Ein Blog über das Stöbern im Grenzland zwischen U und E. Ausflüge ins Landesinnere inklusive.
Wednesday, October 05, 2016
Tuesday, September 27, 2016
Bob Bjerg - Auerhaus
Sehr schönes Buch über eine Kleinstadt-WG, die aus dem Versuch heraus entsteht, einen talentierten Bauernsohn vom Selbstmord abzuhalten. Angenehm: Das Buch ist kein Klamauk, Komik und Tragik halten sich die Waage, wie in Irvings Romanen. Gern hätte man gelebt im Auerhaus, bevor dann das Leben richtig losging. Vielleicht hat man ja auch.
Saturday, September 24, 2016
Judith Hermann - Lettipark
Sehr schönes Buch. Einige der Geschichten wirken noch lange nach. Die Titelstory zum Beispiel über eine junge hübsche Frau, die die Erzählerin Jahre später dann im Supermarkt trifft, total verändert und dick wie eine verlorene Riesen oder so ähnlich. Es geht um Menschen in den mittleren Jahren und darüber hinaus und über das Erstaunen über die Veränderungen und die langsame Engführung des Alters. Judith Hermann lohnt sich jedenfalls immer wieder, auch wenn die Kritiker sie jetzt regelmäßig in Grund und Boden schreiben möchten.
Tuesday, September 20, 2016
John Burnside - Wie alle anderen
Friday, September 16, 2016
Christian Kracht - Die Toten
Feingearbeiteter kleiner Roman über das Filmgeschäft in den 30er Jahren. Japan, Berlin, Hollywood, Chaplin, Rühmann und ein paar andere kommen vor. Alles sehr kunstvoll und schön , hohes Kunsthandwerk und eher Spielerei, als Literatur aus einem existentiellen Drang heraus. Kurzweilig, nach vier Zugfahrten war der Zauber vorbei.Tuesday, September 06, 2016
Anthony Marra - Die niedrigen Himmel
Roman eines Kaliforniers über die Tschetschenien-Kriege. Ein Mädchen muss vor den Folterern gerettet werden, eine Schwester wird verloren, ein Vater muss den Sohn opfern. Alles von fundamentaler Wucht, alttestamentarisch, tolstoiisch, dabei sprachlich brillant, wie bei all diesen topausgebildeten Autoren aus den USA.
Tuesday, August 23, 2016
Gerhard Mensching - E.T.A. Hoffmanns letzte Erzählung
Thursday, August 18, 2016
James Lee Burke - Neonregen
Landschaften, Figuren, Details - alles besser, reicher als in mancher "höheren" Literatur. Reich auch an Kleinsterzählungen, die in diesen Südstaatenteppich eingewoben sind, wie Gold und Seide.
Jo Walton - In einer anderen Welt
Sehr schönes Buch. Eine interessante Hauptfigur, die uns in ihrem Tagebuch von der seltsamen Welt erzählt, die neben uns existiert und zu der sie einen direkten Zugang hat. Elfen gibt es darin, Hexen, ihre Mutter ist eine der schlimmsten. Der Tod ist gegenwärtig und ihn gilt es zu überwinden. Aber vor allem ist es ein Buch über Bücher und die heilende Kraft der Geschichten und der Literatur und wie es ist, einen Hort zu haben, eine Art Freistadt des Geistes und der Seele. Bücher als geistige Heimat.
Monday, August 08, 2016
Josh Weil - Das gläserne Meer
Sehr mühsame Lektüre, Story und Figurenrepertoire viel zu spärlich und dünn für so einen Schinken. Sich wiederholende Szenen breit ausgemalt, ermüdend, quälend.
Sunday, August 07, 2016
Norbert Löhr - Krieg der Sänger
Gut: Die Atmosphäre auf der Burg (düsteres Mittelalter). Die Figurenzeichnung, nicht nur der Sänger, sondern auch aller anderen.
Schlecht: Der Befreiungskampf der Dichter - langatmig, klamaukhaft.
Wednesday, July 20, 2016
Naomi Wood - Als Hemingway mich liebte
Hörbuchfassung. Hemingway und die Frauen oder andersrum ist als Thema ziemlich durch. Bitte keine Romane mehr über den trunksüchtigen, egozentrischen, ekelhaften Hemingway. Ab jetzt zählt nur noch sein Werk. Wiederlesen: Wem die Stunde schlägt, Die grünen Hügel Afrikas, In einem anderen Land, vielleicht noch der seltsam traurige Nachlass Inseln im Strom und der Garten Eden.
Sunday, July 17, 2016
Philip Kerr - Feuer über Berlin
Juli Zeh - Unterleuten
Romane über die tiefste Provinz scheinen gerade Mode zu sein. Vielleicht glauben die Autoren, in diesen Biotopen Arten und Konstellationen hägen zu können, die in irgendeiner Form symptomatisch oder gleichnishaft für Zustände in unserer Gesellschaft sind. Was aber in diesem Fall dabei herauskommt, mutet doch leider etwas künstlich an. Es gibt einen großen Provinzler unter den Literaten, William Faulkner. Vergleicht man Juli Zeh mit diesem Titanen, dann fehlt einem doch so einiges. Die Anlage des Ganzen ist sich zwar sehr ähnlich, aber bei Faulkner spürt man immer hinter allem Oper, Musik, Schicksal, etc. Bei Juli Zeh kommt kein rechtes Mitleid auf mit den Figuren. Sie lassen einen relativ kalt. Auch ist bei Faulkner die Sprache sehr viel radikaler, leistet viel mehr, als bei Juli Zeh, bei der alles zahm bleibt (das war früher, bei Spieltrieb zum Beispiel, besser, weil ungeschliffener). Ein wenig erinnert das Buch von seiner sozialkritischen Anlage her an J.K. Rowlings Ein plötzlicher Todesfall, auch kein wahnsinnig geglücktes Buch. Aber selbst darin ist mehr Identifikation, Mitleid, Sound enthalten, als bei Zeh. Sound gibt es bei Zeh zwar auch, aber es ist eher so ein dürrer Wir-sind-Helden-Ton. Dennoch habe ich das Buch gar nicht gelesen. Es istunterhaltsam, wenn auch keine Wucht.
Friday, July 08, 2016
Andrea Camilleri – Die dunkle Wahrheit des Mondes
Netter kleiner Kriminalroman mit einem etwas verkorksten Kommissar, viele hübsche, feurige Italienerinnen und etwas Humor. Insgesamt ein unterhaltsames Lesevergnügen.
Castle Freeman - Männer mit Erfahrung
Sehr spannender kleiner Roman. Eine junge Frau, ein Hinterwäldler und ein alter Fuchs stellen den gewalttätigen Tyrannen der Gegend.
Sunday, July 03, 2016
Cormac McCarthy - Die Abendröte im Westen
Cormac McCarthy Geschichten erinnern immer ein wenig an Quentin Tarantino. Wie bei Tarantino ist das Hauptthema die Gewalt ohne Tabus. Man kann schon fast von einer kaum verholenen Lust an der Gewalt, an Grausamkeit, an Gemetzel und Blut sprechen. Die Gewaltschilderungen sind exzessiv. Die Welt besteht zu 99,9 % aus Gewalt, Bosheit, Grausamkeit. Das übrige 0,1 % ist weder Liebe, noch Hoffnung, sondern ein Überstand an diffuser Religion. Doch das ist nichts worauf sich ein Mensch ausruhen könnte.
Die Sprache von McCarthy ist schlicht, archaisch, durchsetzt von biblischen, manchmal philosophischen Idiomen. Das ganze folgt aber keinem zusammenhängenden Gedankengerüst, sondern ist Fragment. Die Sprache spiegelt so die düstere Weltsicht des Autors wieder. Seine Welt ist zerstückelt, hastig, impulsiv, zerstört und zerstörerisch, für Hoffnung gibt es keinerlei Raum.
Einen Plot gibt es in die "Die Abendröte des Westens". Der Leser geht auf eine Reise durch ein wüstes, tödliches, feindliches Land. Es folgt Massaker auf Massaker, Gelage auf Gelage, Schlacht Schlacht. Die Handlung folgt einem mittelalterlichen Totentanz darwinistischer Prägung.
Cormac McCarthys Typen
Auch die Figurenzeichnung ist holzschnitthaft. Es gibt ein beschränktes Tableau von Typen: der Junge, der die Unschuld verliert, der Priester, der seinen Weg verloren hat, der grausame Führer durch die Hölle, der gleichzeitig ihr dunkelste Fürst ist. Und es gibt den Richter, eine Art Nietzsche-Gott, der sich die verwaiste Welt Untertan gemacht hat.
Viel Raum nimmt auch die Schilderung der Landschaft ein. Meist ist es ein Dschungel, ein tödlicher, feindlicher Raum, in dem die Menschen um ihr Überleben kämpfen. Nur hin und wieder gibt es Passagen, in denen die Welt düster-schöne Züge annimmt, meist aber nur wenn, sie vom Menschen unberührt ist. Herausragend ist hier die Schilderung Küstenlandschaft gegen Ende des Buches: "Er saß am Strand und hielt Ausschau; die Sonne tauchte zischend in die Dünung. Das Pferd hob sich dunkel gegen den Himmel ab. Die Brandung dröhnte durchs Dunkel, das schwarze Feld der See hob und senkte sich unter Sternensprengel, die langen fahlen Brecher sprangen aus der Nacht und zerborsten am Ufer. Er stand auf schritt auf die Stadtlichter zu. Die Ebbentümpel glommen wie Schmelzöfen zwischen den düsteren Klippen, wo die phosphoreszierenden Krabben zurückkochen...Das Pferd spähte in die unermessliche Ferne, wo die Sterne ertrinken und Wale ihre weiten Seelen durch die schwarze, saumlose See tragen.
Die düstere Abendröte im Westen
Die "Abendröte im Westen" ist ein, anstrengendes Buch, das einen tief verstört, das man aber auch nicht unerledigt wieder ins Regal stellen kann. Ich bezweifle, dass ich so schnell wieder ein Buch von McCarthy lesen werde. Immer die gleiche, düstere, hoffnungslose Welt. Es muss auch Gegenentwürfe geben.
Friday, July 01, 2016
Joachim Meyerhoff - Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Thursday, June 16, 2016
Dzevad Karahasan - Der Trost des Nachthimmels
Sehr schöner Roman über das alte Persien und zugleich ein politisches Psychogram radikaler Gesinnungen.
Wilhelm Raabe - Chronik der Sperlingsgasse
Kleiner Roman über Menschen, die in einer Straße wohnen. Vorläufer von Episodenromanen dieser Art. Ziemlich sentimental, aber mit ein paar zauberhaften Stellen, wie etwa der Traum Elisens, in dem sie gemeinsam mit den Minigeistern aus Mondstaub durch den Mikrokosmos der Zimmer reist.
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