Ein Blog über das Stöbern im Grenzland zwischen U und E. Ausflüge ins Landesinnere inklusive.
Tuesday, May 29, 2012
34. Ein Lied von Eis und Feuer 2 - George Martin
32. Ein Lied von Eis und Feuer 1 - George Martin
Wednesday, May 16, 2012
31. Die Reisen des Herrn Baldassare - Amin Maalouf
Tuesday, April 17, 2012
30. Michael Buselmeier - Wunsiedel
Monday, April 16, 2012
29. Fred Vargas - Die Nacht des Zorns
Friday, April 13, 2012
28. Madame Hemingway - Paula McLain
Tuesday, April 03, 2012
27. Geister - John Banville
Aber doch wenig Lust, dem Enigmatischen genauer nachzuspüren.
Monday, April 02, 2012
Saturday, March 24, 2012
26. Mittelreich - Josef Bierbichler
Friday, March 16, 2012
25. Judith Schalansky - Der Hals der Giraffe
Monday, March 12, 2012
24. Christian Kracht - Imperium
23. David Vann - Im Schatten des Vaters
Existentialistisch ausweglos wie Die Straße oder Die Wand.
Thursday, March 08, 2012
22. Gegen die Welt - Ian Brandt
21. Das Attentat - Stephen King
Sunday, February 26, 2012
20. Heinrich von Kleist - Michael Kohlhaas
Saturday, February 18, 2012
19. Erika Mann - Das letzte Jahr
Friday, February 17, 2012
18. Clemens J. Setz - Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes
Wednesday, February 15, 2012
17. Hiobs Brüder - Rebecca Gable
Saturday, February 11, 2012
16. Das Mädchen - Angelika Klüssendorf
Unglaublich viel Gewalt und Elend. Erschütterung über das im übelsten Sinne verschlagene (im Sinne von zerschlagen) kindlich-poetische Gemüt.
15. The Sense of an Ending - Julian Barnes
Das Konzept des Romans besteht darin, dass der Held Toni Webster im Alter darauf gestoßen wird, mitverantwortlich für den Selbstmord eines Freundes in der Jugend gewesen zu sein.
Natürlich lädt das Konzept zu vielen altersweisen Reflexionen über den Fluss der Zeit und den Trug der Erinnerung ein. Manchmal etwas zu viel. Aber hätte man das gekürzt, dann wäre schwerlich ein Roman übrig geblieben.
Trotzdem angerührt über das Motiv des Wendepunkts am Ende des Lebens.
Tuesday, February 07, 2012
14. Der Fliegenpalast - Walter Kappacher
Klar, das Handke das gefällt.
Saturday, February 04, 2012
13. Ein Hungerkünstler - Franz Kafka

Neben Ein Hungerkünstler auch Erstes Leid, Eine kleine Frau und Josefine, die Sängerin oder das Volk der Mäuse. Die kleine Frau fällt dabei etwas ab.
Vielleicht werden wir also gar nicht sehr viel entbehren, Josefine aber, erlöst von der irdischen Plage, die aber ihrer Meinung nach Auserwählten bereitet ist, wird fröhlich sich verlieren in der zahllosen Menge der Helden unseres Volkes, und bald, da wir keine Geschichte treiben, in gesteigerter Erlösung vergessen sein wie alle ihre Brüder.
Friday, February 03, 2012
12. Du stirbst nicht - Kathrin Schmidt
11. Schreiben dicht am Leben - Hanns-Josef Ortheil
Saturday, January 28, 2012
10. Betrachtung - Franz Kafka

"Ich würde ganz gern - warum denn nicht - einen Ausflug mit einer Gesellschaft von lauter Niemand machen."
Verfügbare Bilder von Herz/Seele/Geist u.a.
Friday, January 27, 2012
9. Die Herrlichkeit des Lebens - Michael Kumpfmüller
Tuesday, January 24, 2012
8. Ruhm - Daniel Kehlmann
Kehlmann ungleich eleganter und souveräner. Auch der sprichwörtliche doppelte Boden filigraner gestaltet.
Einer der ersten Erzähler hierzulande wohl.
Friday, January 20, 2012
7. Einsamkeit und Sex und Mitleid - Helmut Krausser
6. Meine Gespräche mit Schriftstellern 1974-1977 - Heinz Ludwig Arnold
Wednesday, January 18, 2012
5. Der Richter und sein Henker - Friedrich Dürrenmatt
Tuesday, January 17, 2012
4. Sunset - Klaus Modick
Sunset - das ist eine Art imaginierter Schwanengesang des Lion Feuchtwanger. Modick schildert den Tag im Leben des alternden Romanciers, an dem ihn die Nachricht vom Tode Brechts ereilt, seinem vielleicht einzigen wahren Freund. Erzählt werden die Reflexionen und Erinnerungen, die das in Feuchtwanger auslöst.
Und so entfaltet sich auf den knapp 200 Seiten ein alterweises Tableu von ungewöhnlicher, ja beglückender thematischer Weite:
Exil, Politik, die Exilgesellschaft in Kalifornien
Schreiben/Literatur als Lebensform
Freundschaft
Religion
Überlebensstrategien
uvm
Dabei entsteht ein Porträt Feuchtwangers, das den Leser durch seine Liebenswürdigkeit völlig für den kleinen, bescheidenen, ungeschickten Mann einnimmt.
Monday, January 16, 2012
3. Art Direction
Thursday, January 12, 2012
2. Charles Dickens: der Unnachahmliche. Von Hans-Dieter Gelfert
- Im Vorwort verspricht man Aufklärung darüber, warum Dickens ein Kafka-Vorgänger sei. Davon ist aber kaum die Rede.
- Viel über Honorare ohne dass man erfährt, was das Geld damals ungefähr wert war.
- Preisungen von Dickens Sprachkunst - keine Beweise dafür. Hätte der Leser auch auf Englisch gerne genommen.
- Von einem deutschen Biografen hätte man sich mehr zur Dickens-Rezeption hierzulande gewünscht.
Tuesday, January 10, 2012
1. Too Much Happiness - Alice Munro
Saturday, December 31, 2011
Ortheil - Die geheimen Stunden der Nacht
Sunday, December 25, 2011
Flashback - Dan Simmons
Wednesday, December 14, 2011
Charles Dickens - David Copperfield
Übrigens erinnert der Stil stark an Thomas Mann. Leitmotivik, Ironie, Bürgertum.
Die souveräne Leserin - Alan Bennett
Tuesday, November 29, 2011
Tschick - Wolfgang Herrndorf
Thursday, November 24, 2011
G. K. Chesterton - Über Charles Dickens
Erstaunt, wieviel Chesterton über Dickens zu schreiben weiß. Angeregt von der dialektischen, an der klassischen Rhetorik geschulten Denkart.
Saturday, November 19, 2011
Heinrich Steinfest - Gewitter über Pluto
- Spiellust. Stell dir zwei, drei Abstrusitäten vor und lass sie im Roman dann aufeinander los.
- Gedankenranken. Es lohnt sich tatsächlich, über so gut wie alles nachzudenken. Und sich davon überraschen zu lassen.
- Weil man sieht, was aus Musil hätte werden können.
- Weil man Lust auf so was wie Musil bekommt.
- Weil man dieser Lust nicht nachgeben muss. Besser liest man einen anderen Heinrich Steinfest.
- Weil er aus der Alltagswelt einen Abenteuerspielplatz zu machen versteht.
- Wegen des Interieurs. Immer gibt es Herrenabende bei Gespräch und Getränk.
- Der Metaphernwut. Der Manie, an alles noch ein Bildchen zu hängen.
- Des Trotzes gegen politische Korrektheit. Dabei weiter weg von Chauvinismus, als der Pluto vom Stuttgarter Hauptbahnhof.
- Wegen des unaufgeregt Phantastischen.
Poetiken 1: Umberto Eco - Der Friedhof von Prag
- wegen Ecos Zitierwut, statt Fabulierlust
- wegen seiner buchstaubinduzierten Handlungspneumonie
- wegen der lästigen Modeerscheinung, den Geschichten Kochrezepte - gleichsam als Mehrwert - beizumengen.
Monday, November 07, 2011
Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär - Walter Moers
Saturday, October 29, 2011
Melinda Nadj Abonji - Tauben fliegen auf
Oder, richtiger, gehörte. Denn sie sind vor etlichen Jahren schon ausgewandert in die Schweiz, erst der Vater und dann, sobald es erlaubt war, auch die Mutter mit den beiden Töchtern, Nomi und Ildiko, und Ildiko ist es, die das hier alles erzählt. So auch den Besuch im Dorf, der dann nicht der einzige bleibt, Hochzeiten und Tod rufen sie jedesmal wieder zurück ins Dorf, wo Mamika und all die anderen Verwandten leben, solange sie leben.
Zuhause ist die Familie Kocsis also in der Schweiz, aber es ist ein schwieriges Zuhause, von Heimat gar nicht zu reden, obwohl sie doch die Cafeteria betreiben und obwohl die Kinder dort aufgewachsen sind. Die Eltern haben es immerhin geschafft, aber die Schweiz schafft manchmal die Töchter, Ildiko vor allem, sie sind zwar dort angekommen, aber nicht immer angenommen. Es genügt schon, den Streitigkeiten ihrer Angestellten aus den verschiedenen ehemals jugoslawischen Republiken zuzuhören, um sich nicht mehr zu wundern über ein seltsames Europa, das einander nicht wahrnehmen will. Bleiben da wirklich nur die Liebe und der Rückzug ins angeblich private Leben?
Ein gutes Buch, ein bewegendes Buch. Die Sprache ist melodisch, rhythmisch, wie man sagt, mit langen Perioden und Wortwiederholungen. Die Motive kreisen Familie, Liebe, Krieg und das Leben in der Fremde.
Das Buch macht fühlbar, was das ist, Heimat. Wohlstand und Status haben damit nichts zu tun. Es sind die Menschen, die Tiere, die täglichen Wege, die Bäume, die Straßen, die Landschaft. Heimat ist das, was weh tut, wenn man daran denkt.
Monday, October 24, 2011
Margret de Moor - Der Maler und das Mädchen
Wednesday, October 19, 2011
Stark - The Dark Half - Stephen King
Schriftsteller gebiert geisterhaften Pseudonymzwilling und lässt diesen erfolgreiche Krimis schreiben. Als er den Doppelgänger symbolisch begraben will, kehrt der wieder, mordet und droht, die Herrschaft über das Doppel-Ich zu übernehmen. Einige Millionen Sperlinge bringen die Rettung.
Alles natürlich sehr poetologisch und autobiografisch natürlich. Einige Schwächen (die Beweislage gegen Thad Beaumont, die Telefoniererei, die Sperlingskiste, das Wühlen im Gedärm). Aber: immer noch frisches Leseerlebnis.
Der Film ist auch ganz in Ordnung.
Die Kunst des Erzählens - James Woods
Wednesday, October 05, 2011
Christine - Stephen King
Gehe sie alle wieder durch, die King-Leseerlebnisse. Diesmal als Audible-Hörbuch.
Erinnere mich noch an die zwei, drei Tage, an denen ich das Buch vor 25 Jahren gefressen habe. Kein anderes Buch hat meinem Alter, dem Sound meines Alters so entsprochen, wie Christine.
Und es hat kaum etwas von seiner Frische eingebüßt. Sicherlich eines der besten Bücher Kings. Nirgends ist er besser, als im Erzählen von Freundschaften der Jugend.
Die Geschichte ist eine klassischer Teufelspaktplott: Junge verkauft seine Seele für eine Auto, das ihm Schönheit, Ansehen, Freiheit, Liebe bringt. Doch wie immer wendet sich der Pakt gegen den Nutznieser.
Als nächstes Stark.
Wednesday, September 21, 2011
In Thin Air - John Krakauer
Dachte an David Shields. Ganz in seiner Poetik.
Gedanke: Wie wäre es, diese Authentizität in einen fiktiven Werk zu imitieren? Und das vielleicht mit einen phantastischem Stoff. Hm.
Saturday, September 10, 2011
Open City - Teju Cole
Ich lud mir einen Auszug auf mein Kindle - übrigens noch in der selben Stunde, in der ich Jon Krakauers Into thin Air beendet hatte, das aufregenste und aufwühlenste Buch, das ich bis dato in diesem Jahr gelesen hatte.
Und gleich das erste Kapitel nahm mich gefangen. Die Beschäftigungen des einsamen Flaneurs waren mir vertraut: lange, ziellose Spaziergänge, lautes Lesen im Zimmer, Klassikradio, die Stimmen der Sprecher in der Nacht, Mahler, Gedichte auswendig lernen und vieles mehr.
Dann der Sebald-Ton, der Verzicht auf Plot, die lyrischen Essays, das Authentisch-Tagebuchhafte, der in die Prosa übergehende Rhythmus des Gehens durch Stadt und Geschichte - all das genau mein Blues.
Friday, September 09, 2011
Murakami 1Q84
Monday, August 22, 2011
Richard Price - Cash
Bernard Cornwell - Das letzt Königreich
Gespannt auf den nächsten.
Monday, June 27, 2011
Der See - Gerhard Roth
Alles ganz im Kahlschlag-Existenzialismus-Stil. Atmosphäre kaum erträglich. Alles spröde und gedankenleer. Will wohl ein Krimi sein. Plot dafür sehr dürr. Charaktere auch langweilig. Was soll das eigentlich? Mag diese Art reduzierter Literatur gar nicht mehr lesen.
Thursday, June 02, 2011
Reality Hunger - David Shields
1
Shields Gedanke: Wir wollen heute nur noch wirklichkeitsbasierte Literatur lesen. Damit meint er eine Mischform aus fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten. Der Plot ist Nebensache, ja, er stört eigentlich das, wonach wir wirklich hungern: authentisches Material. Es geht also weniger um die Beschwörung einer Illusion (Flughafen-Bücher), sondern um Erkenntnis und kitzliges Wiedererkennen des Eigenen im Fremden.
So ist auch das Buch selbst gestrickt: Über 500 kurze Absätze mit Reflexionen, Listen, Sprüchen, erzählerischen Einschüben.
Und eigentlich unterscheidet sich der Haupttext kaum vom Quellen-Anhang, der sich liest, wie ein Abschnitt-Original-Shield:
Roland Barthes, Walter Benjamin, Friedrich Nietzsche, Goethe, J.M. Coetzee, Alain Robbe-Grillet, Herman Melville, Picasso, Jonathan Lethem, Cicero, Hemingway, Bob Dylan, Dave Eggers, Vladimir Nabokov, T.S. Eliot, W.G. Sebald, Ralph Waldo Emerson, Nicolson Baker, Charlie Parker, Theodor W. Adorno, Sören Kierkegaard, John Keats, Michel Montaigne, Michel Leiris, Sonny Rollins, Jorge Luis Borges…
2
Warum habe ich so schnell zugeschlagen und mir das Buch gleich am Abend gekauft? Weil ich da wohl eine Bestätigung gesehen habe. Ja, es stimmt, wenn ein Roman so richtig overtürenhaft anhebt, kann es sein, dass sich mit Sterbensmüdigkeit reagiere.
3
Angetan von der "Lesbarkeit" des Formats. Kurze durchnummerierte Abschnitte. Nur die verhältnismäßige Kürze scheint überhaupt noch lesbar. Ein Grauen vor den Textblöcken, in denen man ersäuft. Aber auch Resepekt. Sie spiegeln einem Unendliches vor. Und im Unendlichen erwarten wir Tiefe. Und in der Tiefe "wahre" Erkenntnis.
4
Ich betrachte jede Kunst als im Wesentlichen dokumentarisch. Alles ist immer schon erfunden; wir artikulieren, arrangieren lediglich. (201)
So auch der Doktor Faustus. Obwohl deutlich die fiktionale Formung allgegenwärtig. Maskenhaft? Am Rande des Funktionierens jedenfalls.
5
Vom Nutzer generierter Inhalt ist die neue Volkskunst.
6
Plots sind was für Tote. Technologien wie IBMs Watson machen deutlich, dass man so etwas in vielleicht nicht all zu ferner Zukunft auch maschinell herstellen kann. Prinzipiell tut man das ja schon. Story-Engineering lautet der Titel eines entsprechenden "Manuals" zur Herstellung von Geschichten.
7
Konnte das Buch nicht weglegen. Nach der Lektüre habe ich von vorne angefangen. Warum? Weil ich das Gefühl habe, dass da noch mehr Substanz ist, die ich noch nicht ausgeschöpft habe. Und für die es sich lohnt noch mal zurückzukommen.
8
Ist es richtig, der Gebrauchsanweisung des Buches zu folgen und den Anhang mit den Literaturangaben abzuschneiden? Warum eigentlich? Warum soll man nicht wissen, von wem es kommt? Die Literatur im Netz verweist doch auch mit Hyperlinks auf die Quellen der Gedanken. Es geht dabei weniger um Urheberrechte etc. pp. Sondern um die Möglichkeit, das gedankliche Netzwerk weiterknüpfen zu können. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht, das zu lesen.
Ein geschickter Schachzug wäre es gewesen, die komplette Liste unkommentiert, als Fließtext als letztes Kapitel in den Gesamtkorpus aufzunehmen.
9
Ein recht sympathisches Porträt, wie ich finde. Täusche ich mich oder gibt es eine winzige Ähnlichkeit zu Handke im Sprachduktus? Oder liegt das an den Überbleibseln des kindlichen Stotterns?
10
Hörte von dem Buch zum ersten Mal in einer Diwan-Besprechung. Das war auf einer kleinen, sommerlichen Radtour zum Geburtstag meines Schwagers. Ich dachte noch unterwegs: Das will ich lesen. Hier wird vielleicht ein Weg aufgezeigt, auf den auch ich gerne weiter wandern würde. Die Sterbenslangeweile, die mich manchmal beim Lesen der ersten Sätze neuer Romane ergreift, die Bemühtheit, die Durchschaubarkeit, das Verschwinden von Spaß, Spiel und Reizen aus manchen Büchern - für all diese Erfahrungen schien hier eine Erklärung. Als ich wieder zuhause war, habe ich sofort meinen Rechner angeworfen und geschaut, ob es als eBook verfügbar war. Und das war der Fall. Also geladen und schon konnte es losgehen. Ein Hoch auf das E-Reading.
Wilhelm Meister - J.W.Goethe
Im vierten oder fünften Anlauf endlich. Als eBook. Nietzsche sagt etwas in der Richtung, dass sich hier Bestes mit Lächerlichem grandios vermischt. Tatsächlich wirkt Meister unglaublich naiv und ungeschickt, manchmal geradezu plump gezeichnet.
Es gibt einige sehr schöne Ezählpassagen, etwa wenn Meister anfangs vor der Wohnung seiner Mariane herumschmachtet, während sich drinnen Liebhaber Nummer 1 zu schaffen macht. Da wechselt mit Gesprächen, in dem es viel Gescheites aber auch sehr viel Langweiliges zu hören gibt. Einiges ist auch genuin skuril: Mignon und Harfner wirkten manchmal geradezu kafkaesk.
W.M. als Erzähl-"Werk": Flotte Handlungsmotive wechseln mit Essays (in Gesprächen), wobei letztere etwa die Hälfte oder etwas mehr ausmachen. Es gibt eingesprengte Episoden anderer, insgesamt alles hybridisch-modern.
Und dann wieder altbacken und pseudoromantisch. Das ganze Sterben, Versöhnen und Zusammenkommen am Schluss ist Krampf.
Ein Sommer, der bleibt - Peter Kurzeck
Literatur als mündliche Überlieferung. Dieses Buch ist eine echte Sensation. Da ist tatsächlich einer, der ganz ursprünglich erzählen kann. Er sitzt da und erzählt seine Kindheit und alles ist in so reichen Farben, so voller berückender Details - die Holzpferde, nachts auf dem Fenstersims, die Spuren auf dem Teufelsstein, die voll Wasser laufen, das Brausepulver, das in die Linien der Handfläche rinnt -, dass man im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert ist.
Er spricht den Text mit ganz minimalen Abweichungen wie gedruckt. Dennoch ist der Unterschied zu einer echten Lesung beträchtlich: viel unangestrengter für beide, Leser wie Sprecher.
Wednesday, May 18, 2011
Uwe Timm - Der Freitisch
Schöne Novelle über zwei in die Jahre gekommene Männer, die sich nach Jahren zufällig wiedertreffen. Die verschiedenen Lebensläufe. Was aus den Vorstellungen der Jugend geblieben ist (gar nicht so wenig), wie sich das verwandelt und teilweise erhalten hat. Gar nicht pessimistisch, eher nüchtern, aufgeräumt, abgeklärt. Stark erzählt.
Immer skeptisch, wenn sich zwei Männer in einer Erzählung "nur unterhalten." Schlechtes Beispiel: Am Hang. Timm aber ein Meister. Jeder Satz ein Treffer.
Hermann Löhns - Der Wehrwolf: Eine Bauernchronik
Monday, May 09, 2011
Meister der Dämmerung
Aber zu langes Tiefenpsychologisieren am Anfang. Zu wenig auch übers Werk.
Plötzlich aus.
Die Stunde zwischen Hund und Wolf - Silke Scheuermann
Friday, April 22, 2011
Die Villa am Rande der Zeit - Goran Petrovic
Student erhält ungewöhnliches Angebot: Er soll ein älteres Buch lektorieren. Bei der Lektüre findet er sich unversehens selbst mitten in dem Roman wieder und begegnet anderen Lesern. Prallelweltenliebeleien und Mordfälle.
Etwas im Stile von Der Schatten des Windes, nur fantastischer. Aber wie das so mit diesen Büchern ist: Hat man das Prinzip ein Mal erfasst, kommt schnell Langeweile auf.
Wednesday, April 06, 2011
Godfather - Drehbuch
Wölfe - Hilary Mantel
Friday, March 25, 2011
Wer hat Angst vor Stephen King - Uwe Anton
Ziemlich mauer Stephen King-Werksführer. Wollte damit meine Lücke zu Kings mittleren Jahren füllen. Festgestellt: scheinbar nicht viel verpasst.
Aber für wen ist das Buch eigentlich? Fans hat es nichts Neues zu berichten. Die anderen werden sich über die ganzen Spoiler ärgern.
Thommyknockers - Stephen King
Friday, March 04, 2011
Die Arena - Stephen King
Die Arena - The Dome - ist das beste Stephen King-Buch, das ich seit Langem gelesen habe. Duma Key und Sunset waren ernüchternd. Lisey' Story war in Ordnung. Aber The Dome knüpft definitiv an die großen Epen It und The Stand an. Plastische Charaktäre und eine Geschichte, so dicht und zwingend wie eine griechische Tragödie. Das ist aller bester King.
In einigen Rezensionen wurde das politisch Lehrstückhafte des Romans moniert. Ich finde da gar nichts zu monieren. Hier ist einer der seltenen Fälle, wo das Politische und das Epische fast völlig deckungsgleich sind. Ich kenne keinen Roman, der den Zustand der Welt und die Ängste, die sie einem einjagt, so umfassend und schnörkellos in eine Geschichte gegossen hat. Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung, Bürgerengagement, Spielarten der Macht, alles kommt vor. Allein, wie das Thema Nachhaltigkeit durchgespielt wird, ohne, dass der Begriff ein einziges Mal fällt, ist bewunderungswürdig. Und das ohne Vorsatz. Einfach, weil es eine verdammt gute Geschichte ist.
Bei Audible.de gibt es die Hörbuchlesung von David Nathan. Die Fassung ist unbedingt empfehlenswert, einer der besten Leser derzeit überhaupt. Er schafft es, jeder der zahllosen Figuren eine eigene Stimme zu geben, ohne dass sich das Sprecherego unangenehm der eigenen Vorstellung aufdrängt. Und er liest mit sehr viel Gefühl für Stimmung und Tempo.
Die Arena zeigt: Stephen King läuft wieder zur Hochform auf. Man darf gespannt sein, auf seinen angekündigten Kennedy-Roman.
Friday, January 28, 2011
Der Master von Ballantrae

Roman von R.L. Stevenson in der sehr schönen Mare-Ausgabe.
Zone
Monday, January 10, 2011
Ein Kind - Thomas Bernhard
Sunday, January 09, 2011
Glister
Sunday, December 12, 2010
Bernard Cornwell - Das letzte Königreich
Zusuzsa Bánk - Der Schwimmer
Thursday, November 25, 2010
Tolstoi - Familienglück
Sehr schöne Stimmungsbilder, Präzision der Beziehung und ihrer Entwicklung. Am Ende dann alles doch etwas vom Moralismus verdorben.
Obwohl er sicher recht hat. Aber Rechthaber nerven auch immer ein wenig.
Saturday, November 13, 2010
Benjamin Kunkel - Unentschlossen
Es ist jedenfalls wieder einer dieser amerikanischen Romane, die verdammt gut geschrieben sind. Das gibt es hier gar nicht, diesen lockeren Ton, der dennoch so viele Bilder im Kopf entsehen lässt und gleichzeitig auf einer Handlung basiert, die "straight" zur Sache kommt.
Dieses "Staight"-Leseerlebnis ist haargenau das selbe, das ich schon damals als Student hatte, als ich noch keinen Fernseher hatte und die Bücher danach auswählte, was mir am Abend die bestmögliche Unterhaltung liefern würde. Die Highlights damals waren so weit ich mich erinnere: Der Ghostwriter von P. Roth und Rabbit in Ruhe von J. Updike. Ja und natürlich Nabokovs Ada und Lolita, obwohl das irgendwie eine andere, europäische Kategorie ist.
Das ist die Handlung. Sie ist es aber noch lange nicht, die das Buch zu einem lesenwerten Buch macht.
Die Gründe, die für die Lektüre sprechen, liegen auf anderen Ebenen: der der Sprache und der der Hauptgestalten.
Die Sprache des Buches ist es, was dem Leser auf jeder Seite Genuss verschafft. Alles ist unglaublich pointiert und gekonnt, die Metaphern frisch.
Und doch verkörperte die Beachtung, die wir Mister schenkten, eine Eltern-Kind-Basis, die vermuten ließ, dass in unserer Familie unter der Hand große Mengen erstklassiger Liebesgefühle kursierten, wenn wir so mit unserem Hund umgingen - so lieb er auch war. Unsere Gefühle für Mister waren wohl irgendwie der Maßstab für unsere Herzen.
Saturday, November 06, 2010
Norbert Gstrein - Die ganze Wahrheit
Friday, November 05, 2010
Das böse Mädchen - Mario Vargas Llosa
Verwandlungen, Lebensleitmotiv.
Spitzbuben - William Faulkner

Eine dieser schönen Geschichten, in denen ein Junge und ein paar andere schräge Gestalten sich auf unerlaubte Pfade machen: Sie nehmen sich Großvaters Auto und starten damit eine Odysee durch die Südstaaten. Die Zutaten dieses famosen Abenteuergerichts: Ein Bordell in Memphis, ein Rennpferd, eine Wette, ein gestohlenes Auto, fiese Scheriffs, schlitzohrige Ex-Sklaven usw. Dabei geht es - etwas zu deutlich vielleicht - um die Mannwerdung des Erzählers, der hier erstmals die feine Linie zwischen Ordnung und Chaos übertritt.
- Es ist eine von diesen schönen Tom Sawyer und Huckelberry Finn-Geschichten, die man fast immer gerne liest.
- Es gibt sehr viele sehr schöne Beispiele von Menschlichkeit in dem Buch: Lucius zum Beispiel, der Pferdespezialist, der auf der gesellschaftlichen Rangleiter ganz unten steht, sich aber durch seine Kenntnisse Anerkennung von ganz oben erringt.
- Die Sprache Faulkners ist trotz der Leichtigkeit des Stoffes von diesem altersweisen Moralismus geprägt, der bei anderen sehr übel sein kann, bei Faulkner aber immer glaubwürdig und echt klingt.
- Es ist Faulkners letztes Buch. Und letzte Bücher sind immer irgendwie etwas Besonderes.
Der Nachsommer - Adalbert Stifter
Das darin nichts aufregendes passiert, das ist seltsamer Weise das interessante. Nach und nach merkt man aber doch, dass sich klitzkleine Friktionen einstellen. Ein zu langer Blick auf in ein, man muss wohl Antlitz sagen, eine unerklärliche Ruhelosigkeit, nicht mehr.
Manchmal hört es sich für den heutigen Leser wie eine Parodie an.
Bei manchen Büchern wünscht man sich ja fast (insgeheim), dass mal nichts Dramatisches geschieht. Verzicht auf den immer irgendwie angestrengten Plot. Ideal des ereignislosen Romans. Hier wird das verwirklicht.
Der Stil ist natürlich großartig, auch wenn heutige Schreibschulen einiges einzuwenden hätten. Aber es wirkt, es atmet, selbst wenn es reinster Kanzleienstil ist.
Ein Lektor würde heute anfangen zu kürzen: die Mitteilung, dass der Held beim nächsten Besuch das selbe Zimmer bezieht, das ebenso reinlich ist, wie beim ersten Mal; dass sie, nachdem sie zusammen gemalt haben, das Gerät dazu wieder brav aufräumen etc. Dann aber würde er merken, dass er damit das vielleicht Entscheidende aus dem Gewebe entfernt und das mit der Vermittlung von Zeit zu tun hat: Die Schönheit des Flusses ist die Breite seines Fließens.
Einige Textstellen, hier schreibt er sehr schön und geradezu weihevoll über "die Dichter":
Ich sprach mit meinem Gastfreunde auch von den Dichtern...
»Ich habe diese Bücher gesammelt«, sagte er, »nicht als ob ich sie alle verstände; denn von manchen ist mir die Sprache vollkommen fremd; aber ich habe im Verlaufe meines Lebens gelernt, daß die Dichter, wenn sie es im rechten Sinne sind, zu den größten Wohltätern der Menschheit zu rechnen sind. Sie sind die Priester des Schönen und vermitteln als solche bei dem steten Wechsel der Ansichten über Welt, über Menschenbestimmung, über Menschenschicksal und selbst über göttliche Dinge das ewig Dauernde in uns und das allzeit Beglückende. Sie geben es uns im Gewande des Reizes, der nicht altert, der sich einfach hinstellt und nicht richten und verurteilen will. Und wenn auch alle Künste dieses Göttliche in der holden Gestalt bringen, so sind sie an einen Stoff gebunden, der diese Gestalt vermitteln muß: die Musik an den Ton und Klang, die Malerei an die Linien und die Farbe, die Bildnerkunst an den Stein, das Metall und dergleichen, die Baukunst an die großen Massen irdischer Bestandteile, sie müssen mehr oder minder mit diesem Stoffe ringen; nur die Dichtkunst hat beinahe gar keinen Stoff mehr, ihr Stoff ist der Gedanke in seiner weitesten Bedeutung, das Wort ist nicht der Stoff, es ist nur der Träger des Gedankens, wie etwa die Luft den Klang an unser Ohr führt. Die Dichtkunst ist daher die reinste und höchste unter den Künsten. Da ich nun meine, daß es so ist, wie ich sage, so habe ich die Männer, welche die Stimme der Zeiten als große in der Kunst des Dichtens bezeichnete, hier zusammengestellt. Ich habe Dichter in fremden Sprachen, die ich nicht verstand, dazu getan, wenn ich nur wußte, daß sie in der Geschichte ihres Volkes vorzüglich genannt werden, und wenn ich von einem Fachmanne das Zeugnis hatte, daß ich in dem Buche den Dichter besitze, den ich meine. Sie mögen unverstanden hier stehen oder es man wohl einer oder der andere in diesen Saal kommen, der manchen versteht und liest. Ich habe wohl auch solche Bücher hieher gestellt, die mir gefallen, das Urteil der Zeit mag anders lauten oder erst festzustellen sein. In diesen Büchern habe ich viel Glück gefunden und in dem Alter fast noch mehr als in der Jugend. Wenn auch die Jugend die Worte aus einem goldenen Munde mit einem Sturme und mit Entzücken aufnimmt, wenn sie auch dieselben mit einer Art Schwärmerei und mit Sehnsucht in dem Busen trägt, so ist es doch fast stets mehr die Wärme des eigenen Gefühles, die sie empfindet, als daß sie die fremde Weisheit und Größe in ein besonnenes, betrachtendes, abwägendes Herz aufnehmen könnte. Ihr seid selber jung, und die Tiefe und Innigkeit der Dichtung mag euch fördern und euer Herz jedem künftigen Großen öffnen, wie die reine Dichtkunst das immer an der Jugend tut; aber ihr werdet selber einmal sehen, um wie viel milder und klarer die verglühende Sonne des Alters in die Größe eines fremden Geistes leuchtet als die feurige Morgensonne der Jugend, die alles mit ihrem Glanze färbt, so wie es eine Tatsache ist, daß die innige, wahre und treue Liebe der alternden Gattin fester und dauernder beglückt als die lodernde Leidenschaft der jungen, schönen, schimmernden Braut. Die Jugend sieht in der Dichtung die eigene Unbegrenztheit und Unendlichkeit der Zukunft, diese verhüllt die Mängel und ersetzt das Abgängige. Sie dichtet in das Kunstwerk, was im eignen Herzen lebt.
Natürlich gibt es die typische Einschränkung für die Jugend:
"Daher kömmt die Erscheinung, daß Werke von bedeutend verschiedener Geltung die Jugend auf gleiche Art entzücken können, und daß Erzeugnisse höchster Größe, wenn sie keine Wiederspieglung der Jugendblüte sind, nicht erfaßt werden können. In dem Alter werden selbst solche Glanzstellen der Jugend, die schon sehr ferne liegen, wie etwa die Sehnsucht der ersten Liebe mit ihrer Dunkelheit und Grenzenlosigkeit, oder wie die holde und berauschende Seligkeit der Gegenliebe, oder die Träume künftiger Taten und künftiger Größe, der Blick in ein unendliches, erst kommendes Leben, oder wie das erste Stammeln in irgend einer Kunst, von dem Greise in dem sanften Spiegel seiner Erinnerung beglückender aufgefaßt als von dem Jünglinge, der sie in dem Brausen seines Lebens überhört, und an der grauen Wimper mag manche beseligendere und mitunter schmerzlichere Träne hängen als der feurige Funke, der in überwältigender Empfindung aus dem Auge des Jünglings springt und keine Spur hinterläßt.
Dann geht es um das "reife" Lesen:
"Ich lese jetzt selten mehr die größten Geister im Zusammenhange - mit kleineren tue ich es wohl, weil sie in einzelnen Stellen minder bedeutend sind -, aber ich lese immer in ihnen und werde wohl bis zu meinem Lebensende in ihnen lesen. Sie begleiten mich mit ihren Gedanken wie mit großen Erquickungen durch den Rest meines Lebens und werden mir wohl, wie ich ahne, an der dunkeln Pforte Kränze aufhängen, als wären sie von meinen eigenen Rosen geflochten."
Die Dichter stehen ihm auch über den Philosophen:
"Da ich von der Weisheitslehre sprach, welche man in unserem deutschen Lande noch immer als Weisheitsliebe mit dem griechischen Worte Philosophie bezeichnet, muß ich euch sagen, was ihr wohl vielleicht schon aus anderen Reden von mir gemerkt haben mögt, daß ich nicht gar sehr viel auf sie halte, wenn sie in ihrem eigenen und eigentümlichen Gewande auftritt. Ich habe alte und neue Werke derselben mit gutem Willen durchgenommen; aber ich habe mich zu viel mit der Natur abgegeben, als daß ich auf ledigliche Abhandlungen ohne gegebener Grundlage viel Gewicht legen könnte, ja sie sind mir sogar widerwärtig. Vielleicht reden wir noch ein anderes Mal von dem Gegenstande. Wenn ich je einige Weisheit gelernt habe, so habe ich sie nicht aus den eigentlichsten Weisheitsbüchern, am wenigsten aus den neuen - jetzt lese ich gar keine mehr - gelernt, sondern ich habe sie aus Dichtern genommen oder aus der Geschichte, die mir am Ende wie die gegenständlichste Dichtung vorkömmt.«
Der Gastfreund ist natürlich ein richtig satter Vielleser:
"Als ich meinen Gastfreund so reden hörte, erinnerte ich mich, daß ich ihn in der Tat viel lesen gesehen habe. Oft war er mit einem Buche unter einem schattigen Baume gesessen oder in rauherer Jahreszeit auf einer sonnigen Bank, oft hatte er sich mit einem auf einen Spaziergang begeben, er ist sehr häufig in dem Lesezimmer gewesen, und er trug Bücher in seine Arbeitsstube. Als wir die letzte Fahrt in den Sternenhof gemacht hatten, hatte er Bücher mitgenommen, und ich glaube von Gustav gehört zu haben, daß er auf jede Reise Bücher einpacke."
Kurios: Der Gastfreund berät den Erzähler. Er sei zu festgelegt, solle sich noch breiter aufstellen. Sprich: noch
mehr Muse, neue Dinge auf sich zu kommen lassen. Dabei kann man sich beim besten Willen keinen breiteren Bildungswanderer vorstellen. Aber - und da ist Stifter doch seht exakt, präziser als der Leser - im Folgenden setzt der Erzähler mit der ihm eigenen Konsequenz den Rat in die Tat um und jetzt dämmert auch dem heutigen Leser, was gemeint ist. Denn ihm fehlt Welterfahrung. Und so schließt er sich in der Stadt allerlei Kreisen und Gesellschaften an. Sehr berechnend. Es fröstelt einen manchmal bei diesem Ideal.
Nun also. Eine reine Welt, konfliktfrei bis zur Grenze der Sterilität. Es ist noch einmal so ein Fall, bei dem einer alles in sein Buch gesteckt hat.
Friday, October 29, 2010
Licht im August - William Faulkner
Jetzt also eines dieser Riesentrümmer der Weltliteratur. "Licht im August".
Die Geschichten von mehreren Menschen, die an zwei Tagen in Faulkners Jefferson kulminieren: Joe Christmas, der vermeintliche weiße Schwarze, der eine weiße Frau ermordet bzw. auf Verlangen tötet, flieht, gelyncht wird; Hightower, dessen Leben eigentümlich hängen geblieben ist, ein Geistlicher ohne Amt und Würden; Lena, eine Schwangere, die angesichts der Tragödien um sie herum völlig klar und geradlinig bleibt und einfacher immer weitergeht; und viele andere.
Eine besondere Kunst Faulkners besteht darin, dass er die Figuren nicht einfach ins Geschehen setzt, sondern ihre gesamte Geschichte entrollt, die sie mit sich schleppen wie ein Fluch.
Die Wucht des Romans kommt teils daher, teils entsteht sie durch das Biblisch-Monumentale von Sprache, Landschaft und der Motivik von Schuld, Leidenschaft und Gnade.
William Faulkner - Die Stadt
Der 2. Teil der Snopes-Trilogie. Flem zieht nach Jefferson und steigt vom Ladenbesitzer zum Kraftwerkschef, dann zum Vizepresidenten der Bank und schließlich zu deren Präsident auf. Dabei entledigt er sich nach und nach der Menschen, die ihn bei seinem Aufstieg im Weg stehen, vor allem nicht gesellschaftsfähige Familienangehörige. Das ist das Hauptmotiv. Außerdem gibt es eine Fülle von reizvollen Seitenthemen:
"Die Stadt" ist die Tragödie von Eula Varner, einer dieser besonders ephemen Frauen, deren Funktion in Geschichten meistens auf ihre Wirkung auf die handelnden Männer beschränkt ist. Doch davon emanzipiert sich Eula, indem sie sich in die Galerie der selbstmörderischen Ehefrauen der Weltliteratur einreiht.
Weiter gibt es da noch die sehr schöne Figur des Destriktanwalts Gavin. Er ist leidenschaftlich verliebt in Eula und dann in deren Tochter. Aber er lässt sich nicht davon hinreißen, sondern lebt eine menschliche Form der Liebe vor. Sehr drollig die Gespräche dort am Familientisch.
Etwas zum Aufbau. Das Buch ist zusammengewürfelt, zwei oder drei Kapitel daraus sind auch separat als Erzählungen erschienen. Das merkt man dem Buch an, aber sehr schlimm ist es nicht. Der Leim des Snopschen Ehrgeizes hält auch das Episodische zusammen. Außerdem: Gehört zur Vertrautheit mit einer bestimmten literarischen Landschaft nicht auch das Wiederhören, das wiederholte Erzählen nestimmter "Legenden"?
Die Kompositon birgt trotz des Mosaikhaften (wenn auch zersplittert) sehr Kunstvolles, wie etwa der scherzohafte Abschluss mit den wilden mexilanischen Snopes nach der Tragödie Eula Varner.
Jetzt also noch "Das Haus".
Friday, October 08, 2010
"Indessen will die Stehparty nicht enden." Die Rättin - Günter Grass
Lektürenotizen zur Rättin
80er Jahre. Müllberge, Waldsterben, Angst vor der Atomvernichtung, Punks. Ist das aber veraltet, weil so zeitgebunden? Stirbt der Wald jetzt eigentlich nicht mehr. Man würde wohl annehmen, dass nicht mehr so sehr. Mit unruhigem Gewissen.
Stark das Bemühen um Bildhaftigkeit der Prosa. Zu Lasten der Handlung? Ach, was ist Handlung? Eher auf Kosten der Figuren. Bislang ist die Ratte noch die profilierteste.
Gefühl, dass das alles ins Leere läuft, eine leitende Struktur schwer erkennbar. OK, der Erzähler ist ein neuer Johannes von Patmos, der von der ihm durch die Rättin bebilderte Appkalypse erzählt. Da wird dann wohl eine breite Chronik des Untergangs entfaltet (Zeichen, Verleugnungen, Mahnungen, Warnungen, Panik, Resignation, faktisches Untergehen). Aber was soll der Film? Was die Frauenfraktion auf dem Kahn? Hänsel und Gretel, die Überladenen Punks und Kanzlerkinder?
Bei Grass immer: die Atmosphäre des Kräftig-Deftig-Kreativen. Kartoffeln, Zwiebeln, Spätäpfel, Quark und Heringe.
Ist das Absicht: Erst waren die dressierten Labormäuse die Verursacher des Atomkriegs, dann doch die Ratten selbst, nur ein Kapitel später. Was hätten die davon?
Reich an Ideen, Mangel an Identifikation. Es muss ja jetzt nicht der Held sein. Aber etwas menschliche Nähe täte gut.
Manchmal auch sehr öde, etwa die Geburtstagsfeier. Auf Video gebanntes auf der Stelle Treten. Bei allem immer viel zu viele Figuren (keine Personen, keine Charaktere), die herumstehen. Überraschungen kommen so träge daher, wie die Schnecken, die die Wörterbücher heranschleppen.
Laut gelesen gewinnt der Text. Die Sprache eines Bildhauers: selten im Fluss, brockenweise bildhaft.
Rübezahl klaftert das Holz "wütig." Manier oder Genauigkeit?
Umständlichkeit, die anödet. Zu viele ununterscheidbare Frauen auf dem Schiff mit zu viel behängt, zu viele Geburtstagsgäste mit zu vielen Geschenken, zu viele Märchenfiguren mit zu wenig echten Aufgaben. Das muss dann in jedem Kapitel wieder bewegt, ermüdend von einer Ecke in die andere gehievt werden. Quält den Leser, der immer weiter will.
Manchmal benennt der Erzähler die Mankos des Texts selbst. Steilvorlagen für Rezensenten: "Ich träume neuerdings Wiederholungen und Varianten" oder "Indessen will die Stehparty nicht enden".
Wednesday, September 22, 2010
Die Akten des Vogelsangs
Stark und intensiv gesetzte Geschichte dreier (oder mehrerer) Leben von der Kindheit in ihrem "Block" bis zum Tod des "freiesten" unter ihnen Velten Andres.
Zwei Höhepunkte: Velten verheizt sein gesamtes irdisches Gut, nachdem alle Bindungen abgefallen sind. Dann sein eigenes Ende in der großen Leere.
Eigentlich passiert sonst nichts. Kaum erfährt man etwas über Veltens Weltreisen, gar nichts über die reich werdende Ellen, nicht viel über den zu bürgerlichen Ehren gelangenden Erzähler. Aber alles ist eine Beschwörung der Jugend und Freundschaft, der nachbarschaftlichen Gärten und der Menschlichkeit über den Gartenzaun, die wirklich nahe geht.
Tuesday, September 21, 2010
Erfolg - Leon Feuchtwanger
Tuesday, August 24, 2010
Das Spinnennetz - Joseph Roth
Ein Fragment. Wie hätte es enden können?
- Lohse steigt bis an die Spitze und wird von seinem Feind ermordet
- Lenz kostet ihn den Kopf
- Selbstmord
- Wahnsinn
- lebt friedlich, zeugt Söhne, wird fett. Dann trifft ihn der Feind wieder.
Monday, August 23, 2010
Fred Vargas - Der verbotene Ort
Das Besondere an "Der verbotene Ort": Vargas gelingt es, anregend und erfrischend über das inflationäre Vampir-Genre zu schreiben. Man erfährt dabei nicht nur weitere Details zum Thema, auch der Rahmen - Serbien, Blutfehde, Aberglaube - ist durchaus authentisch.
Saturday, July 31, 2010
Cervantes von Bruno Walter
Kleines Buch in kristallklarer Prosa. Kann mich nicht erinnern, schon einmal etwas von gleichem Fluss und Rhythmus gelesen zu haben.
Sehr sympathisch die Figurenzeichnung. Erinnerung an Penzoldt. So angenehm sind die Figuren übrigens bei Thomas Mann nie. Bei den Buddenbrooks, Castorp, auch beim Joseph schwebt ist immer so eine Selbstverliebtheit mit, die es einen schwer macht, ihnen rückhaltlos zu verfallen.
Gekauft gebraucht über Amazon, die Seiten schon so brüchig, dass man sie vorsichtig wenden muss.
rororo Nr. 70. Ganz früher Planet des wunderbaren Rowolt-Universums. Kannte mal jemanden, dessen Ehrgeiz es war, hier bei den frühen komplett zu sein bis 200.
Ich habe immerhin 5, 15, 35, 59, 64, 150, 170. Und viele höhere Nummern.
Man kann sicherlich Unchamanteres sammeln.
Friday, July 30, 2010
Faserland - Christian Kracht
Melancholie- und alkoholgetränkte Deutschlandreise von Westerland bis Thomas Manns Grab. Sound und Milieau ähnlich E.B. Ellis. Länge genau richtig. Sehr guter Schluss. Überhaupt formal und stilistisch weit über dem hierzulande Üblichen.
Tuesday, July 27, 2010
Deine Augen hat der Tod
Themen: Literatur, Parallelidentitäten, Tod, angeborene Einsamkeit.
Alles von Sallis besorgen.
Wednesday, July 21, 2010
Abgebrochenes
LITERATENSPIELE
Drei renomierte Autoren geben Schreibseminar auf dem Land. Sie beharken sich oder springen zusammen in die Kiste. Die Auseinandersetzungen ändern das Bild, das sie sich von ihrem Beruf und dem damit verbundenen Dasein gemacht haben.
Nettes kleines Lustspiel. So was Unbeschwertes findet man hier selten.
Thursday, July 01, 2010
Maues Lesejahr
- Der Idiot (neuübversetzt von der Geyer) - auch nicht mehr sp packend, wie beim ersten Mal. So geht es mir mit allen Dostojewski-Sachen. Ist ein bissl wie bei Hesse. Mit zunehmenden Alter wird man tolstoianischer.
- Der Mann ohne Eigenschaften - zur Hälfte, als Lesung von Berger. Stilistisch sehr interessant. Inhaltlich - naja, vieles ist halt schon Welt von gestern.
- Holzfällen - Thomas Bernhard ist immer eine mentale Reinigung
Saturday, May 08, 2010
Regenkatze - Sarah Kirsch
Saturday, May 01, 2010
Verratene Vermächtnisse - Milan Kundera
Kundera hat eine eigene, sehr eingängige Theorie des Romans entwickelt. Irgendwo zwischen Philosophie und Psychologie verortet, dienen Romane dazu, eine menschliche Seinsmöglichkeit zu entdecken, der sich die Menschheit zuvor noch nicht bewusst war. Daher stellt er die Phänomonologie über die Narration.
Aber diese Theorie steht in diesem Buch weniger im Vordergrund. Hier prangert Kundera den vielfachen Verrat an, den die (Nach-)Welt an den großen Künstlern verübt. Paradebeispiel: Max Brods Weigerung, dem letzten Willen Kafkas Folge zu leisten. Der Grundgedanke: Die Überlebenden verändern den Urtext, die Urpartitur, ja ganze Lebensentwürfe der Künstler, um sie einem vielfach banalerem Schema einzupassen. So etwa Brod in seinem Schlüsselroman über Kafka.
Weitere Beispiele: Die Vereinfachung Janaceks und Strawinskis durch Zeitgenossen oder die Verhunzung einer Hemingway-Story durch die wissenschaftliche "Interpretation."
Das Gute an dem Buch:
- Alles ist sehr eingängig und leicht, obwohl es sich um "pure" Theorie handelt.
- Kundera ist jemand, der die Welt und ihre vorgeblichen Wahrheiten immer wieder in Frage stellt und dadurch sehr viel Überraschendes ans Licht bringt.
Als nächstes werde ich den "Vorhang" wieder vornehmen.