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Saturday, January 25, 2020

Louise Erdrich - Der Klang der Trommel

Diese Roman handelt von der mystischen Kraft einer Trommel. Sie ist eine Art Verbindungsstück zu den Toten, durch das sie den Lebenden Hilfe schicken können. Erdrich erzählt, wie die Trommel zurück zu den Besitzern gelangt, nachdem sie ihnen abhanden gekommen war. Dann schildert sie, wie die Trommel entstanden ist, nämlich als eine Art Kontakaufnahme einer von Wölfen gefressen Tochter zu ihrem Vater. Später rettet die Trommel eine Verwandte, die nach einem Hausbrand zu erfrieren drohte.
Die teilweise dramatischen Ereignisse werden aus verschiedenen Perspektiven von personalen Erzähler erzählt; die Natur ist überall anwesend. Weiße kommen kaum vor. Das alles ist sehr fesselnd und lässt einen nachdenken über mögliche Durchgänge, die wir verbaut haben oder einfach nicht mehr als solche wahrnehmen. Es gibt auch einige sehr schöne Bilder wie das zum Beispiel:
Um von einem Baum zum anderen zu fliegen, lässt sich der Rabe wie ein Habicht von der Luft tragen. Genauso mache ich es, wenn ich mich abends dem Schlaf anvertrauen. 
Oder:
Er staunte ständig über sich selbst. Wenn der früher endlos über das redete, was er später mal machen würde und was dann doch nie geschah, braucht er jetzt nur an etwas zu denken, und noch eher den Einfall in Worte gekleidet hatte, war er schon in die Tat umgesetzt. 

Monday, April 15, 2019

John Steinbeck - Jenseits von Eden

Monumentaler Roman, Lesegefühl, wie damals bei Dostojewski. Meditation über Kain & Abel, tolle Figurenzeichnung.

Saturday, December 15, 2018

F. Scott Fitzgerald - Der letzte Kuss

Die späten Erzählungen von Fitzgerald drehen sich um den sozialen Abstieg und das verzweifelte Bemühen, irgendwie an der Oberfläche zu bleiben. Immer aber auch mit der sympathischen, lässigen Selbstironie.

Wednesday, October 03, 2018

Matt Ruff - Lovecraft Country

Schöner Roman und Lovecraft-Homage vermischt mit Rassismusthema. Sehr gut gelesen von Simon Jäger.

Tuesday, July 17, 2018

John Updike - Werben um die eigene Frau

Frühe Updike-Storys, noch in den 50er Jahren spielend. Stoff sind Ehe, Familie, Beziehungen. Form ist häufig eine Art Versuchsanordnung, bei der entfernte Motive miteinander verbunden werden. Das ein Feld pflügende Nachbarskind plus Ausgrabungen und Archäologie plus Verlust einer Geliebten zum Beispiel. In dem so entstehenden Spannungsfeld blitzt dann Updikes meisterhafte, manchmal ausgestellte Sprache. Manchmal ermüdend und keinesfalls einfach so weglesbar.

Thursday, June 21, 2018

Rachel Cusk - Outline

Anscheinend sehr gelobter Roman, in dem Leute ihre Lebensgeschichte herausplaudern. Manchmal interessant, manchmal langweilig. Lauter Abrisse für Romane, die man glücklicherweise nicht lesen muss.

Saturday, January 07, 2017

Vladimir Nabokov - Das Modell für Laura

Romanfragment, rekonstruiert aus den Karteikarten Nabokovs. Es gibt nur den Anfang und den Schluss und einige lose zusammenhängende Passagen des Mittelteils. Dennoch ahnt man den ganzen Roman dahinter. 
Besonders reizvoll an der Ausgabe: Die Karteikarten sind alle abgebildet, der Text steht auf der gegenüberliegenden Seite. Man kann also die Entstehung und das "Fragmentarische" des Textes sehr schön nachvollziehen.
Begegnung mit Nabokov mal wieder. Literarischer Kartenzauberer, jedes Bild ein starker Stich.

Friday, January 29, 2016

William Faulkner - Absalom, Absalom

Südstaaten-Knaller: Intensive Rassismusstudie. Mäandernde Erzählweise, asynchron, multiperspektivisch, biblisch, packend-schwierig.

J. J. Abrams, Doug Dorst: S. - Das Schiff des Theseus

Hart zu lesendes Kunstwerk der Buchmanufaktur.
 

Thursday, October 22, 2015

Sunday, May 17, 2015

James Lee Burke - Dunkler Strom

Starker, solider Krimi. Warum machen diese Südstaatenepen meistens so viel Spaß? Wegen des Reichtums an Landschaft und der Gegensätze vermutlich. Lansdale, Sallis, Tartt etc. Immer schwingt auch ein wenig Faulkner mit.

Saturday, February 21, 2015

D.T. Max - Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte

Schöne Biographie über David Foster Wallace. Weckte wieder Lust auf diesen begnadeten Schriftsteller. Sonderbar, wie heiter und lebhaft DFW wirkt. Bis kurz vor Schluss kann man sich nicht vorstellen, wie das im Selbstmord enden soll. Aber dann geht es durch die Kombination aus Überforderung angesichts der neuen Schreibaufgabe und Umstellung der Antidepressiva rasend schnell.

Monday, June 16, 2014

Austin Wright - Tony & Susan

Spannender Roman über eine Frau, die nach vielen, vielen Jahren Post von ihrem Exmann bekommt: das Manuskript eines spannenden Psychothrillers, in dem sie viel aus ihrem eigenen Leben wiedererkennt. Schöne Passagen über das Weltbild und Erleben des existentiellen Lesers. Exemplar des Krimi plus-Genres. Krimi plus Literaturessay.