Friday, June 28, 2019

Ferdinand von Schirach - Kaffee und Zigaretten

Sehr schöne Skizzen und Vignetten. Hätte man ewig weiter lesen können.

Walter Moers - Das Labyrinth der träumenden Bücher

Bei all dem gewaltigen Charme der Bücher von Walter Moers, das Labyrinth kommt leider nie so richtig vom Fleck. Ein Buch über ein Buch, das es hätte werden sollen.

Jennifer Clement - Gun Love

Hypnotische Geschichte über Familie, Gemeinschaft und Gewalt. Aus der Perspektive eines scharfäugigen Teenagers erzählt, enthüllt es Amerikas Liebesaffäre mit Schusswaffen und ihre schmerzhaften Folgen.

Oskar Maria Graf - Wir sind Gefangene

Graf schildert seine Erlebnisse in den Jahren von 1905 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und der Münchner Räterepublik. Ein Dokument, nackt, schonungslos, direkt und auch für heutige Zeiten unglaublich brisant.

César Aira - Was habe ich gelacht

Sehr schöner, kurzer Roman aus einer anderen Welt. Im Begleitschreiben heißt es treffend:
Aira eröffnet in dieser überraschend intimen Erzählung, die mal Autofiktion, mal wilde Fabel ist, einen Raum zwischen Witz und Gelächter, jenen Spalt, der oft zwischen dem eigenen Bewusstsein und der Gegenwart des Moments klafft: Darin finden wir Träume, Erinnerungen, einen Ozean der Wehmut - und schließlich auch das Lachen. Eigensinnig und doppelbödig zeigt sich der argentinische Ausnahmeautor hier in seiner ganzen weltliterarischen Größe.

Milan Kundera - Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Mal wieder ein Kundera - sehr klar, allerdings nicht ganz so fesselnd, wie die früheren Sachen.

Monday, April 15, 2019

Rolf-Bernhard Essig - Schreiberlust und Dichterfrust

Sehr unterhaltsames Buch über Literatur, den Literaturbetrieb, Schriftstellerexistenzen. Was nur manchmal seltsam ist, ist der Umstand, dass das Buch scheinbar für Kinder geschrieben ist. Dafür ist es doch etwas zu gelehrt, man kann sich nicht vorstellen, dass Kinder das besonders interessant finden. Aber das stört doch nicht sehe.

Milan Kundera - Der Scherz

Wiederbegegnung mit einem Roman, den ich vor vielen Jahren mal gelesen habe. Obwohl er mir damals nicht als der beste Roman von Kundera erschienen war, ist er mir von allen am deutlichsten im Gedächtnis geblieben. Mit wie wenig Poesie und "Kunst" er auskommt. Die Sprache ist fast kahl, oft floskelhaft, doch was im Kopf entsteht ist sehr prägnant. Die "Meditationen" sind manchmal etwas langatmig, hier drängt es einen weiter zu der fast unbeabsichtigt spannenden Handlung.

Emily Bronte - Sturmhöhe

Wüstes Kammerspiele, spannend wie die Bronte mit dieser Handvoll Figur die Konflikte immer wieder aufflammen lässt, über hunderte von Seiten. Das ganze spielt nur an zwei Orten, keine zehn Figuren sind beteiligt, und das auf 400 Seiten.

John Steinbeck - Jenseits von Eden

Monumentaler Roman, Lesegefühl, wie damals bei Dostojewski. Meditation über Kain & Abel, tolle Figurenzeichnung.

Monday, April 08, 2019

Clemens Meyer: Die stillen Trabanten

Die erste Skizze in dem Band hat mir so gut gefallen, dass ich es gleich kaufen musste. Die anderen Sachen sind etwas abgefallen, aber immer noch interessant genug, dass ich es ganz durchgelesen habe. Etwas zu lang vielleicht die einzelnen Geschichten. Und manchmal fragt man sich, ob man nicht vielleicht eine Pointe verpasst hat und hat es wahrscheinlich. Trotzdem: der Stoff ist gut (arbeitende Menschen) und die Atmosphäre passt.

Tuesday, April 02, 2019

Peter Stamm - Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

Roman mit Doppelgängermotiv, bei dem der eine wie in einem Alptraum die Biografie des anderen aufzufressen scheint. Mysteriöse und spekulativ,  dabei durchaus interessant, wohin das alles führt.  Eine Sammlung, ineinander übergehender Ringe.

Sunday, March 24, 2019

Anne Enright - Das Familientreffen

Irischer Roman, also Kinderreichtum, Katholizismus, Alkohol und Lieder. Einer von Zwölfen hat sich ersäuft, schwarzes Schaf und heimlicher Liebling. Alle Tragödien sind irgendwie schon mit den Großeltern angelegt. Nicht viel wird gelöst, kaum etwas ändert sich.

Vladimir Nabokov - Fahles Feuer

Roman in Form von Anmerkungen zu einem Langgedicht. Die Facetten von Nabokovs Kunst werden entfaltet. Rätsel und Spiel der Motive und Bezüge unterhalten die Problemschachfreunde unter den Lesern. Tableaus lassen die rückenmarkssensitiven Galeriebesucher der Phantasie aufjuchzen. Detailschürfer sacken Nugget um Nugget ein.
Nabokov muss man mindestens ein Mal im Jahr lesen.

Sunday, March 10, 2019

T.C. Boyle - Ein Samurai in Savanah

Roman als kleines Kulturclash-Spektakel. Halbjapaner wird in Südstaatensümpfen angespült und versetzt Establishment und Bauerntrampel in Wut und Aufregung. Sprachlich gekonnt, aber doch eher fleißige Plotwerkverarbeitung.

Tuesday, February 26, 2019

Modiano, Patrick - Damit du dich im Viertel nicht verirrst

Guter kleiner Roman, der sich anhand einiger zufälligen Begegnungen, des Pariser Stadtplans aus mehreren Jahrzehnten und eines Geheimnisses materialisiert, das nicht gelöst wird. Aber man folgt melancholisch staunend, so wie man manchmal einem fremden Menschen auf der Straße noch ein wenig - und sei es in Gedanken - nachläuft.

King, Stephen - Sleeping Beauties

Langer, solider King. Wie immer ist das Abarbeiten des zuvor aufgehäuften Plot-Bergs etwas mühsam. Aber die Studie des Kleinstadtlebens wieder beachtenswert. Da wird immer liebevoll eine Welt aufgebaut, die dann zerstört werden muss, so will es das Spiel. Wie früher, wenn man lange die Spielzeugarmee in Stellung brachte - bis zum Krawumms.

Galbraith, Robert - Die Ernte des Bösen

Guter Strike, obwohl diesmal etwas breitgetreten und das Abarbeiten der Verdächtigen und die Zickereien zwischen dem Detektiv und seiner Partnerin. Fällt daher gegenüber seinen Vorgängern etwas ab.

Colin Thompson - Bücher öffnen die Welt

Nettes Bilderbuch für Büchernarren mit struwelpetrischer Moral.

Wednesday, February 13, 2019