Wednesday, July 16, 2014

Stefan Zweig - Drei Meister. Balzac Dickens Dostojewski

Die Schriftsteller-Essays waren für mich sicher einmal ein Türöffner in die Literatur. Hier der über Balzac, Dickens und Dostojewski. Heute tu ich mir etwas schwer mit dem Pathos. Die ganze Zeit dieser hohe Ton, der einem ganz schön was reindrücken will. Aber brilliante Bilder und Beschreibungen unter dem ganzen Überzuckerwerk.

Volker Weidermann - 1936. Sommer der Freundschaft

Sehr schönes Exemplar herrlich wegschmöckerbarer Literar-Sachbücher. 1900-1945 ist in Sachen literarisches Leben eine unglaublich bewegte, reiche Zeit.

Hans Fallada - Jeder stirbt für sich allein

Sehr starker Roman im Kleinbürgermilieu  zur Nazi-Zeit spielend. Das Ehepaar Quangel leistet mit bescheidenen Mitteln Widerstand gegen das Regime, hat erst Glück, wird dann verhaftet, gefoltert, hingerichtet. Großartige Sterbeszene von atemberaubender Lakonie.


Thursday, July 10, 2014

Joseph Roth - Beichte eines Mörders

Joseph Roth, animiert dazu durch Volker Weidermanns großartiges Buch Ostende. Flott erzählte Geschichte eines unehelichen Fürstensohns, der anerkannt werden will, aber nicht wird. Er wird Geheimpolizist, bringt Leute ins Unglück, kämpft immer wieder gegen einen seinen privilegierten Doppelgänger an, das alles im Hotel-, Halbwelt-, Emigrantenmilieu. Viele Roth-Motive: Schnaps, Entwurzelung, Alte Welt. Aber auch unausgegoren, ein eigentlicher Schwerpunkt fehlend. Irgendwie haben wir das alles einer seltsamen Nebenfigur zu verdanken, der nach dem Erzverführer Satanas modelliert ist. Aber da eigentlich nicht wirklich etwas passiert, kann der auch nicht so schlimm sein. Eigentlich tauchen nur am Rande mal wirkliche Menschen auf, ein Gruppe politisch Verfolgter, die fast nachlässig vernichtet wird. Das könnte der eigentliche Sinn des ganzen sein, nämlich darzustellen, dass zu dieser Zeit hinter der Szenerie des Schmierentheaters wirkliche Menschen wirklich vernichtet wurden, andauernd und ganz nebenbei.

Wednesday, July 02, 2014

Colum McCann - Der Himmel unter der Stadt

Roman über die Tunnelwelt unter New York, über Menschen, die sie gebaut haben und andere, die heute in ihnen leben. Starkes Thema, sehr stark dieser Walker, der allen Widerständen zum Trotz eine Weiße heiratet. Roman darüber, dass auch im Einfachen der Keim für interessante, ja leidenschaftliche Lebensläufe steckt.

Sunday, June 22, 2014

Marcel Proust - In Swans Welt

Proust also endlich. "Las" den gesamten ersten Band als Lesung von Peter Matic beim Sport. Großartige sprachliche Erkundungen. Die Odette-Affäre hingegen relativ konventionell. Hinreißende Passagen über Musik und Kunst. Freue mich auf den nächsten Band.

Monday, June 16, 2014

Angelika Klüssendorf - April

Fortsetzung von Das Mädchen. In einem Zug, starker Ton, starke Figur, starker Stoff. Und überhaupt muss man einen Roman mögen, in welchem sich die Protagonistin, die sich vollständig selbst erfinden muss, eine misshandelte Halbwaise in den 70ern und 80ern der DDR, April nennt, nach dem Song der frühen Deep Purple. Bin gespannt, ob das jetzt weitergeht, Gesellenjahre einer Schriftstellerin oder so. Würde es auf jeden Fall lesen.

Austin Wright - Tony & Susan

Spannender Roman über eine Frau, die nach vielen, vielen Jahren Post von ihrem Exmann bekommt: das Manuskript eines spannenden Psychothrillers, in dem sie viel aus ihrem eigenen Leben wiedererkennt. Schöne Passagen über das Weltbild und Erleben des existentiellen Lesers. Exemplar des Krimi plus-Genres. Krimi plus Literaturessay.

Sunday, June 08, 2014

Katja Petrowskaja - Vielleicht Esther

Versuch durch literarische Erinnerungsarbeit die Familie aus dem Vergessen zu zu holen. Schürfen und Graben, wie Archeologie, mit zum Teil ergreifenden Ergebnissen. Höhepunkt das Kapitel über Babij Jar, eine Schlucht bei Kiew, in der Tausende von Juden getötet wurden. Historische Reportagen, sprachlich-kreativ durchdrungene Details, sich immer wieder zu überraschender Prosalyrik entwickelnd.

Saturday, June 07, 2014

C.S. Forester - Horatio Hornblower. Fähnrich Hornblower

Wiederbegegnung mit einem alten Stadtbüchereibekannten. Der junge Hornblower macht sich auf, seine ersten Abenteuer zu bestehen. Mehr ein Reihe unanhängiger, pointierter Seestücke, denn ein Roman. Allerdings sehr viel Seemannslatein. Irgendwo war zu lesen, die Hornblower-Serie sei ein exzellenter Manager-Ratgeber. Vielleicht. Las sich recht flott. 

Saturday, May 31, 2014

K. M. Weiland - Outlining Your Novel

Netter Ratgeber über die Vorteile eines Outlines. Seltsamerweise scheint es dafür kein deutsches Wort zu geben. Entwurf ist zu viel. Konzept zu ideell. Skizze was eigenes. Abriss? Schema (Goethe)? Lernte aus dem Büchlein ein paar Kleinigkeiten, wie etwa, dass man psychologische Charaktertypologien ganz gut als Checklisten für Romanfiguren nutzen kann oder dass es Listen gibt, nach denen man Settings modellieren kann.

Thursday, May 29, 2014

Bernard Cornwell - Die Herren des Nordens

Solider Cornwell, der die unterhaltsamsten historischen Romane schreibt. Im dritten Teil kämpft Uthred um sein Stammland im Norden, wird versklavt, nimmt es mit wilden Hunden und fanatischen Priestern auf. Am Ende macht sich Cornwell dann husch husch aus dem Roman, um die Sache im nächsten weiterzutreiben. Und weiterzutreiben.

Saturday, May 24, 2014

Donald Ray Pollock - Das Handwerk des Teufels

Teuflisch gutes und geradezu unheimlich trostloses Buch. 

Klüpfel Kobr - Herzblut

Mein zweiter Klufti. Angenehm überrascht. Nicht ohne Facetten. Allerdings auch Kochrezepte und so Schmarrn...

Paul Auster - Winter Journal

Memoiren in Du- Perspektive. O du mein Körper, der du Schnupfen hattest und Wunden und immer gebrechlicher wirst. Manchmal ein wenig eitel, oder?

Elisabeth Strout - Mit Blick aufs Meer

Schönes Buch, eigentlich eine Reihe von Kurzgeschichten. Häufig tritt eine allseits unbeliebte Mathematiklehrerin auf, die aber manches in den traurigen Leben der anderen in dieser Kleinstadt richtet. Und: Maine wieder. Literarische Jugendlandschaft aller Stephen King literarisierten. Hier natürlich viel mehr Alice Munroe.

Sunday, May 11, 2014

Mason Currey - Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler

Sehr schönes Buch über den Alltag von Kreativen, ihre Routinen, guten und schlechten Gewohnheiten, ihre Arbeitswut, Besessenheit etc. Was ist es nur, das uns so neugierig darauf macht, um wieviel Uhr Hemingway seinen Bleistift in die Hand genommen hat, wie viele Meilen Dickens nach getaner Arbeit marschiert ist oder wie viele Zeilen Thomas Mann als zulässiges Tagespensum akzeptabel fand? Man hofft insgeheim immer, hier eine Erfolgsformel ableiten zu können. Irgendwas gibt es zwischen Wecker, Morgenkaffee und Abendzigarre, das  man vielleicht irgendwie entziffern müsste, dann wüsste man auf einmal, wie es geht und Ruhm und Ehre winken. Tolles Buch dafür.



Roberto Bolano - Das Dritte Reich

Der dritte oder vierte Bolano: Junges Paar im Urlaub in Spanien. Er ist ein Champ in Wargames, also Kriegsspielen auf dem Spielbrett, eine wie mir scheint recht nerdige Sache. Sie lernen ein anderes Paar und einige zwielichtige Einheimische kennen. Mit einem, dem "Verbrannten", beginnt er eine Partie "Drittes Reich" zu spielen. In dem Maße, wie er dabei ins Hintertreffen gerät, verdichtet sich die Atmosphäre von Bösartigkeit und Gewaltbereitschaft. Typische Bolano-Themen wieder. Faszination am Bösen, die bei ihm irgendwie mit dem Deutschen verknüpft ist; Bessenheit, Atmosphäre von Tod und Gewalt, eigentümliche Stilarmut.

Monday, April 28, 2014

Justin Cronin - Die Zwölf

Zweiter Teil dieses dicht geknüpften Endzeitteppichs. Anfangs Schwierigkeiten, hinein zu finden. Viele Personen, mindestens drei verschiedene Zeitebenen, außerdem viel Basiswissen aus Der Übergang nötig. Dann, im dritten Teil, ist man plötzlich drinnen. Und wie immer bei derartigen epischen Projekten am Ende die bekannte Es-Desillusionierung: Monster, wenn sie denn endlich ihren Auftritt haben, sind infantil. Auch als Fiktion sind sie nur kümmerliche Marionetten im Vergleich zu den Wesen, die sie in ihrer Abwesenheit im Leser entstehen lassen.

Tuesday, April 22, 2014

Geraldine Brooks - Das Pesttuch

Sehr starker historischer Roman: Im England des 18. Jahrhunderts bricht in einem Dorf die Pest aus. Das Dorf verhängt eigenständig eine Quarantäne. Eine gebildete Bedienstete erzählt aus diesem Schmelztigel des Leidens. Am Ende gelingt es ihr nicht nur die todbringende Seuche zu überwinden, sondern auch, sich aus den Machtstrukturen der religiös-patriarchalischen Gesellschaft zu befreien.