Doktor Faustus. Z. B. die Konstellation "Leben, erzählt von einem Freund"; das letzte Abendmahl mit Vortrag der Faust-Gestalt Böhmer, inklusive Altertümeleien und Sprachausetzer. Die freien, unverkrampften, nüchternen, praktischen Amerikaner erlösen die versponnenen, dünkelhaften, nutzlos pseudomäßig tiefschürfenden, grauenhaften, pedantischen, kalten Deutschen. Amerikahäuser.Thursday, November 09, 2017
Fabio Stassi - Die letzte Partie
Schöner kleiner Schachroman über Capablanca und Aljechin mit allerdings wie meist lächerlichen Partie-Beschreibungen.Saturday, October 21, 2017
Daniel Kehlmann - Tyll
Hervorragender Roman über den dreißigjärigen Krieg. Ein Narr führt durch den Bilderreigen; viel historische Prominenz. Die Nähe von Chaos und Tod im Leben, die Schnelligkeit, mit der sie da sind. Kehlmann ist der erste Schriftsteller des Landes; jedenfalls das größte Talent.
Friday, October 13, 2017
Kazuo Ishiguro - Der Maler der fließenden Welt
Sehr schöner Roman, in dem Ishiguro seinen Trick anwendet, über die streng personale Perspektive eine ganz andere Realität erahnbar zu machen.
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