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Saturday, January 25, 2020

Isaac B. Singer - Schoscha

Roman über die Liebe eines Autors zu einer intellektuell unstandesgemäßen Jugendliebe.

Monday, April 15, 2019

John Steinbeck - Jenseits von Eden

Monumentaler Roman, Lesegefühl, wie damals bei Dostojewski. Meditation über Kain & Abel, tolle Figurenzeichnung.

Saturday, December 15, 2018

F. Scott Fitzgerald - Der letzte Kuss

Die späten Erzählungen von Fitzgerald drehen sich um den sozialen Abstieg und das verzweifelte Bemühen, irgendwie an der Oberfläche zu bleiben. Immer aber auch mit der sympathischen, lässigen Selbstironie.

Tuesday, July 17, 2018

John Updike - Werben um die eigene Frau

Frühe Updike-Storys, noch in den 50er Jahren spielend. Stoff sind Ehe, Familie, Beziehungen. Form ist häufig eine Art Versuchsanordnung, bei der entfernte Motive miteinander verbunden werden. Das ein Feld pflügende Nachbarskind plus Ausgrabungen und Archäologie plus Verlust einer Geliebten zum Beispiel. In dem so entstehenden Spannungsfeld blitzt dann Updikes meisterhafte, manchmal ausgestellte Sprache. Manchmal ermüdend und keinesfalls einfach so weglesbar.

Wednesday, July 11, 2018

Richard Ford - Zwischen ihnen


Viel gelobtes Porträt seiner Eltern. sofort fällt die eigentümliche Distanz zwischen ihnen und dem Erzähler auf. Das liegt nicht alleine daran, dass der Vater Handlungsreisender ist und nur an den Wochenenden nach Hause kommt. Es liegt an dem seltsamen Charakter dieses Vaters, der ein Fremder in der Welt, in der Zeit ist. Fast mutet er einen wie ein Zombie oder Alien an. Freundlich und nicht unsympathisch, aber auch monströs.

Thursday, May 31, 2018

Stewart O'Nan - Westlich des Sunset

Romanbiografie, F. Scott Fitzgeralds letzte Jahre. Ehefrau Zelda geisteskrank, er ist verschuldet und hangelt sich von Drehbuchjob zu Drehbuchjob. Sheila, eine junge Geliebte kümmert sich um ihn (dabei ist er auch noch nicht alt, etwas über 40).
Immer wieder zerstört das Trinken die zerbrechliche Struktur, die er braucht, um die Dinge auf die Reihe zu kriegen.
Die Handlung unspektakulär: Arbeit am Drehbuch, an den Erzählungen, am letzten Roman, Freizeit mit der Geliebten, Urlaub mit Zelda und/oder Scottie, Ausbrüche in den Suff, später Herzattacken und Pflege. Einmal gibt es einen fatalen Rechercheausflug an ein College.

Saturday, April 28, 2018

Sylvia Plath - Die Glasglocke

Lag immer wie eine Hausaufgabe herum, das Buch. Las es jetzt in Anschluss an die Connie Palmen-Lektüre. Was für ein tolles Buch, der Ton, die Sprache, der Stoff, alles passt, eines der Bücher, die einem nahe gehen und zeigen, was Literatur kann.

Saturday, April 21, 2018

Joe Haldeman - Der ewige Krieg

Hauptwerk der Anti-Kriegsliteratur. Anlage des Romans unglaublich intelligent. Auch der Erzähler sehr sympathisch, die Liebesgeschichte anrührend. Die Absurdität vom vom ersten Satz an frappierend. Die Idee der Zeit-Versetzung, die das gesamte Geschehen immer wieder relativiert, brillant. Dachte noch an ein alternatives Ende, bei dem die Geliebte plötzlich als Feindin auftaucht, weil sich herausstellt, dass die Menschheit ohne es zu wissen gegen sich selbst Krieg geführt hat.

Thursday, April 05, 2018

Dean Koontz - Die Anbetung

„Ich sehe tote Menschen“ - das Thema aus Sixth Sense hier durchgespielt. Odd Thomas als Heilsbringer und Außenseiter. Scheinbare bzw. sentimentale Naivität des Erzählers, der aber so viel mehr sieht, als die anderen Figuren (und der Leser).
Ende, absehbar, analog zu Sixth Sense, trotzdem anrührend.
Stil: Locker, Chandler‘esk, im Vergleich zu King sehr viel leichter, tänzerischer.
Figuren: Viele. Nur gute. Motive und Hintergründe der Bösewichter bleiben verborgen, was einer der wenigen Mängel ist.
Deutscher Titel, deutsches Cover scheinen nichts mit dem Buch zu tun zu haben. Eine Anbetung kommt nicht vor (Odd Thomas seine Stormy?). Eine Gottesanbeterin gibt es auch nicht, nur eine Tarantel. Nicht nachvollziehbar.
Will jedenfalls weitere Bücher der Reihe lesen.

Thursday, October 22, 2015

Sunday, May 17, 2015

James Lee Burke - Dunkler Strom

Starker, solider Krimi. Warum machen diese Südstaatenepen meistens so viel Spaß? Wegen des Reichtums an Landschaft und der Gegensätze vermutlich. Lansdale, Sallis, Tartt etc. Immer schwingt auch ein wenig Faulkner mit.

Saturday, May 24, 2014

Donald Ray Pollock - Das Handwerk des Teufels

Teuflisch gutes und geradezu unheimlich trostloses Buch. 

Elisabeth Strout - Mit Blick aufs Meer

Schönes Buch, eigentlich eine Reihe von Kurzgeschichten. Häufig tritt eine allseits unbeliebte Mathematiklehrerin auf, die aber manches in den traurigen Leben der anderen in dieser Kleinstadt richtet. Und: Maine wieder. Literarische Jugendlandschaft aller Stephen King literarisierten. Hier natürlich viel mehr Alice Munroe.

Tuesday, April 22, 2014

Louise Erdrich - Das Haus des Windes

Eine von diesen Huckelberry-Finn-Stories, Junge lernt die Härten des Erwachsenendaseins kennen etc. Hier spielt das in einem Indianerreservat Ende der 80er. Die Mutter des Erzählers wird vergewaltigt. Der Täter, ein Psychopat, streift noch in der Gegend herum, ist als Weißer aber schwer zu belangen. Starke Stimmung, viele erfrischende Reize etwa aus den indianischen Riten und Mysterien. Ähnlich Lansdale.

Sunday, March 16, 2014

Joe R. Lansdale - Ein feiner, dunkler Riss

Man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen. Dagegen sind so viele (gute) Bücher blass. Ein Junge im Süden der USA, es sind die 50er Jahre, der "feine dunkle Riss" geht durch das Volk, trennt Schwarze und Weiße. Über diesen Riss hinweg schließt der Junge gegen alle Ressentiments Freundschaften mit den Menschen auf der anderen Seite. Darunter ein alter, trinkender Filmvorführer, Detektiv in einem früheren Leben, mit dem er ein schreckliches Verbrechen aufklärt. Starke Atmosphäre, dabei sehr spannend. Huckelberry Finn meets Mocking Bird meets SIEBEN. Man sollte alles von Lansdale lesen!

Friday, February 28, 2014

Jonathan Lethem - Chronic City

Roman über New York. Eine Clique von Nerds kifft sich durch die Nachmittage, jagt virtuellen Schätzen in einer Second-Life-Variante nach, fürchtet sich vor einem zerstörrerischen Immobilientiger und verliert ganz tragisch alle Illusionen. Stilistisch brilliant, streckenweise sehr lustig. Einer der wirklich tollen US-Erzähler der Generation nach Updike, Roth und Co.

Sunday, February 09, 2014

Kevin Powers - Die Sonne war der ganze Himmel

Starkes Antikriegsbuch im Irak 2004 spielend. Zwei Privates und ihr Sergeant und der Drahtseilakt des Überlebens zwischen Drill, Tapferkeit, Verzweiflung und Wahnsinn. Stark die Unmittelbarkeit der Darstellung und die Ökonomie, mit der Unfassliches so prägnant dargestellt wird. Unglaubliche Landschaften nebenbei.


James Salter - Alles, was ist

Souveräner Roman über einen Lektor in New York und dessen Ehen und Liebschaften über die Hälfte seines Lebens hinweg. Beschreibung eines mehr oder weniger glücklichen, erfüllten Lebens, etwas, was man selten liest oder wovon kaum gelungen geschrieben wird. Sehr ansprechend die Art, wie Salter auch in alle Nebenfiguren für ein paar Seiten hineinzoomt und damit so etwas wie die Essenz der Existenz auf den Punkt bringt. Dabei ganz und gar szenisch, nie psychologisierend. Nur ganz selten mal angeödet, weil es doch mal zu viel Namen sind und man nicht recht weiß, von wem jetzt die Rede ist. Zeitgeschehen wird en passant berührt, einige Literaturpromis werden gestreift. Sonst nur: lieben, lesen, reisen, in Wohnungen und Häusern wohnen, Parties, Bars und Restaurants. Alles von einem ruhigen, leise melancholischen Fluss, dem man sich nicht entziehen kann. Auf Amazon gibt es eine riesige Fläche von Presse-Anpreisungen des Romans. Vom Meisterwerk ist die Rede. Tatsächlich der Eindruck von großer Souveränität und Könnerschaft. Und die Frage, ob es in Deutschland einen epochalen Erzähler, wie ihn und seines Jahrgangs gibt bzw. gab. Vielleicht Kempowski, dieser jedoch ganz anders.

Sunday, December 29, 2013

Stephen King - Doctor Sleep

Dan Torrance ist erwachsen, das Shining ist stark in ihm, er hilft Todkranken beim Sterben, wird dank der AA trocken, lernt Ebra kennen, in der das Shining noch stärker ist und auf die es die Rentner-Zombies vom "Wahren Knoten" abgesehen haben. Skuriler umständlicher Endkampf, wie er für King typisch ist. Ansonsten wieder interessante Figuren, seine große Stärke. Und wie immer lässt der Meister sich Zeit, ehe es los geht, aber das ist in Ordnung, schließlich liest man ihn nicht wegen der Monster. Außerdem: Im Vergleich zu den Ziegelsteinen Attentat und Dome ist Doctor Sleep geradezu schlank. Lesung von David Nathan auch sehr gut - und ohne die dilettantischen Schnittpausen wie beim Todesmarsch.

Tuesday, September 03, 2013

Jennifer Dubois - Das Leben ist groß

Todkranke 30-Jährige (Chorea Huntington) verlässt Freunde, Familie und US-Standards, um in Russland von ehemaligen Schachweltmeister und politischen Oppositionellen den Kampf für eine verlorene Sache zu erlernen.

Die Storyline hört sich beim ersten Lesen besser an, als sie ist. Die Wahrheit ist: Hinter dem Verlieren gibt es keine große Philosophie, es ist einfach nur bitter, wie der Gesundheitstee, den Ex-Schach-WM Alexander seiner Jugendliebe Elisabeta aus den Restbeständen seiner Exfrau Nina serviert, als diese nach 30 Jahren und einem ganzen Leben später endlich wieder auf seiner Fußmatte steht.

Die Dubois erzählt das abwechselnd aus den Perspektiven der Kranken und des Weltmeisters. Das ganze nimmt recht schleppend seinen Lauf. Bis zur Mitte bewegen sie sich gleichsam auf zwei Zeitschienen aufeinander zu, dann arbeiten sie etwas zusammen, und dann gibt es das halbheroische Finale.

In einem Buch über Schach sollten natürlich die Schachdetails stimmen. Ganz überzeugend ist das nicht, aber um das zu merken muss man schon ein etwas besserer Schachspieler sein, der Rest wird es in Ordnung finden.

Alles in allem: gute Anlage, aber Hammer ist nicht draus geworden.