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Thursday, March 22, 2018

Dan Simmons - Hyperion

Reiches Epos, eine Art Science Fiction-Palimpsest der Hochliteratur mit saftigen Crash-Einsprengseln.

Saturday, January 16, 2010

Drood - Dan Simmons


Ätzende Freundschaft

Als knapp 30 Stunden dauerndes Hörbuch, das ich von der ersten bis zur letzten Sekunde abgelaufen bin.

Gleich nach seinem Erscheinen habe ich mich mehrmals im Buchladen kaum zurückhalten können. Dan Simmons plus Charles Dickens erzählt von Wilkie Collins. Ich hätte es mir zu Weihnachten schenken lassen. Aber dann hat es Audible per E-Mail-Werbung annonciert und ich habe es mir auf der Stelle gekauft und heruntergeladen. Da sage einer noch, E-Mail-Marketing würde nicht funktionieren.

Um was geht es in dem knapp 1000-Seiten-Buch: Wilkie Collins erzählt von seiner Freundschaft und Feindschaft von Charles Dickens in dessen letzten fünf Lebensjahren. Das Geschehen beginnt mit einem Zugunglück, bei dem Dickens auf eine unheimliche Gestalt trifft. Es handelt sich um Drood, eine Mischung aus Todesengel, ägyptischer Mumie, Rächer der Entrechteten und Serienkiller. Fortan ist erst Dickens, dann Collins wie besessen von Drood, der wie eine Schimäre durch den Roman wandelt.

Eine ganze Fülle an Themen spielt der Roman durch: Die sozialen Zuständen der viktorianischen Epoche, Drogen, literarische Inspiration, koptische Kulte, Mesmerismus, Magnetismus, die literarische Szene, Vortrags- und Theaterkunst, die Poetiken Collins und Dickens, Verlagswesen, Domestiken, Moralgeschichte und vieles andere. Lauter Themen, mit denen man jeden Literaturmenschen sofort auf seiner Seite hat. Denn wir lieben die viktorianische Epoche!

Rivalen bis in die Ätzkalkgrube
Wichtigstes Motiv des Buches ist die Freundschaft zwischen Dickens und dem Erzähler, eine Freundschaft, aus der Rivalität und schließlich Hass wird. Wie komisch, wie geistreich, dieses Wettschreiben der beiden um die Gunst des Publikums und die sublimen Spitzen, mit der sich die Gentleman piesacken! Für mich ist das wichtigste und schönste an diesem Schmöker.

Dann ist da dieser Kosmos an Randfiguren, die das Roman-London bevölkern: Düsterlinge wie Drood und die Vetreter der Opiumhöhlen im Untergrund Londons; die glücklosen, aber hartnäckigen Gesetzeshüter Fields, Hattches und Barrester; die Frauen rund um Collins und Dickens; die Literaten-, Agenten- und Schauspielerblase rund um Dickens. Der Bestatter von Rochester ist eine echte Shakespeare-Gestalt.

Der Erzähler ist der Böse
Und natürlich lebt der Roman von der Figur des Erzählers. Simmons' Porträt von Wilkie Collins ist ziemlich böse: Ein opiumsüchtiger Literat, feige, arrogant, manchmal liebenswürdig, jedenfalls skrupellos. Es ist eben so schwer, ihn zu mögen, wie ihn nicht zu mögen. Als er die Tochter seiner Dienstboten auf eiskalte Art und Weise aus dem Weg schafft, hasst man ihn tatsächlich und wünscht ihm das Übelste. Dabei hält er sich die ganze Zeit für einen Gentleman. Es sind ja die besten Bösewichte, die sich selbst nicht dafür halten.

Dann: die Orte. Wohligste Schauerlokationen - Opiumhöhlen, bewohnte Kanäle und Katakomben, Herrenhäuser, auf deren düsteren Hintertreppen gemordet und umgegangen wird.

Und als Dreingabe gibt es massenhaft Literaturgeschichte. Über Dickens und Collins weiß man nach der Lektüre einiges mehr. Man hat auch nicht üble Lust , selbst mal wieder einen Dickens-Band zur Hand zu nehmen.

Ich habe fast jede Minute des Buches genossen. Wirklich ein starkes Buch.

Hier übrigens noch eine tolles Bild dazu von Simmons Illustrator John Picacio.

Friday, October 30, 2009

Dan Simmons - Terror und Kinder der Nacht

Dan Simmons also. Ein sehr interessanter Autor. Fing mit Terror an, war begeistert und kaufte gleich einen ganzen Haufen Taschenbücher von ihm. Einer dieser Autoren, die U und E auf einer ganz anderen als der stilistischen Ebene verheiraten. Bei ihm geschieht in der Geschichte selbst.

Vorweg: Terror ist ein Epenteppich von monumentaler Wucht - lang, breit, wohlig und wärmend. Es geht um die gescheiterte Suche Sir John Franklins nach der sagenhaften Nordwestpassage im arktischen Ozean. Diese bleibt buchstäblich im Packeis stecken. Die beiden Expeditionsschiffe Terror und die Erebus frieren auf unabsehbare Zeit fest.

Jetzt beginnt der Kampf gegen das Element, also gegen Eis, arktische Gewitter, Hunger, Skorbut, Kannibalismus. Aber nicht nur mit diesen irdischen Fährnissen hat es die Besatzung zu tun. Auch ein bäriges Eismonster inuitmythischer Herkunft dezimiert die Mannschaft beträchtlich.

Was für das Buch spricht:
  • tolle Details, gründlich und ausführlich recherchiert, wie es zugegangen sein muss - angefangen bei der Kartographie über die Proviantversorgung bis hin zur Schiffsplankenstärke und ihre unterschiedlichen Materialien. Man bekommt also ein prima Sachbuch als Gratiszugabe
  • perspektivisches Erzählen, psychologisch stimmig, abwechslungsreich
  • epische Breite, die man gerne durchwandert
  • Spannung, Action, ohne zu unnötig zu splattern
  • ein doppelter Boden mit mythischen Koordinatensystem

Las dann auch gleich, weil es auf Halloween zuging, Kinder der Nacht. Hat mich weniger überzeugt. Ein besserer Dan Brown.

Jedenfalls: Dan Brown hat sich mit Terror in meiner persönlichen Favoritenliste weit nach oben katapultiert. Leigt etwa auf einer Stufe mit Cornwell.