Ein Blog über das Stöbern im Grenzland zwischen U und E. Ausflüge ins Landesinnere inklusive.
Monday, July 27, 2009
Haffners Liebe zum Unentschieden - Glavinic
Nette kleine Schachgeschichte über den schmalen Grat zwischen Erfolg und Scheitern, zwischen einem glanzvollen Erdendasein und einem Armengrab, zwischen Kaviar und Hummer. Schönste Stelle am Schluss: Haffner gewährt viel schlechterem Spieler in Siegstellung ein Remis und vergibt dadurch Turniersieg. Danach geht er ins Café und beobachtet schmunzelnd und unerkannt, wie sich der andere brüstet und freut.
Dunkle Schuld - Sallis
Das war mein zweiter Sallis nach Driver und ich fand ihn fast noch besser. Während Driver ein kompaktes, geradliniges und reines Krimimeisterstück ist, gibt es in diesem Südstaaten-Regionalkrimi neben einer eher gemütlich vor sich hin spazierenden Handlung hunderte von kleinen Skizzen, Episoden, abgebrochenen Lebensläufen der Verlierer des heutigen Amerika. So entfaltet sich ein schreckliches Sozi-Panorama, gegen das die Hölle wie ein harmloser Schrein aus dem europäischen Mittelalter wirkt.
Turner, die Hauptfigur ist selbst ein gebrochener Typ: Ex-Literaturstudent, Ex-Vietnamkämpfer, Ex-Cop, Ex-Knakie und Ex-Pychotherapeut ist er an allem gescheitert und hat sich jetzt zurückgezogen, irgendwo aufs Land, in ein Nirgendwo-Tennessee. Doch dann geschieht in der nahen Kleinstadt ein Mord und man zieht ihn als Berater hinzu. Und er nimmt Witterung auf...
Man sieht den Film schon direkt vor sich. In der Hauptrolle Clint Eastwood, als Sheriff Gene Hackman.
Sallis fährt das beste auf, was ein Autor von heute zu bieten hat: prägnante, nicht zu glatte Sprache, pointierte Dialoge, Atmosphäre, überraschende Beobachtungen, Figuren mit Profil und Background.
Ich freue mich schon auf weitere Sallis-Veröffentlichungen hierzulande.
Turner, die Hauptfigur ist selbst ein gebrochener Typ: Ex-Literaturstudent, Ex-Vietnamkämpfer, Ex-Cop, Ex-Knakie und Ex-Pychotherapeut ist er an allem gescheitert und hat sich jetzt zurückgezogen, irgendwo aufs Land, in ein Nirgendwo-Tennessee. Doch dann geschieht in der nahen Kleinstadt ein Mord und man zieht ihn als Berater hinzu. Und er nimmt Witterung auf...
Man sieht den Film schon direkt vor sich. In der Hauptrolle Clint Eastwood, als Sheriff Gene Hackman.
Sallis fährt das beste auf, was ein Autor von heute zu bieten hat: prägnante, nicht zu glatte Sprache, pointierte Dialoge, Atmosphäre, überraschende Beobachtungen, Figuren mit Profil und Background.
Ich freue mich schon auf weitere Sallis-Veröffentlichungen hierzulande.
Tuesday, July 21, 2009
Qual (Blaze) - Stephen-Richard Bachmann-King
Das alljährliche S.K.-Fieber. Diesmal noch besser kuriert als letztes Jahr. Eines aus der goldenen Zeit. Man merkt es. Ein ganz geradliniges Buch im Stil von Steinbecks Von Mäusen und Menschen.
Der Charakter des helden ist ein Wagnis, man nimmt ihn die Dummheit gerade so ab. Die einflüsternde Stimme als Behelf in Ordnung, aber nicht ganz überzeugend. Blaze müsste eigentlich schizophren sein. Dafür ist er aber zu klar. Wunderbar wie immer beim frühen King die Schilderung von Jugend und Kindheit.
Zum Würgen: Die Manie des Verlags, alle S.K.-Titel gnadenlos zu verstümmeln. Warum hier nicht Blaze? Ist auch nur ein Wort. Qual, so der deutsche Titel, ist weniger als nichts. Totaler Mumpitz.
Die Gosse und das Grab - Ed McBain
Sehr schöne Nostalgie-Reihe das. Ahnte zwar gleich, dass es (vorsicht Spoiler) die Sängerin ist, aber das liegt wohl am kollektiven Krimigedächtnis, das von solchen Urgeschichten genährt wurde.
Gemocht: Die Geradlinigkeit und ein paar der Stimmungsbilder.
The collected works of T.S.Spivet - Reif Larson
Schönes Buch, das sofort in die Augen fällt: Die Karten und Diagramme des genialen 12-jährigen Protagonisten sind größten Teils am Rand abgebildet. Die Tristam Shandy'sche Abschweifung als gezeichnete Marginalie. Figuren mit Kalkül gewagt.
Der Graf von Monte Christo - Alexandre Dumas (Vater)
Letztes Jahr einmal günstig in drer 1200-Seiten-Insel-Ausgabe erworben. Ganz angetan von dem Reichtum: Gestalten, Schauplätze. Personen, Ideen.
Aber dann, ziemlich genau in der Hälfte, abgedriftet, Personen verloren, aus dem Bann gefallen. Schade. Ob es noch eine Gelegenheit gibt?
Letzten Endes hat das dann doch zu wenig mit einem selbst zu tun.
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Alexandre Dumas,
Graf von Monte Christo,
Klassiker
Tuesday, June 30, 2009
Adiós, Hemingway
Kurzer Roman aus Kuba mit schöner Idee: Auf der Finca Hemingways wird Jahre später die Leiche eines FBI-Agenten gefunden. Wer hat ihn getötet? Hemingway selbst. Das Ereignis markiert die letzte tragische Wende im Leben der Kultfigur.
Ein Buch über das Verhältnis zwischen Kuba und Hemingway. Es gibt einige sehr euinfühlsame Abschnitte aus der Perspektive Hemingways.
Ein Buch über das Verhältnis zwischen Kuba und Hemingway. Es gibt einige sehr euinfühlsame Abschnitte aus der Perspektive Hemingways.
Friday, June 26, 2009
Kaltenburg - Marcel Beyer
Marcel Beyer hat es mit den Tieren. Hier vor allem mit Vögeln. Take away: Leben ist beobachten. Kaltenburg ist interessant, aber man weiß nicht recht, wo es hingeht.
Szene: Der Vater und der Held suchen Blumen am Bahndamnn, während ein Zug gen KZ vorbeifährt, ohne von den beiden beachtet zu werden.
Marcel Beyer - weiter beobachten.
Szene: Der Vater und der Held suchen Blumen am Bahndamnn, während ein Zug gen KZ vorbeifährt, ohne von den beiden beachtet zu werden.
Marcel Beyer - weiter beobachten.
Die Stadt am Ende der Zeit - Greb Bear
Ein Science Fiction-Roman einmal, vor allem überredet durch den hervorragenden BR2-Divan.
Habe es nach der Hälfte weggelegt. Interessant ist das ganze Thema schon (Parallelwelten, die sich kanibalisieren). Zu viele Leute, 400 Seiten Dauerzusammenbruch, die Bilder zu abstrakt.
Habe es nach der Hälfte weggelegt. Interessant ist das ganze Thema schon (Parallelwelten, die sich kanibalisieren). Zu viele Leute, 400 Seiten Dauerzusammenbruch, die Bilder zu abstrakt.
Radetzkymarsch - Joseph Roth
Joseph Roth - das ist so ein Autor, dem auf Anhieb meine Sympathie gilt. Er steht schön quer zu allem möglichen: War Jude, Katholik, Monarchist, Top-Journalist und Voll-Alkoholiker.
Radetzkymarsch also. Drei Generationen Kaisertreue - bis zum bitteren Ende. Melancholisch. manchmal ironisch. Tendenz: Die alte Welt war schön und in vor allem schön in Ordnung. Zusammenghalten hat sie der alte Kaiser. Diese Welt geht unter, der Kaiser stirbt. das ist schade, lässt sich aber nicht verhindern. Jetzt gibt es nichts mehr, an das man sich halten kann.
Das besondere an dem Buch ist der Stil. Besser, das heißt: klarer, lebendiger, bildreicher kann man nicht schreiben. Das hat einen ganz besonderen Sound und Rhythmus, den man unter tausenden wiedererkennen würde.
Joseph Roth - immer wieder.
Radetzkymarsch also. Drei Generationen Kaisertreue - bis zum bitteren Ende. Melancholisch. manchmal ironisch. Tendenz: Die alte Welt war schön und in vor allem schön in Ordnung. Zusammenghalten hat sie der alte Kaiser. Diese Welt geht unter, der Kaiser stirbt. das ist schade, lässt sich aber nicht verhindern. Jetzt gibt es nichts mehr, an das man sich halten kann.
Das besondere an dem Buch ist der Stil. Besser, das heißt: klarer, lebendiger, bildreicher kann man nicht schreiben. Das hat einen ganz besonderen Sound und Rhythmus, den man unter tausenden wiedererkennen würde.
Joseph Roth - immer wieder.
Friday, June 19, 2009
Arthur - Bernard Cornwell
Las in kurzer Zeit die ersten beiden Bände und fühlte mich auf einmal an die Zeit erinnert, als man sich mir einem Karl-May-Buch an einem Regentag ins Bett, in den bequemsten Sessel des Hauses oder unter einen Schrank verzogen hat, um sich wegzubeamen.
Warum diese Bücher so toll sind:
- wegen der sehr sympathischen Erzählerfigur
- weil alle Gestalten ordentlich gegen den Strich gebürstet sind
- weil alles schon ausgewogen ist zwischen Action und Idylle
- weil man dieses England irgendwie kennt und liebt
- weil das ganze unglaublich detailreich präsentiert wird, ohne dass der Autor damit prunken will
Kann das Erscheinen des nächsten Bandes nicht erwarten.
Warum diese Bücher so toll sind:
- wegen der sehr sympathischen Erzählerfigur
- weil alle Gestalten ordentlich gegen den Strich gebürstet sind
- weil alles schon ausgewogen ist zwischen Action und Idylle
- weil man dieses England irgendwie kennt und liebt
- weil das ganze unglaublich detailreich präsentiert wird, ohne dass der Autor damit prunken will
Kann das Erscheinen des nächsten Bandes nicht erwarten.
Wednesday, May 20, 2009
Winterkönig - Bernard Cornwell
Ein Abenteuerroman von echtem Schrot und Korn, wie man sagt. Cornwell hat sich in seiner Anfangszeit an Forsters Hornblower orientiert. Die Bücher habe ich auch gelesen, entliehen der Buchloer Stadtbücherei. Roald Dahl soll er übrigens auch als Mentor gedient haben. Abenteuerromane für jedermann, Geschichten, die einen nie enttäuschen.
Las die knapp 700 Seiten fast in einem Rutsch. Besonders sympathisch ist der Erzähler, Derfel, er wirkt etwas naiv und schlicht, treuherzig ist wahrscheinlich das treffende Wort, dem Genre entsprechend, aber durch ihn und seine praktische, unverklärte Sicht auf die Geschehnisse sind alle Figuren und die gesamte Handlung plastisch, glaubhaft, realistisch Und Realismus ist das höchste Gütekriterium für historische Romane. Hier ist Arthur eine durchaus schillernde Figur, Lanzelot ein Arschloch, Merlin ein Zyniker. Bei den Schlachtenschilderungen geht es nicht um Ruhmestaten, sondern um das Handwerk des Tötens, also wie man Schildwälle bildet, warum Pferde nichts gegen sie ausrichten können, Angst und Euphorie der Schlacht usw.
Ein Abenteuerbuch. Ein echtes, ein gutes.
Las die knapp 700 Seiten fast in einem Rutsch. Besonders sympathisch ist der Erzähler, Derfel, er wirkt etwas naiv und schlicht, treuherzig ist wahrscheinlich das treffende Wort, dem Genre entsprechend, aber durch ihn und seine praktische, unverklärte Sicht auf die Geschehnisse sind alle Figuren und die gesamte Handlung plastisch, glaubhaft, realistisch Und Realismus ist das höchste Gütekriterium für historische Romane. Hier ist Arthur eine durchaus schillernde Figur, Lanzelot ein Arschloch, Merlin ein Zyniker. Bei den Schlachtenschilderungen geht es nicht um Ruhmestaten, sondern um das Handwerk des Tötens, also wie man Schildwälle bildet, warum Pferde nichts gegen sie ausrichten können, Angst und Euphorie der Schlacht usw.
Ein Abenteuerbuch. Ein echtes, ein gutes.
Wednesday, May 13, 2009
Die Lage des Landes/die Abschaffung der Arten
Hi A.,
von dem Buch habe ich gehört und mal bei einem Preisausschreiben mitgemacht, um es zu gewinnen, was leider nicht passiert ist. Habe aber das davor gelesen, "Dirac." Hat mir ganz gut gefallen, naja, 75 Prozent jedenfalls (die 25 Prozent, in denen es um so den alten Mathematiker ging weniger). Also, von dem, was ich über das Buch gehört habe, wäre es jetzt nicht erste Wahl - zu lang, zu abgedreht, zu parabelhaft, da hab ich immer das Gefühl, dass ich nach 10 Seiten weiß, wie es gemacht ist und müsste nicht weiter lesen - wie bei der "Arbeit der Nacht". Man nennt das Manierismus, glaub ich. Aber wahrscheinlich tu ich dem Buch unrecht, ich hab es ja gar nicht gelesen. Und ich werde es ganz bestimmt kaufen, wenn es bei Amazon bei der 5-Euro-Schwelle angelangt ist, allein schon wegen dem Cover (das grün ist, oder?). Viel, viel später werde ich es dann vielleicht auch lesen.
Also mein Tipp: "Die Lage des Landes" von Richard Ford. Vier Tage im Leben eines in die Jahre kommenden Immobilienmaklers in New Jersey. Rund 700 Seiten. Klingt das nicht wahnsinnig aufregend? Ich würde das Genre als "funkelnden Banalismus" bezeichnen. Es ist eines dieser Bücher, dass uns den Alltag durch einen Sprachglitter neu erfahren lässt. Mal erhellend, mal langweilig, im ganzen bereichernd. Ist übrigens ein Sequel, davor gab es den "Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag". Um "Die Lage des Landes" zu lesen muss man die aber nicht kennen.
Ja, meine Frau ist gut angekommen. Die Busfahrt muss überraschend komfortabel gewesen sein, das doppelstöckig.
Bin gespannt auf deinen nächsten Tipp.
Grüße nach Berlin!
JL
-----Original Message-----
From: A.
Sent: Mittwoch, 13. Mai 2009 18:05
To: JL
Subject: Buchtipp des Monats
Hallo JL,
um meinem Plan, regelmäßig mit dir Buchtipps auszutauschen doch noch nachzukommen: Mir ist doch noch ein gutes Buch eingefallen, dass ich in letzter Zeit gelesen habe und weiterempfehlen kann:
Dietmar Dath: Die Abschaffung der Arten
"Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als daß sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Fische streiten über Sodomie, Theologinnen mit Habichtsköpfen suchen in Archiven nach Zeugnissen der Menschheit, und Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dimitri als Diplomaten aus, im einstigen Nordamerika einen Verbündeten zu suchen. Die Nachtfahrt über den Ozean und in die tiefen Stollen der Naturgeschichte lehrt den Wolf Riskantes über Krieg, Kunst und Politik und führt ihn bis an den Rand seiner Welt, wo er erkennt, »warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist«. Der Roman Die Abschaffung der Arten steht in der Tradition großer spekulativer Literatur über Niedergang und Wiedergeburt der Zivilisation von Thomas Morus, Voltaire und Mary Shelley über H. G. Wells und Jules Verne bis hin zu Stephen King und William Gibson. Wenn Charles Darwin Krieg der Welten geschrieben hätte, vielleicht wäre ein Buch wie dieses dabei herausgekommen: ein abenteuerliches Liebeslied, eine epische Meditation über die Evolutionstheorie und der waghalsige Versuch, Fossilien von Geschöpfen freizulegen, die noch gar nicht gelebt haben." (siehe: http://www.amazon.de/Die-Abschaffung-Arten-Dietmar-Dath/dp/3518420216)
Das Buch erstreckt sich über mehrere 100 Jahre, hat Höhen und Tiefen, ist aber im ganzen sehr spannend und anders.
So, nun bin ich auf deinen Tipp des Monats gespannt :-)
Ich hoffe, deine Frau ist problemfrei mit dem Schulbus nach Berlin gekommen?
Grüße,
A
von dem Buch habe ich gehört und mal bei einem Preisausschreiben mitgemacht, um es zu gewinnen, was leider nicht passiert ist. Habe aber das davor gelesen, "Dirac." Hat mir ganz gut gefallen, naja, 75 Prozent jedenfalls (die 25 Prozent, in denen es um so den alten Mathematiker ging weniger). Also, von dem, was ich über das Buch gehört habe, wäre es jetzt nicht erste Wahl - zu lang, zu abgedreht, zu parabelhaft, da hab ich immer das Gefühl, dass ich nach 10 Seiten weiß, wie es gemacht ist und müsste nicht weiter lesen - wie bei der "Arbeit der Nacht". Man nennt das Manierismus, glaub ich. Aber wahrscheinlich tu ich dem Buch unrecht, ich hab es ja gar nicht gelesen. Und ich werde es ganz bestimmt kaufen, wenn es bei Amazon bei der 5-Euro-Schwelle angelangt ist, allein schon wegen dem Cover (das grün ist, oder?). Viel, viel später werde ich es dann vielleicht auch lesen.
Also mein Tipp: "Die Lage des Landes" von Richard Ford. Vier Tage im Leben eines in die Jahre kommenden Immobilienmaklers in New Jersey. Rund 700 Seiten. Klingt das nicht wahnsinnig aufregend? Ich würde das Genre als "funkelnden Banalismus" bezeichnen. Es ist eines dieser Bücher, dass uns den Alltag durch einen Sprachglitter neu erfahren lässt. Mal erhellend, mal langweilig, im ganzen bereichernd. Ist übrigens ein Sequel, davor gab es den "Sportreporter" und "Unabhängigkeitstag". Um "Die Lage des Landes" zu lesen muss man die aber nicht kennen.
Ja, meine Frau ist gut angekommen. Die Busfahrt muss überraschend komfortabel gewesen sein, das doppelstöckig.
Bin gespannt auf deinen nächsten Tipp.
Grüße nach Berlin!
JL
-----Original Message-----
From: A.
Sent: Mittwoch, 13. Mai 2009 18:05
To: JL
Subject: Buchtipp des Monats
Hallo JL,
um meinem Plan, regelmäßig mit dir Buchtipps auszutauschen doch noch nachzukommen: Mir ist doch noch ein gutes Buch eingefallen, dass ich in letzter Zeit gelesen habe und weiterempfehlen kann:
Dietmar Dath: Die Abschaffung der Arten
"Das Zeitalter, das wir kennen, ist längst eingeschlafen. Wo einmal Europa war, gibt es nur noch drei labyrinthische Städte, die eher gewachsen sind, als daß sie erbaut wurden. Die Welt gehört den Tieren. Fische streiten über Sodomie, Theologinnen mit Habichtsköpfen suchen in Archiven nach Zeugnissen der Menschheit, und Cyrus Golden, der Löwe, lenkt den Staat der drei Städte. Als ein übermächtiger Gegner die neue Gesellschaft bedroht, schickt er den Wolf Dimitri als Diplomaten aus, im einstigen Nordamerika einen Verbündeten zu suchen. Die Nachtfahrt über den Ozean und in die tiefen Stollen der Naturgeschichte lehrt den Wolf Riskantes über Krieg, Kunst und Politik und führt ihn bis an den Rand seiner Welt, wo er erkennt, »warum den Menschen passiert ist, was ihnen passiert ist«. Der Roman Die Abschaffung der Arten steht in der Tradition großer spekulativer Literatur über Niedergang und Wiedergeburt der Zivilisation von Thomas Morus, Voltaire und Mary Shelley über H. G. Wells und Jules Verne bis hin zu Stephen King und William Gibson. Wenn Charles Darwin Krieg der Welten geschrieben hätte, vielleicht wäre ein Buch wie dieses dabei herausgekommen: ein abenteuerliches Liebeslied, eine epische Meditation über die Evolutionstheorie und der waghalsige Versuch, Fossilien von Geschöpfen freizulegen, die noch gar nicht gelebt haben." (siehe: http://www.amazon.de/Die-Abschaffung-Arten-Dietmar-Dath/dp/3518420216)
Das Buch erstreckt sich über mehrere 100 Jahre, hat Höhen und Tiefen, ist aber im ganzen sehr spannend und anders.
So, nun bin ich auf deinen Tipp des Monats gespannt :-)
Ich hoffe, deine Frau ist problemfrei mit dem Schulbus nach Berlin gekommen?
Grüße,
A
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Tuesday, April 21, 2009
Ein liebender Mann - Martin Walser
Als Hörbuch gelesen - glarklar und kräftig - vom Autoren selbst. Die beliebte Goethe-Sentimentalität, in deren Spuren alternde Dichter gerne ein wenig herumstochern. Thomas Mann wollte ja auch.
Aber es ist dann doch immer typischer Walser. Gedankenprosa, die ganz aus der Figurensprache entsteht, die immer unverwechselbar Walser ist. Man bewundert es teils, man würde es gerne lieben, aber etwas lässt einen doch immer kalt. Weil es halt auch immer Manier ist.
Sehr schön dann aber das Luftholen des über 70-Jährigen (Walser), als er die Marienbader Elegie dann vorträgt.
Aber es ist dann doch immer typischer Walser. Gedankenprosa, die ganz aus der Figurensprache entsteht, die immer unverwechselbar Walser ist. Man bewundert es teils, man würde es gerne lieben, aber etwas lässt einen doch immer kalt. Weil es halt auch immer Manier ist.
Sehr schön dann aber das Luftholen des über 70-Jährigen (Walser), als er die Marienbader Elegie dann vorträgt.
Monday, April 06, 2009
Coriolan
Gehe sie jetzt alle durch, die Shakespeare-Sachen.
Nun, von diesem wird nicht viel hängen bleiben. Charisma ohne Intelligenz. Militärs unbrauchbar für demokratische Herrschaft. Kampfmaschine ohne Seeleninstrumentarium für das Soziale.
Nun, von diesem wird nicht viel hängen bleiben. Charisma ohne Intelligenz. Militärs unbrauchbar für demokratische Herrschaft. Kampfmaschine ohne Seeleninstrumentarium für das Soziale.
Der Historiker
Die interessanteste Bearbeitung des Dracula-Stoffes bislang. Ganz dicht an den historischen Quellen, ein Buch für alle, die das Unheimliche lieben, wie auch dessen Nachstöbern in Büchern. Dass der Plot am Ende ziemlich zusammengewurschtelt ist, soll Nebensache bleiben. Ein Spannungsroman ist es auch kaum. Intelligente Unterhaltung für Bibliomane.
Von der Schönheit - Zadie Smith
Eine Variation auf einen Roman von Forster. Howard's End, den ich nur in der schönen Verfilmung kenne. Sehr schön zu sehen, wie der Transfer eines so klassischen Gesellschaftsromans in die Gegenwart funktionieren kann. Das Großbürgermilieau ist in die elitären Unikreise übertragen, das testamentarisch vermachte Cottage ist ein Gemälde. Ich will auf jeden Fall mehr von ihr lesen.
Thursday, March 26, 2009
Ein Wintermärchen
Der Shakespeare-Blues einmal mehr. Er kommt regelmäßig und lässt wieder nach, wenn ich ein, zwei Stücke gelesen habe. Das Wintermärchen also, aus den schönen und früher so emsig gelesenen Fried-Bänden. Eigentlich wollte ich ja hier die Handke-Übersetzung lesen, und ich weiß gar nicht warum ichs nicht getan habe, schließlich habe ich sie mir extra zugelegt. Dazu auch den Bloom zu Rate gezogen, ein Buch, dass in seiner Konzeption so ungemein ansprechend ist, wie in der Ausführung enttäuschend. Ich habe schon viel darin gelesen, aber ein Aha-Erlebnis hat es mir bislang nicht gerade vermitteln können. Kein Vergleich zur Hamlet-Auslegung von Schwanitz. Hätte er doch nur alle Stücke so kommentiert.
Das Wintermärchen also. Also, ok, es scheint ein besonderer Kniff von Shakespeare zu sein, plötzliche Obsessionen von Hauptdarstellern nicht mehr rational zu motivieren. So der Fall hier bei Leontes, dessen Eifersucht völlig überzogen scheint, ebenso, wie es keinen vernünftigen Grund gibt, warum Jago dem Othello so übel mitspielt. Mir fehlt da manchmal was. Wenn in einem Krimi stehen würde: Und plötzlich beschlich ihn rasende Eifersucht und er brachte alle um, ohne dass da vorher der Ton wenigstens versteckt angespielt wurde, dann kauft das der Leser in der Regel nicht. Andereseits ist zu viel Erklärung auch immer flach. Schließlich haben die Affekte oft irrationalen Ursprung.
Nun, wie auch immer. Das kenn ich jetzt auch.
Das Wintermärchen also. Also, ok, es scheint ein besonderer Kniff von Shakespeare zu sein, plötzliche Obsessionen von Hauptdarstellern nicht mehr rational zu motivieren. So der Fall hier bei Leontes, dessen Eifersucht völlig überzogen scheint, ebenso, wie es keinen vernünftigen Grund gibt, warum Jago dem Othello so übel mitspielt. Mir fehlt da manchmal was. Wenn in einem Krimi stehen würde: Und plötzlich beschlich ihn rasende Eifersucht und er brachte alle um, ohne dass da vorher der Ton wenigstens versteckt angespielt wurde, dann kauft das der Leser in der Regel nicht. Andereseits ist zu viel Erklärung auch immer flach. Schließlich haben die Affekte oft irrationalen Ursprung.
Nun, wie auch immer. Das kenn ich jetzt auch.
Wednesday, March 18, 2009
Leyla - von Feridu Zaimoglu
Leyla ist ein geradezu klassischer Bildungsroman: Leyla, jüngste Tochter eines despotischen Vaters in einem anatolischen Dorf, wächst auf, lernt, tuschelt mit Freundinnen, lernt ihren Körper kennen und erschrickt dabei mehrfach, wird geschlagen, leidet unter ihrem Vater, leidet noch mehr unter ihrem Vater, liebt ihre Mutter ("eine dieser herausragenden Mutterfiguren"), zieht nach Istanbul, heiratet, wird ihren Vater los, muss wieder zurück, bekommt ein Kind, wird ihren Vater endgültig los, geht nach Deutschland...
- Die naive Erzählweise ist frisch, klar und immer angenehm. Die Detailfreude mag mancher "orientalisch" nennen, ist aber schlicht die Substanz des Buches.
- Der Prolog und der letzte Satz bringen eine ganz andere, metaphorische Ebene, ohne direkten Bezug zu der Geschichte. Das mag manchen verwirren. Ich mag solche blinden Flecken.
- Der Vater ist ein schrecklicher Tyran. Aber nicht nur das. Und wegen solcher Wendungen ist das Buch gut.
Omertá - Mario Puzo
Das klingt alles sehr stark nach Märchen. Es war einmal ein alter Pate der Mafia, der sterben musste. Er ließ die drei mächtigsten Obermafiosi zu sich kommen und vertraute einem von ihnen seinen einzigen Sohn an. Dieser Obermafiosi aber hatte schon drei Kinder, von denen er nicht wollte, dass sie mit den Übeln in Berührung kämen, die ihn reich und alt gemacht haben. Also bestimmte er den ihn anvertrauten Sohn des alten Paten zu seinem Nachfolger. Dann brach der Krieg aus...
Es hat Spaß gemacht. Vor allem beherrscht Puzo etwas, das mittlerweile gar nicht mehr in Mode ist, und zwar das Erzählen in Halbszenen und weiten Bögen.
Ein Mafia-Märchen eben. Spannend ja, aber auch ein wenig wie ein Wein, der so berühmt ist, dass er gut sein muss, der sich aber dann als ziemlich luftig erweist. Der Pate lächelt mit einem schlechten Kassengebiss.
(Bücher mit Weinen vergleichen - auch so ein Klischee.)
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