Friday, February 20, 2009

Abgefahren: Driver von James Sallis

Der Krimi des Jahres 2007. Ein Profi-Fahrer für Stunts und mittelschwere Überfälle gerät wegen eines dumm gelaufenen Jobs auf die Abschussliste der Mafia. Allerdings beißt die sich dann die Zähne an Driver aus.

Der kurze Roman ist in einer Art "Rondo-Schnitt" erzählt: Ganze Szenen wiederholen sich fast wortwörtlich, biografische Rückblicke werden scharf in den Gang der rasanten Handlung geschnitten. Das ergibt einen sehr schönen, melancholischen Sound.

Obwohl das Buch extrem kurz ist - man kann es locker an einem Abend lesen - blättert sich da doch ein Leben als Ganzes auf. Sehr gelungen. Höhepunkt ist das Gespräch zwischen Driver und dem verbleibenden Obermafiosi, das mit wenigen Zeilen einige hundert Zeilen Sartre in den Schatten stellt. Driver als jemand, der sich völlig autonom selbst erfindet. Er ist Fahrer - nicht mehr und nicht weniger - als Person völlig im Einklang mit seiner Funktion. Das dieser Einklang nicht gestört wird, ist auch die Bedingung für jeden Job, den er annimmt. Erst als das nicht mehr stimmt, laufen die Dinge aus dem Ruder.

Der Schluss lässt auf eine Serie hoffen. Fast klingt da eine Art verquerer Märchenton an. Hier ist etwas, was man von diesen amerikanischen hard boileds gar nicht kennt: Romantische Ironie.

Thursday, February 19, 2009

Rabbit , eine Rückkehr


Man sollte eigentlich immer ein Updike-Buch lesen. Nichts schärft den Blick auf den Alltag so sehr, wie diese Prosa.

Rabbits Rückkehr also. Nun ja, aus dem Grab steht er nicht auf. Aber seine Tochter steht plötzlich vor der Tür seiner Witwe und bringt einiges durcheinander. Eigentliche Hauptperson ist aber Nelson, mittlerweile über 40. Der kann leider seinem Vater als literarische Figur nicht ganz das Wasser reichen, daher ist der Roman wohl auch relativ dünn. Eine Art Reprise.

Was sehr interessant und gut ist:
  • wie immer die Details bei Updike und der Stil. Die Kunst, feine Seelenregungen aufzuspüren und ins Bild zu bringen
  • der Zeitbezug - das Ganze spielt am Vorabend der Milleniumsfeier, man entdeckt vieles wieder, wie etwa die Angst vor Y2K oder die Suche nach einem geeigneten Ort für die Feier
  • dass nichts geschieht und doch unglaublich viel
  • dass alles nach Rabbit schäbiger, deprimierender geworden ist

weniger überzeugend:
  • manche Ausbrüche der Figuren. Stiefvater Ronnie beleidigt die Rabbit-Tochter so hundsgemein, dass danach eigentlich alle menschlichen Brücken zw. ihr und den Hanssons völlig hinüber sein müssten. Sind sie aber nicht.
  • zu viel Straßen-Topografie

Aber: Updike bleibt Updike. Schade, schade, dass es jetzt definitiv nicht mehr weitergehen kann mit den Rabbits.

Tuesday, February 17, 2009

Der Fledermausmann


Warum aus der Masse gerade dieses Buch von einem Jo Nesbø? Es hätte jedes andere sein können. Eigentlich hatte es sogar schlechtere Chancen, weil wir nicht sonderlich an Australien interessiert sind.

Also, wie war es? Zuerst haben wir von Nesbø gehört in der Krimicouch anlässlich seines neuen Romans Der Schneemann. Dann standen wir im Hugendubel vor dem Krimiregal und blätterten in einigen Büchern. Das Cover eher mäßig, das Ganze uns eigentlich zu lange und zu fern (Australien, Ureinwohner, Norweger). Gekauft haben wir es dann aber ganz schnell am Bahnhof, wahrscheinlich, weil uns das Motiv mit der Fledermaus interessierte (das dann etwas lieblos behandelt wird, aber es gibt Entschädigung.) 

Wir haben dann erst das Poe-Buch fertig, dann das 400-Seiten Buch in zwei Tagen gelesen. Und es hat Spaß gemacht: Der Held ist gut gezeichnet (wie man so sagt), er hat eine echte, gravierende Schwäche (er ist Alkoholiker, kein trockener), es gibt eine recht passable Liebesgeschichte, die alles andere als gut ausgeht, es gibt starke Nebenfiguren usw. 

Aber was mir besonders gut gefallen hat: Der Mann interessiert sich für andere Leute. So lernt er zum Beispiel einen Alkoholiker im Hyde Park kennen, mit dem er sich am Ende anfreundet und irgendwie helfen sie sich gegenseitig durch pure Menschlichkeit. Außerdem steckt in dem Finale ein solches Maß an Verzweiflung und Trostlosigkeit, dass man ganz wie der Held einfach nicht die Augen aufmachen kann. Und nicht zuletzt sind da die eingeflochtenen Mythen und deren Mitschwingen in der Romanhandlung.


Kein Rabe so schwarz






Eine dieser schönen Geschichten über Literatur, eingepackt in eine starke historische Kulisse. Es geht um E. A. Poe und seine Erzählung über den Mord an dem Zigarettenmädchen Mary Rogers. Der Plot: Der alte, moralisch blitzblanke, angenehm biedere High Constabler Hayes verdächtigt den Dichter, etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Er stellt ihm nach und entdeckt so Einiges.


Und auch der Leser erfährt so Einiges:
  • wie ein Colt funktioniert und wie die Idee wirtschaftlich eingeschlagen hat
  • wie die New Yorker Polizei, über die wir schon so viele Filme gesehen haben, in den 1840er Jahre organisiert war (nämlich kaum)
  • wie es in den Tombs - dem Schwerverbrecherknast - ausgesehen hat
  • welche Verleger zu Lebzeiten Poes den Ton angegeben haben
  • wie das damals mit dem Copyright war (es gab keines, angeblich, damit sich auch die breite Masse Bücher leisten kann
  • über den Journalismus damals (Skandale! Auflage! Schrecklicher Schwulst!)
  • was man an einem gemütlichen Feierabend aß
  • wie die Gangs of New York organisiert waren (besser als die Polizei)
  • und vieles mehr

Es gibt ja so Leute, die eine recht puristische Literaturauffassung haben und zu viel Wissen in Büchern verachten. Wir nicht. Wir stecken die Gratistaler gerne ein.

Das einzige was stört: Einige Zitate, vor allem Poes, sind nicht sehr gut verkittet. Joel Rosel zwängt da einiges an Blumen und Sträuße in die normalen Dialoge. Da beißt sich Manches. Aber, was soll's, das ist kein Nobelpreisbuch, sondern: ein echter Schmöker im besten Sinne des Wortes.




Thursday, February 12, 2009

Classico Banalo

Heute im Hugendubel:
"Wissen Sie, wo eigentlich der Unterschied zwischen Faust I und Faust II ist?"
"Tut mir Leid, mit Faust habe ich mich nie beschäftigt. Der eine ist länger, würd ich sagen."
"Wirklich, tolle Dialoge, sollten Sie mal lesen. Aber sagen Sie mal: Wer hat denn jetzt eigentlich den Erlkönig geschrieben?"
"Puh, da muss ich Ihnen leider sagen, das ist nicht so mein Schwerpunktgebiet."
"Ich würde nur gerne wissen, ob es den auch als Reclam-Heftchen gibt. Eventuell auch als Prosa, wenn es sein muss."
"Da bin ich jetzt überfragt."

Leise und errötend flüchtet sich der zufällige Passant aus der Buchhandlung.

Sunday, February 08, 2009

Das Glück der anderen

Eine Kleinstadt in Amerika nach dem Bürgerkrieg. Jakob Hanson, Scheriff, Leichenbestatter und Prediger in einer Person kämpft gegen die Diphterie und eine Feuersbrunst. Und dagegen, seinen Glauben zu verlieren.

Die Mensch und Tier sterben buchstäblich wie die Fliegen. Das, was mal bürgerliche Ordnung hieß, löst sich an allen Ecken auf, die Vernichtung ist total.

Und mitten in der Hölle, verzweifelte Gesten wie diese:

Die Straße ist voller Wagenspuren und in der Asche liegt ein plattgedrückter Vogelkäfig, in dem sich ein Kanarienvogel noch immer seitlich an seine Stange klammert. Du hebst das verbogene Ding auf und der Vogel flattert und schlägt mit den Flügeln. Mit dem Messer drückst du die Gitterstäbe auseinander, lässt den Vogel frei und wirfst den Käfig weg.

Während dessen verwesen rings um die Leichen seiner Mitbewohner, seiner Freunde, seiner Frau, seiner Tochter. Er arbeitet gegen das Chaos an, nahezu beharrlich, bis zum Schluss.

Der Kniff mit dem Du-Erzähler gibt dem Ganzen eine ganz eigene Dichte, einen Sound, der dem Leser lange nicht mehr aus dem Kopf geht.

Der Schluss ist von einer solchen Trostlosigkeit, dass man sich unter einem großen, schützenden Flügel verkriechen will.

Bislang das Beste in der Reihe hervorragender Stewart O'Nan-Bücher, die du in rascher Folge gelesen hast, als fändest du hier eine Art Neues Testament.

Evil Jack Ketchum

Zwei Waisenmädchen, eine abartige Stiefmutter, grausam-normale Kinder, ein self-made Atombunker im Keller. Und ein Junge, der zu lange zuschaut, bis er etwas tut.

Das eigentlich Interessante an dem (wirklich sehr spannendem Buch): Ab wann wird man selbst schuldig, wann ist die Grenze überschritten? Und: Warum liest man weiter? Weil man unbedingt wissen will, wie es endet, oder aus Faszination an der Grausamkeit, der auch die Kinder in dem Buch erliegen. 

Das ganze ist so unglaublich grausam, dass man es wirklich nicht weiter lesen will, ohne aufhören zu können. Damit erfährt man als Leser eine ganz, ganz leichte Ahnung dessen, was in den Tätern vorgegangen ist.

Und es gibt auch eine ganz klare, einfache Botschaft: Das Böse passiert, jeden Tag, in deiner Nachbarschaft. Wenn du die Augen davor verschließt, machst du dich schuldig. Wenn du nicht zuhörst, machst du dich schuldig. Wenn du das Radio aufdrehst, um den Hilferuf zu überhören, machst du dich schuldig. 

Wenn du nicht wachsam bist, übertrittst du die Linie. 

Thursday, February 05, 2009

Herde bei Eichenau

Dank eines Selbstmörders machen wir heute Bekanntschaft mit Eichenau. Eichenau Nord. Der Ortsname klingt nach einer alten KZ-Stätte.
Hier gibt es nichts. Nur Parkplätze für Pendler wie wir.
Derzeit ist der Schienenverkehr zwischen Fürstenfeldbruck und Passing gesperrt. Es herrscht Schienenersatzverkehr.
Der Schienenersatzverkehr besteht aus drei Bussen, die im Abstand von halben Stunden anzuckeln. Drinnen kleben die Pendler, die sie an den Stationen vor Eichenau eingepackt haben, wie Insekten an den Scheiben. Jeder Bus wird von hundertstimmigen Gelächter empfangen. Keine Chance, der Schienenersatzverkehr ist eine Niete.
Es ist kalt. Nach zwei Stunden noch kälter.
Die Gelegenheit wäre günstig, aber wir wollen nichts wissen über Eichenau. Oder Olching, wohin sich einige Verzweifelte fahren lassen, nur um irgendwie weiter zu kommen.
Mobiltelefone klingeln, Bahnentschuldigungen werden repetiert. Jaja, ist schon gut.
Auf der Glasabdeckung der Haltestelle entdeckt jemand einen Fußball, aber niemand klettert hinauf, um ihn zu holen. So fällt auch die erste Fußballpendlermeisterschaft aus.
Eichenau bringt es einfach nicht.
Irgendwann steht dann doch auf der Anzeigetafel, dass die nächste S-Bahn in sieben Minuten kommt. Als ob nichts passiert wäre.
Irgendwo weiter vorne tragen sie jetzt wahrscheinlich eine Zinkwanne weg. Ein Lokführer wird beim psychosozialen Dienst angemeldet. Für heute hat er frei.
Wir nicht. Der Zug kommt tatsächlich. Wir zwängen uns hinein.
Wir sind die Herde.

Wednesday, February 04, 2009

Gott nervt in der Zigarettenpause

Diese noch, denkt er sich, als er die Zigarette anzündet. Da steht er dann mit den anderen Verbannten. (Wenigstens weiß er jetzt, wo er hin gehört.)

Eine Frau schleicht sich an ihn heran und hält ihn ein Heftchen unter die Nase. Darauf zu sehen: Ein gemalter Turm im Hintergrund, vorne ein ein blondes Jüngelchen, den Arm um die Mähne eines Löwen geschlungen. Blonde Bestie, denkt er.

"Ich würde gerne mit Ihnen über Gott reden."

"Danke, nein."

Er wirft die Kippe weg und hat es auf einmal eilig, muss zum Zug, zum Abendessen, zu Frau und Kind, zu den E-Mails, die inzwischen angekommen sind. Von Gott wird keines dabei sein, da ist er sicher.

Eines weniger, das er abarbeiten muss.

Halloween

Eine Clique von Jugendlichen, die in der Halloween-Nacht mit dem Auto gegen einen Baum fahren. Drei von ihnen sterben, teilweise schrecklich entstellt. Einer - früher einer coolsten - wird auf den Entwicklungsstand eines Vierjährigen zurückgeworfen. Der einzig wirklich Überlebende führt nur mehr ein Schattenddasein auf den Tag hin, wo er den anderen nachfolgt. Und dann ist da noch der Polizist, der dabei war, verwickelt, selbst schuldig, seit dem Tag hoffnungslos aus der Bahn geworfen.

Sie alle treffen sich wieder, die Lebenden und die Toten, an ihrem Jahrestag. Und bringen die Geschichte zu Ende.

Das ist so ein Roman, bei dessen Lektüre einem der Gedanke kommt, dass man genau so eine Geschichte schon immer mal lesen wollte. Vielleicht weil sie viel mit der melodramatischen Vorstellung zu tun hat, bei seinem eigenen Begräbnis Beobachter zu spielen oder als Geist durch die Straßen und Orte seines verlorenen Lebens zu ziehen und den Menschen nahe zu sein, die übrig geblieben sind (und die einen rufen).

Stewart O'Nan, dessen Bücher zu lieben wir beschlossen haben, schreibt so was. Unverwechselbar, echt, an die Nieren gehend.

Tuesday, February 03, 2009

Bettler, Kassiererin und schwarzer Rover – erste Variation

Er bezieht jeden Tag seinen Posten auf einer hochkant gestellten Obstkiste, sein batteriebetriebener Radio spielt irgendeinen Kultursender, sein Hund liegt auf einer haarigen Baumwolldecke mit Blümchenmuster. Meist liest der Mann in einem stockfleckigen Taschenbuch. Wenn eine Münze in den Blechnapf fällt, lächelt er höflich und bedankt sich würdevoll.

Im Supermarkt direkt hinter ihm seufzt eine junge Kassiererin jedesmal auf, wenn ein Kunde aus dem Billig-DVD-Ständer Shakespeare in Love auswählt.

Im Halteverbot vor dem Eingang parkt ein schwarzer Landrover. Eine Golfzeitschrift liegt auf dem Beifahrersitz; darunter klingelt ein Handy.

Der Himmel fährt eine Flotte Wolken auf. Ein Kassenzettel flattert auf, kommt kurz vor den neugierigen Augen des Hundes zur Ruhe, wird erneut in die Luft gewirbelt und verschwindet.

In der Ferne rollen Donner.

Der Mann auf der Obstkiste schlägt den Mantelkragen hoch. Die Kassiererin ruft nach der Stornokarte. Der schwarze Rover ist verschwunden.

Monday, February 02, 2009

Nachtrag: Philip Pullman

Die Lektüre von Philip Pullmans Goldenem Kompass habe ich unterschlagen. Las die ersten beiden Bände mit großem Vergnügen und wollte gleich an den Dritten, was ich aber dann aus irgendeinem Grund nicht getan habe und schon war das Momentum beim Teufel. Ging mir also ganz genau wie bei dieser Kai Maier-Sache mit der Fließenden Königin.

Jedenfalls war der Eindruck stark. Die Engländer haben die Sache mit den Mythen einfach drauf.

Updike

Seit einer Woche dreht sich die Welt ohne John Updike. Dass da jetzt nichts mehr kommen wird ist irgendwie unfassbar.
Ich kann mich noch ganz deutlich daran erinnern, dass ich letztes Jahr einmal den Gedanken hatte: Du wirst wahrscheinlich erleben, dass John Updike stirbt. Und: Er wird von allen der größte Verlust sein.
Und schon ist es passiert.

Mein erstes Updike-Buch war Henry Bech, immer noch ein wunderbarer Einstieg. Dann kamen die Rabbit-Romane und seit dem jedes Jahr mindestens ein Updike-Buch: Der liebe Gott und die Wilmots, Ehepaare, Das Gottesprogramm, Getrude und Claudius, Terrorist, Sucht mein Angesicht, Kurzgeschichten in Mengen, mehr Bech-Geschichten, Selbstbewusstsein, Brasilien, Erinnerungen an die Zeit unter Ford, Rabbit in Ruhe.

Jetzt gilt es, wirtschaftlich mit den Büchern umzugehen, die noch im Regal stehen:
Landleben
Auf der Farm
Am Ende der Zeit
Etwa 120 Essays
Viele Kurzgeschichten
S.
Der Sonntagsmonat
Golfträume
Der Weg zu zweit

Aber man kann seine Sachen ja auch immer wieder lesen. Den vierten Rabbit-Roman habe ich zum Beispiel zwei mal gelesen, eine Wucht von einem Buch, eine literarische Bilderflut.

Die Welt ohne Updike also. Sie ist nun ärmer um eine der genausten und schönsten Sichten auf sich selbst .

Friday, January 30, 2009

Stewart o'Nan - Eine Entdeckung 1

Das Buch hat ein Gast in unserem Gästezimmer vergessen. Als ich letzte Woche grippebedingt dorthin ausgelagter wurde, griff ich danach und las es durch.

So wünscht man sich Bücher: Realistisch, echte Personen, deren Bewusstsein mit spitzer Feder transkribiert, ein wenig Spannung und Action, jedoch nicht zu viel. Und jede Menge davon, was man dilletantisch "poertische Stimmung" nennen mag und die irgendwie mit Abend, leeren Häusern, ersten LIeben, Trennungen, Wäldern & Seen und Engelskonterfeis im Schnee zu tun haben.

Abendland fertig

Doch ein großer Roman, wie man sagt. GRoß im Sinne von lang, aber auch im Sinne der Themenvielfalt. Kompositionsprinzip Jazz.
Schön auch, dass sich da einer getraut hat, an der "hehren" Tradition weiterzuspinnen, also noch mal den ganzen alten Künstler-MUsiker-Abendland-Nietzsche-Verhängnis-Vernunft-&-Untergangs-Monoliten den Berg hoch geschoben hat.

Thursday, January 15, 2009

Die Spur des Teufels

Großartiges Buch. So muss eine Geschichte sein, der ich gerne folge. Verzicht auf große Effekte, Stimmung, Einzelgänger auf der Suche nach Anschluss. Düsternis.

Hermann Lenz - Herbstlicht

Habe es in der Tasche. Ein Vademekum für die düsteren Zeiten. Bieder, aber der Ton wirkt so beruhigend.

Das Dritte Reich und die Juden

Auf jeder Seite erschütternd, beklemmend und interessant.

Abendland

Lese es wie eine Serie. Wie bei vielen sogenannten großen Romanen beschleicht einen hin und wieder Lesemüdigkeit.

Aber der Titel verspricht nicht zu viel. Es geht wirklich quer durchs Abendland. In Ausschnitten natürlich: K & K, Nazis, Rote Armee Fraktion, Schwar & Weiß in Amerika, Musikgeschichte, Studenten, Wien, Sonderlinge der Provinz...

Thursday, November 13, 2008

Der Umfang der Hölle

Man denkt dauernd: Musil. Die Abschweifungen, die Mini-Essays, die genüssliche Unterbrechung der Handlung.

Das kann einen einmal mehr zu grundsätzlichen Überlegungen zur Gattung führen. Damit ist gleich mal ein angenehmer Effekt des Buches bezeichnet: Es stimuliert das Denk-Lust-Zentrum.

Also, soll das ein Roman? Soll der Erzähler freigiebig mit allen möglichen Gedanken frei heraus gehen? Die Antwort: Ja, wenn die Gedanken mindestens so interessant wie die Handlung sind.

Bei Steinfest hält sich das schön die Waage. Bei Musil auch?

Abendland

Ein schönes, schweres Buch. Eines von diesen guten alten Werken, voller Schweiß, Philosophie, Humansimus und Langeweile. Aber was ist ein Roman? Ein Guckkasten, vor dem man verweilt. Lange verweilt.

Bin auf Seite 100. 

Saturday, November 01, 2008

Amsterdam

Das Begräbnis einer Frau, zwei Freunde, ein Komponist und ein Chefredakteur, die beide die Frau geliebt haben und jetzt ein Restleben leben, das kurz ist und nach kurzer Zeit scheitert.

Man liest das Büchlein an einem Abend, klappt es zu und freut sich, weil die Wahl einen nicht enttäuscht hat. 

All die schönen Pferd

Oft sitzt man ja nicht mit einem Pferdebuch im Zug. Der Titel erinnert schon stark an Hanni und Nanni. Aber das ist das einzige, was mir an dem Buch missfällt. Auch wenn es mir sonst nicht gefällt, wenn Umgangssprache zu wörtlich in den Dialogen widergegeben wird. Jau, sis so. Aber daran gewöhnt man sich und fragt sich nach einer Weile, wie es sonst klingen würde und dann fragt man sich das auch nicht mehr sondern liest einfach mal weiter.

Ein Pferdebuch und ein Western, fast klassisch. Junge Ausreißer auf Abenteuern in Mexiko, betrinken sich, verlieren ein Pferd, holen es sich zurück, gelten von nun an als Pferdediebe, arbeiten auf einer Farm, arbeiten sich hoch, verlieben sich in die schöne Tochter des Ranchers, erleben heiße Liebesnächte, reiten durch unglaubliche Landschaften, gehen ins Gefängnis, überleben die Messerstechereien dort nur knapp, sind machtlos, als ein Freund erschossen wird, versuchen es noch einmal bei der Ranchertochter und verlieren sie, rächen sich, lassen Gnade walten, kehren nachhause, müssen sich vor Gericht verantworten, werden freigesprochen und enden wahrscheinlich als entfremdete Erdölrafineriearbeiter.

Der Held, John Grady, besticht durch stupende Gradlinigkeit. Die Landschaft ist atemberaubend, von mystischen Blitzen durchwettert, die Handlung spannend, alles ist unglaublich reich an Details, Leuten die herumsitzen, grüßen oder nicht grüßen und sofort wieder in die Bedeutungslosigkeit versinken.

Ein großer Autor. Ein amerikanischer Autor bis hin zu den Rosshaaren auf der Cowboyhose und den Schatten des Huts über den Augen.

Monday, October 13, 2008

der historiker

geht gut los. aber dann wirkt doch das gane gemacht und ungeschickt. das geschichtliche ist aber interessant.

Hiob

In einem Zug. großartige sprache. verben,verben,verben. Joseph Roth, der heilige Trinker.

Jedermann

Roth
wie immmer herausragend.

Leben heißt sterben lernen.

du kannst es nicht ändern. sei tapfer.

duma key

doch manchmal sehr gelangweilt. viel, viel zu lang.

Friday, September 12, 2008

Schweigeminute

Hatte ja keine große Erwartung, warum eigentlich nicht? Vielleicht, weil in der Presse schon so viel über das Buch gelesen habe.

Gestern abend habe ich mich hingesetzt und auf einmal war ich durch. Da stimmt einfach alles. Wie kaum ein anderes Buch trifft es mit fast jedem Wort und jeder Szene die Ideallinie.

127 leichte Seiten, die schwerer wiegen, als die letzten zehn Jahre Grass.

Monday, September 08, 2008

Schall und Wahn

Ein besonderes Buch, das man nicht gleich versteht, vor allem die ersten beiden Seiten. Faulkner hat ja im INterview auf die Frage, was man denn machen solle, wenn man das Buch nach drei Mal lesen noch nicht verstanden habe, geantwortet, ein viertes Mal lesen.

Brauch ich noch zwei Mal.

Das Wetter vor 15 Jahren

Eine vielleicht nur auf den ersten BLick brillante Idee. Dann setzt doch etwas öde ein. Vor allem die Figuren scheinen mäßig interessant. Und die Geschichte, naja. Das Salz an der Sache ist die Zuspitzung und die Interviewsituationskomik.

Duma Key

Stephen KIng mal wieder. Järhlich mindestns einmal. Jetzt auf Englisch. Lässt sich ganz gut an. Mich beschleicht jedoch der Verdacht, dass es ein bissl auf der Stelle tritt. Ist ein wenig wie bei Metallica, wo man es hört, dass Hatfield ein trockener Alkoholoiker ist. Nicht dass die Sachen schlecht wären. Aber fehlen irgendwie die glasigen Augen.

Kavalier & Clay

Das ist ein Roman, der vie Spaß macht, wenn man dabei bleibt. Vor allem sehr schön: die Schilderung der kreativen Arbeit an den Comics. VOr allem die Figuren machen es: Joe, Sam, Rosa und klasse Nebenfiguren.

Saturday, August 23, 2008

August-Lektüre

Faulkner -The sound & Fury
Eine Rose für Emily
Sherlock Holmes - A study in scarlet
Duma Key
Das Wetter vor 15 Jahren
Faulkner Biografie

Arthur & George

Toll. Ganz auf Englisch.

Thursday, July 31, 2008

Ulysses

Immer mal wieder hervor ziehen. Wie eine Handwerksanleitung, wo alle möglichen Themen vorkommen.

Faulkner

Versunken im Faulkner-Land:

- Rose für Emily, teilweise amtemberaubende Geschichten, Haare zum Beispiel
- Leben des William Faulkner - ohne Worte, Leib & Leben-Literatur

Ein eigenen literarischen Bezirk kartographieren, wie er's mit seinem Yoknapatawpha County, schwebt mir mit Bork vor.
Schreibpensum: Den Schluss von Sartoris hat er quasi an einem Tag runtergefetzt, 10.000 Wörter, das ist wohl maximale Spitze, will das auch mal versuchen. HAt man auf einen Schlag schon ein Fünftel bis ein Zehntel eines Romans. Simenon muss ähnlich verfahren sein.

Eindruck großer Energie, die hiervon ausgeht. Bewahren.

Thursday, July 10, 2008

Juli-Lektüren: Barnes, Ford, Chabon, Kafka

Arthur & George. sehr schön, sehr episch, wie sich die beiden Leben da entrollen.

Lay of the Land: Schon beim ersten Satz epische Wucht.

Kavalier & Clay: GAnz großer, reicher Erzähler. Cinematoskop-Roman.

Das Schloss: Kafka JUbiläum. Von Mattes zelebriert.

Tadellöser & Wolff

Am Anfang etwas verhalten, aber wenn man mal im Rythmus ist, dann kommt es recht gut. Mag die Kaleidoskoptechnik.

Monday, June 16, 2008

Auch noch gegenwärtig

- Faustus Hörspiel - höre das so nebenbei. Kenne ja schon alles auswendig. Wie früher Pumuckel oder ???
- Breloers Mann-Verfilmung. Immer mal wieder. Bei Kater.
- Die Gabe. Nabokov als stilistisches Korrektiv für alles: das Schreiben, die Welt.
- Ortheil: Wie Romane entstehen. Das beste Buch über den kreativen Schreibprozess, das ich bislang in den Fingern gehabt habe.

Kempowski

Zwei Sachen:
- Tadellöser
- Sirius (?)

Ganz angetan von der Machart - das ist Authentizität. Wie sich das aus lauter kleinen Stücken zusammensetzt, das macht großen Spaß. Ich bin immer wieder ganz überrascht, wie leicht man in dieses Buch abtaucht. Die Figuren mit einigen wenigen ganz klaren Linien voll präsent. Anfangs dachte ich, dass sich da gar keine Handlung einstellen will. Tut es aber, alles entwickelt sich, ist im Fluss, ganz unvermerkt.

Die Tagebücher: So was will man immer auf Vorrat haben. Seltsam, denn was da aus diesen BÜchern zu einem spricht ist, man kann es kaum anders sagen - Trost.

Und man will dabei gar nicht fragen wofür und für was.

Faustinas Küsse

Hat streckenweise Spaß gemacht, vor allem Rom ist sehr präsent, man möchte sich am liebsten selbst in diese Straßen stürzen. Die Geschichte ist leicht und witzig und irgendwie auf angenehme Art unverbindlich.

Sobald ich eine Machart erlannt habe, verliert sich jedoch mein Interesse - ein wenig.
Blöd der Klappentext: Das sollte der Leser nun wirklich nicht wissen, dass sich Goethe die Freundin des Helden schnappt.

Ortheil ist jedenfalls vorgemerkt, wenn gleich ich wohl die historischen Sachen weniger lesen will.

Monday, June 02, 2008

hettche - Woraus wir gemacht sind

Ein Amerika-Buch mit sehr schönen Stellen. Allerdings im Vergleich zu Arbogast etwas künstlich. Warum der Held zum Beipsiel im Zentrum des Buches dermaßen versackt, ist schwer nachzuvollziehen. Dann stellt er sich auch mehrmals ziemlich tölpelhaft an, wenn es ans Verhandeln mit den Erpressern geht. Der ganze Thriller-Plot, naja. Immer diese umständlichen Erklärungen am Schluss. Kann da nicht einfach ein letzter Baustein gesetzt werden?

Dennoch: Reichtum an Orten, Stimmungen und einige Erkenntnissen. Liebe ist kein Gefühl.

Thursday, May 29, 2008

Draesner, Zeh, Beef,

1 einige Highlights, wenige lowlights
2 macht spaß, eine gern gehörte stimme
3. satire halt

Wednesday, May 21, 2008

Der Bibliothekar

Stellenweise grandios, dann wieder zieht man nicht recht mit. Glanzstück vielleicht die Szene, in der Kolbe seine Mutter in Tübingen besucht. Existentielle Einsamkeit.

Helle Tage

Wieder so ein scheinbar leichtes, dabei sehr unterhaltsames Buch. Cumminghams Kniff ist das Triptichon. Hier wird ein Thema mit einer bestimmten Firgurenkonstellation in drei verschiedenen Epochen variiert. Dabei geht es immer um die Liebe zwischen einem Jungen, der in irgendeiner Form missbildet ist, und einer Frau, die anfängt, nicht mehr ganz jung zu sein: Die erste Episode spielt während der Industrialisierung in New York, die zweite irgendwann nach 9/11 und dir dritte in einer Blade Runner-Welt. Die Namen und eine Porzellanschale wandern dabei durch alle drei Geschichten.
Toll und dabei ganz leicht und locker flockig.
Übrigens von Eva Mattes sehr schön gelesen, wie immer, möchte man sagen, weil sie sich ganz zurück nimmt und dabei die Geschichte mit ihren Bildern wie zerbrechliche Seifenblasen im Raum entstehen lässt.

Tuesday, May 13, 2008

Magisches Jahr

seelenerkundungsprosa der besten sorte.

arbogast

großartig. einer der packendsten romane der letzten jahre. was herauskommt, wenn ein guter schriftstewller den richtigen stoff findet.

Wednesday, April 30, 2008

Friday, March 28, 2008

Lunar Park

Der erste Teil über seinen Absturz war ganz gut, dann wurde es immer mauer. Spannend und neu ist der radikale autobiografische Einstieg in eine Horrorgeschichte a la King. Der Horrorplott scheint aber ein wenig leer zu drehen. Man weiß nicht, welcher Dämon jetzt aus welchem Geist entstiegenist, welcher besiegt wurde und welcher nicht und auch auch die Geschichte mit dem Sohn endet nicht überzeugend.

Der Vorleser ist recht gut. Für ihn hätte das Buch noch eine Spur besser sein können.

Wednesday, March 12, 2008

Hamlet

Shakespeare-Lust mal wieder.
Ünerhaupt Lust auf Klassiker, was wohl bedeutet: auf der sicheren Seite sein. Alle Gegenwartsliteratur scheint mir beliebig bis langweilig.

Böse Geister - Dostojewski

Dostojewski also mal wieder.
Es ist, wie bei diesen sonderbaren grauen Lebewesen, die einem geheimnisvollen Ruf folgen, sich von Zeit zu Zeit zu den Quellen ihrer Existenz zurückzubewegen. In Krisenzeiten. Bei Sinnsucherein. Hoffnungslosen Liebschaften, bilanzierenden Selbstabschaffungsplänen.

Ich erinnere mich, dass schon bei nder ersten Lektüre der Aufstieg arg flach war. Das liegt wohl daran, dass ich ja die Pointe der ersten 300 Seiten schon kenne (nämlich dass Nicolai mit einer geistig Zurückgebliebenen, Lahmen seine Spielchen treibt, oder wie man das auch immer nennen will.)
Auch das Schmunzeln über Stepan ist geblieben.
Ein Wort zur Neuübersetzung: Es ist alles viel klarer und prägnanter. Der Unterschied zwischen einer 50er Jahre Schmonzette und, na und was? Film noire passt ja bei der Geschwätzigkeit der Dostojewski-Romane schlecht.
Vielleicht fällt mir im laufe der Lektüre ja noch ein vergelich mit einem Filmgenre ein.

Saturday, February 09, 2008

hp7 rufus beck

Wirklich großartig. Als er sich auf den Weg zur Selbstaufopferung macht wieder geradezu anhaltende Gänsehaut. Eine der großen Geschichten.

Thursday, February 07, 2008

Andere Tage

Langsam gewöhnt man sich anden Lenz-Ton. Und mag nicht mehr aufhören. Es macht einen ruhig und rückt die Dinge in eine bestimmte Perspektive. Durch sie lässt sich mit allem leichter fertig werden.

Book Thief

Da lässt sich schwert widerstehen.
Wenn der TOd persönlich erzählt.

Die Lehre der Saint Victoire

Echter Handke. KAnn verstehen, dass man den Ton kaum aushält, wenn man kein echter Fan ist. Wie ich. Handke lehrt schauen, das ist das wichtigste. Wenn man sich nicht alle Stunde seiner Außen- und Innenwelt versichert, wird man dumpf. Handke-Bücher sind Lehrbücher dagegen. Und imer sucht er sich neue Bilder für die unterschiedlichen Fasetten der Wahrnehmung, wie hier und in der Langsamen Heimkehr der Form und macnherlei anderem. Man sollte also fortwährend in Handke-Büchern lesen.

Monday, January 28, 2008

Mystic River

Hervorragend geschrieben. Aber ein "Und-dann-Geschah-das-und-dann geschah-jenes-Buch"

HAndke-Lenz-Briefwechsel

Lese das ganz sparsam, weil es so großen Spaß macht.

Lenz Tintenfisch

Tintenfisch. Beschwingend. Aber auch irgendwie zu wenig von ? Keine Ahnung.

Tuesday, January 08, 2008

Handke Biografie

Handke im Rowolt-Bändchen. Kein anderer zeitgenössischer Schriftsteller scheint mir so nah. Vielleicht ist es die Heilserwartung durch das Schreiben, das, was so viele monieren, der Grund dafür. Das Bändchen ist genau richtig dosiert. Eine der besseren Rowolt-Monografien.

Paul Auster Brooklyn Revue

Bei der Lektüre beschlichen von dem Gedanken, dass ich mit Auster ähnlich wie mit Karl May, Stephen King und Hesse nun auch bin.

Aber der Sog ist noch immer gewaltig, ich las das Buch an einem Tag - und fühlte mich danach nicht übersättigt wie von zu viel Poppcorn.

Nein - bin noch nicht durch. Obwohl mich doch einiges stört:
- Klischees, KLischees, KLischees
- Seitenlanger Mitteilungsstil
- és war wohl doch nicht so viel, dass es die BUllet Points gelohnt hätte.

Monday, December 31, 2007

Rudin

Turgeniew. So ein kleiner russischer Roman aus der Mitte des 19 Jht. geht dann quasi in einem Zug, während man sich bei vielem modernen Zeug zwingen muss und es dann oft ganz bleiben lässt.

Friday, December 28, 2007

Tannöd

gut, atmosphärisch dicht und präzise. die alte, immer wieder neu erzählte geschichte. hier ganz im archaischen verbleibend. es spielt in den 50er jahren, könnte aber auch ein jahrhundert früher so stattgefunden haben. und hat auch.

Monday, December 17, 2007

Jesus Video

Um ehrlich zu sein: ein ziemlich kindischer Schmarrn.

Sunday, December 09, 2007

Rebus - verschlüsselte Zeichen

Habe schon bessere Rebusse gelesen. TRotzdem ging es am Ende ganz gut runter. Manche Züge an ihm sind wirklich etwas unsympathisch. Diesmal gab es auch kein besonderes Highlight, keine Epiphanie, oder wie man das nennt, so eine Stelle eben, bei der vieles zusammenläuft und das ganze einen innere Groove entfaltet, wie iun manchem R. Scott-Film.

Friday, December 07, 2007

Pompeii

Recht spannend, ein Sandalenfilm als Buch mit viel Wissenswertem über die Römer, Aquädukte, Vulkane, Korruptionswirtschaft; antikes Spekulantentum. Erfreulich bei der Hörfassung:
1. Tarrach ist ein klasse Sprecher, schade dass es nur wenig von ihm gibt
2. Die zweifellos banale Liebesgeschichte wird recht abgekürzt. Ist eigentlich nur Instrument, um den Aquarius alles rund um den Vesuv erleben zu lassen.
3. Das Ende. Bestes Kunsthandwerk, fast schon Kunst.

Wednesday, November 28, 2007

Saturday

Sehr guter Roman. Von MacEuwen noch nie enttäuscht worden. Gekürzte Version, habe aber wenig vermisst. Kann man das sagen, wenn man die Langversion nicht kennt?

Wednesday, November 21, 2007

Sherlock Holmes

Einige Geschichten angehört (blauer Karfunkel, Ohren, Orangenkerne). Die Lesungen der Originale kommen dabei besser weg, als die Bearbeitungen. Die Bearbeitungen haben nichts literarisches mehr, sind oft reine Denkrätsel, wie ein Radiomitratekrimi. Bei den Lesungen kann es aber mal vorkommen, dass Homes und Watson in eine Kneipe gehen, eine Flasche Burgunder trinken und Holmes einen Vortrag über Paganini hält. Hat alles nichts mit der Handlung zu tun und ist deshalb geradezu herausragend schön. Ich glaube, hier ist man ganz nahe dran an dem, wo die Grenze zwischen echter Literatur und reinem Zeitvertreib verläuft.

Faustus Hörspiel

Nochmal den Faustus also dieses Jahr. Bin nahezu taub für den Text und muss es nun wirklich für eine Weile gut sein lassen.

Das Hörspiel gibt nur ein Schatten wieder. Es hört sich so an, wie eine Dokumentation, nachgeliefert der Biografie Leverkühns von Zeitblom. Die Stimmen sind gut. Zeitblom, Leverkühn, nach einiger Eingewöhnungszeit.

Weiß nicht, ob ich es nochmal hören werde.
Brauche Mann-Pause. Mindestens für zwei, drei Jahre.

Wednesday, November 14, 2007

austerlitz

sofort der typische sebald-ton. etwas ganz besonderes. ist mein neues jackentaschenbuch nach dem untergeher.

doderer

die dämonen. auf seite 174. gut.
rechne damit, dass es nächstes jahr wird.

bernhard

literarische spurensuche in wien. saß im bräunerhof, im havelka. strudelhofstiege.

las untergeher. man kennt die manier. so etwas ist schnell konsumiert.

Wednesday, October 31, 2007

Tintenherz

Ganz nett, aber bei weitem nicht HP-Format.

Erinnert ein bissl an Kai Mayer. Und diese gane Herein- und Herausleserei, das hinkt doch, oder?

Sunday, October 28, 2007

Buddenbrook


Zum ich weiß nicht wievieleten Mal also die Buddenbrooks. Vorgelesen von Westphal, der in der Tat der beste Vorleser ist, den ich bis jetzt gehört habe. Was ist eigentlich der Unterschied zum Selbstlesen? Vielleicht, dass einem der Leserhythmus vorgegeben wird. Dass macht es mit unter anstrengend. Ich brauche dazu immer eine begleitende, leichtmotorische Bewegung wie Laufen, Gehen, Radfahren. Nur zuhören finde ich schwierig, würde ich aber gerne trainieren.


Buddenbrooks also wieder. Eingeordnet in Thomas Manns Gesamtwerk: Das klarste, romanhafteste Buch, bei fast allen späteren in der Anteil an Reflexion viel höher. Das macht die Lektüre leicht. Ist auch sehr unterhaltsam, wobei einem beim Wiederlesen namentlich die so gerühmten Leitmotive tendenziell am ehesten auf die Nerven gehen. Das beste an der Geschichte ist noch immer die Figur des Thomas Buddenbrook. Und wenn man sich selbst dem Alter nähert, indem er "fertig" war, erhöht sich das Interesse noch.


Wann kommen die Buddenbrooks das nächste Mal. Wahrscheinlich erst Mal in Form von dem anstehenden Broleur-Film. Bin gespannt.

Saturday, October 20, 2007

Esterhazy 1

"Einführung in die schöne Literatur" - ein Buch, das ich aufgrund seiner "Anmutung" ("The" Book!) unbedingt wollte, auch wenn es ziemlich teuer war. Jetzt habe ich es herausgezogen, weil ich ein anderes ebenso aus ähnlichen Gründen begehrte (Das Haus).

Es hängt nichts zusammen. Der Autor hat Erzählfragmente (keine Beobachtungen oder so was, das könnte man ja einordnen) aneinander gereiht. Gemeinsame Themen sind: Kriegszustand, Pferde, Versehrtheit, gelegentlicher bitterer Sex. Manchmal gibt es dadaistische Spielereien, Glossen und Grafiken kommentieren oder assozieren andere Erzählfragmente. (Strukturbeschreibung).

Vielleicht nimmt man es als einen Spaziergang durch ein unbekanntes Erzählland. Da hilft nur beobachten.

(tbc)

Eomtional Kreativität

Um mal wieder etwas anderes zu lesen. Interessante Beispiele, z.B. der Kletterer, der nicht still stehen darf und sich für einen weg entscheiden muss. Wichtiges Bild für den Schriftsteller, der Angesichts des Reiches des Potenziellen erstarren mag.

Updike - Biografie von V. Hage

Für den Anfang recht gut. Das "Problem" bei den wirklich ganz guten Autoren: Ihr Werk überragt das Leben turmhoch, so dass die Biografien gar nicht mehr so spannend. Und macht man dann eher eine Werkschau, wie hier, dann ist es immer ein bißchen wie ein zu schneller, hastiger Gang durch eine Galerie, oder bei Updike vielleicht eher eine Messe, bei dem man sich ständig vornimmt, hier noch mal herzukommen, um dieses oder jenes mit mehr Muse zu betrachten. Aber für den Überblick sind diese Bücher auch wieder notwendig. Man vergisst schlicht, welche Updike-Bücher man noch gar nicht kennt.

Isler - Der lebende Beweis

Ganz nett, aber nicht unbedingt begeisternd. Habe wohl langsam diese Gelehrtenromane langsam über und sollte mal wieder zu Handfestem greifen.

Monday, October 15, 2007

Isler

Beweis irgendwas. Ganz nette Campus-Lektüre. Nichts besonderes. Bis jetzt.

(Es wartet: Das Haus)

Thursday, October 04, 2007

Meaulnes, der große

Ein Abenteuerroman im weitesten Sinne. Meaulnes, der starke Held, ernst und ungeschickt, zu jeder Tat bereit, sich selber aber nicht kennend. Ein Spielball des Geschicks, wie man sagt. Am Ende bleibt ihm nicht viel mehr als nichts. Ebenso wie dem Erzähler, der vielleicht die ergreifenste Figur ist, Beobachter und Randsteher, denoch mutig, aber alles bescheidener, als beim anderen. Die langen Pausen und Schweigsamkeiten in einer Märchenlandschaft.

Monday, October 01, 2007

die stunde

sehr schönes buch. interessante anlage. ein frauen- und homosexuellen-triptichon rund um den suizid.

Friday, September 21, 2007

metaphysisch arme schlucker

die habenichtse.
ein buch, das bewegt, jedenfalls. schön, manchmal ein wenig dunkel, auch brutal. es geht um leute, die nichts haben aber versuchen, etwas zu bekommen. was ist dieses "nichts"? in diesem nichts - einer typischen kontextualen leerstelle, könnte ein literaturwissenschaftler sagen - tauchen zeitweise verschiedene sachen/ideen/personen auf, die es sporadisch überdecken, nicht ausfüllen: eine ehe z.B., ein ortswechsel, eine katze, sex in verschiedenen variationen, arbeit, vergangenheit. aber als fehlte den menschen die nötigen schnittstellen dafür, bleibt nichts davon haften, verschwindet wieder. das löst bei den einen depressionen aus (nicht melancholie), bei den anderen wut.

Sunday, September 16, 2007

terrorist

las das sehr schnell, updike wie gewohnt meisterhaft. wie er es schafft, das geschehen atmosphärisch zu verdichten ist jedesmal grandios. dabei geschieht wie immer herzlich wenig, oder man merkt kaum, dass etwas geschieht. aber das stimmt so auch nicht, im vergleich zu anderen romanen geschieht wiederum ziemlich viel. da ist also ahmed, ein 18-jähriger highschool-absolvent. er ist strenggläubiger moslem, gott ist ihm näher, als die halsschlagader. außer diesem gott hat ahmed in dieser welt herzlich wenig: eine mutter, die er zwar liebt, aber auch verachtet, eine minimale, kaum eingestandene und ausweglose liebelei zu einer mitschülerin, die später zu einer prostituierten wird und die er von seinem mentor spendiert bekommt, ehe der countdown zu seiner selbstopferung beginnt. darüber hinaus nur leere und einen an satres ekel erinnernden abscheu vor unreinheit der teufel amerikas. über seinen imam werden die vertreter des terrorsnetzes auf ihn aufmersam und beginnen geschickt mit der instrumentalisierung: erst wird er lasterfahrer für eine möbelhandlung, doch dies dient nur der tarnung und vorbereitung für ein attentat: er soll einen lastwagen in den licoln-tunnel fahren und am schwächsten punkt sprengen.
das würde er vielleicht auch tun, wenn sich im letzten augenblick nicht ein beratungslehrer -ein depressiver, atheistischer jude - auf den beifahrersitz schwingt und versucht, ihm im letzten augenblick dazu zu überreden, abzulassen.
nun: faszinierend: ein roman über unterschiedliche Umgehensweisen mit dem metaphysisch leergefegten universum. ein altes thema, sicher. neu aber: auch ein terrorattentäter kann zunächst ein weißes blatt sein. er entscheidet sich eben dafür, die leere mit der geschichte des heroischen selbstopfers zu füllen. der selbstmordattentäter als existentialist. und kurz bevor es zu spät ist, nutzt er die freiheit, sich doch noch einmal anders zu entscheiden.
der schluss ist aber deshalb noch allzu optimistisch, denn sein gott ist weg - die teufel haben ihn ihm genommen. ein abgesang an die religion klingt hier verhalten an. bitter irgendwie

Wednesday, September 12, 2007

schillers schreibtisch

habe sehr viele kühn-bücher herumliegen - dank der walther-lektüre. macht in der regel spaß, nur hier bröselkt es etwas auseinander. auch nerven die all zu pedantischen reflexionen zum arbeitsprozess. dafür werden viele interessante sachen ausgegraben.

fazit: kühn-bücher liest man immer irgendwie gerne und flott,

was man lesen soll

von walther. mag solche belletristischen literaturgeschichten. allerdings hier etwas ostlastig. blätterte drüber.

troja haefs

das erste buch von haefs. sehr interessant, nur leider etwas rücksichtslos, was das aufnahmevermögen des lesers in bezug auf fremde kulturbezeuchnungen, namen, regionen betrifft. aber ansonsten mag ich dieses neuerzählen von mythen, diese mythos- und geschichtslektionen en passant. man lernt in geschichten, das weiß die pädagogik kaum. wo lernt man so viel über den ns-nährboden als im dr. faustus? und hier erklärt zeigt sich manches tohubawohu des mittelmeerraums.

habe auch seinen alexander bereit liegen.

Sunday, September 02, 2007

liseys story

fertig gehört. s.k. hält es für eines seiner besten bücher. ich halte es, wie die meisten king-bücher für zu breit und beredsam, um nicht zu sagen geschwätzig.

dennoch s.k.: sein bücher als romane sind häufig voller mängel. aber seine geschichten hinterlassen oft mehr bilder, als viele andere "kunstvollere" romane. an sarah kann ich mich zb ganz gut erinnern - das haus am see, der fiese alte und seine hausvorstherin und vieles andere.

was bedeutet das?

Tuesday, August 21, 2007

Lügen in Zeiten des Krieges

Man ist bei dieser Art Bücher im in Versuchung, beim Lesen zu heucheln. Zu heucheln, dass es einem nicht um des Voyeurismus des Grauens geht. Wahr ist: Wir lesen voller Interesse, manchmal hingerissen, von Leid und Angst anderer Menschen. Vielleicht gibt uns das die Möglichkeit, das eigene Dasein in Frieden, Wohlleben und verhältnismäßiger Leere besser zu genießen?

Und immer ist es der durchgehende reine Berichtsstil, der in diesen Büchern vorherrscht. Es gibt fast nie Metaphern oder wörtliche Dialoge. Alle Kunst wird bewusst abgestriffen. Eigentlich ist das keine Romanliteratur, sondern Autobiografie.

Wie es mir gefällt? Es gefällt mir. Wie der Besuch in Dantes Hölle. Immer unter der Maßgabe: Nur zu Besuch. Auch wenn das makaber klingt.

Tuesday, August 14, 2007

kurkow - pinguine

nett, melancholisch, aber kaum fesselnd. auf der stelle tretend.

hornby all you can read

wünschte es gäbe hier so unterhaltsame buchkolumisten. aber feuilton ist heute einheitsbrei. ausnahmen: maar, ...

an der schwelle zum glück

eine sehr lesbare und schöne kafka-lebensbeschreibung. als eine art kinderbuch deklariert. würde mich sehr interessieren, welches kind dieses buch liest. aber ein sehr sympathisches und eindringliches porträt.

duffy

ganz nett. aber kein fest. und wie alle krimis letzten endes irgendwie enttäuschend.

Sunday, July 29, 2007

Rowling for Nobel Prize

Beendete heute Harry Potter. Man soll ja nicht, aber die Potter-Reihe gehört zum Besten, was es in der erzählenden Literatur überhaupt gibt.

Hier meine Gründe, warum J.K. Rowling dafür den Nobelpreis verdient:
1. Weil sie mitder HP-Reihe eine Art neues Testament geschrieben hat - jenseits der Religionen, aber im wahrsten Sinne des Wortes mit allem Zauber wahrer Metaphsik.
2. Weil sie in einer Geschichte so viel positive Identifikationsangebote geschaffen hat, wie nirgends sonst. Hier darf sich wirklich jeder wiederfinden.
3. Weil sie nie nur schwarz und weiß zeichnet.
4. Wegen der Vielfalt undDetailiertheit der imaginierten Welt.
5. Weil sie die unglaubliche Kraft besitzt, kein einziges Motiv in einem überaus dichtem Erzählgeflecht verloren gehen zu lassen.
6. Weil sie Leser jeden Alters, jeder Nationalität, Rasse, Herkunft glücklich macht.
7. Weil sie den Tod nicht verschweigt. Sterben ist nicht das Schlimmste. Leben ist Sterben lernen.
8. Wegen der vielen Gestalten.
9. Wegen Hermine.
10.
11. Weil Draco und Harry sich 19 Jahre später respektvoll zunicken.
12. Wegen: Hier ruht Dobby, ein Freier Hauself.
13. Wegen Snape, einem der Tapfersten.
14. Weil auch Dumbledore fehlbar ist.
15. Weil niemand bleiben muss, wie er ist. Auch Kreacher und Narzissa nicht.
16.
17.
18.
19. Weil es den Mut zum Widerstand gibt. Gegen Dummheit, Engstirnigkeit,Lüge.
20.
21.
22. tbc.

duffy

krimi von kavanagh/barnes. ganz gut.

nachtfahrt

nicht so gut, wie das letzte, das ich von ihm gelesen habe. aber immer noch sehr gut. die dialoge etwas hölzern.

HP6

noch mal ganz. zur vorbereitung für das finale. makellos.

Tuesday, July 10, 2007

Das Beben

Mosebach, ein toller Schriftsteller. Ganz gemächlich geht es da zu und das gibt Zeit für einige großartige Szenen, wie zum Beispiel als der Held alleine zum ersten Mal in der Wohnung der Geliebten ist, sie hat ihm den Schlüssel gegeben, aber dann kommt sie nicht und er sitzt in der Wohnung, zusammen mit ihrer Katze, erwartungsvoll eigentlich, aber auch mit sich zufrieden und sie kommt und kommt nicht und schließlich schläft er ein. Oder das Kapitel in Indien, in dem er über die Heiligkeit der Kuh meditiert und man sich gleich wünscht, hier würde man ähnlich mit den glotzäugigen Widerkäuern verfahren, statt sie als Milchbatterien zu missbrauchen. Und vor allem ist dieses Königsporträt, ein Anachronismus, der sich dessen halb bewusst ist und seine Hoheit als ein würdevolles Trotzdem ausfüllt.

Werde mehr davon lesen. Sah aber, dass die Taschenbücher bei DTV geradezu unverschämt teuer sind.